Krankes Gesundheitssystem - Teil 6

Das Problem Fachkräftemangel ist im Gesundheitswesen nicht nur auf die Pflegebranche beschränkt, sondern macht längst auch den Kliniken und Krankenhäusern arg zu schaffen. Sind ausländische Ärzte die Antwort?
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Laut Bundesärztekammer hat sich der Anteil ausländischer Ärzte in den letzten 16 Jahren von rund 11.000 Medizinern auf fast 42.000 erhöht. Eine nicht unumstrittene Entwicklung. Foto: fotolia

Laut Bundesärztekammer hat sich der Anteil ausländischer Ärzte in den letzten 16 Jahren von rund 11.000 Medizinern auf fast 42.000 erhöht. Eine nicht unumstrittene Entwicklung. Foto: fotolia

Vor allem im ländlich geprägten Raum ist der Fachkräfteman­gel gravierend. Doch seit nunmehr rund 15 Jahren zeichnet sich ein Trend ab, der die medizinische Ver­ödung ganzer Landstriche aufhalten soll: Kranken­häuser und Praxen re­krutieren immer mehr Ärzte aus dem Ausland. Laut Deutschlandfunk ist allein in Sachsen der An­teil ausländischer Ärzte in den vergangenen zehn Jahren um gut 70 Prozent gestiegen. »Ärzte und Pflegekräf­te mit Migrationshinter­grund stellen ein wichtiges Beschäftigungspotenzial für unsere Versorgung dar«, sagte im Jahr 2011 be­reits der dama­lige Geschäfts­führer des Lau­sitzer Seenland Klinikums, Andreas Grahlemann. Grund sei der zunehmen­de Ärztemangel, aber auch das Fachkräftedefizit in der Pflege. Dies gelte für das Lausitzer Seenland Klinikum ebenso wie im bundesweiten Vergleich. Eine Entwicklung, die trotz Hürden, wie einer verpflichtenden Sprach- und Medizinprüfung, an Fahrt aufnimmt. Trotz ei­ner Prüfungs-Durchfall­quote von mehr als 50 Pro­zent, beim ersten Versuch. Die Krux: Diese Prüfung ist nicht bundeseinheitlich geregelt und kann beliebig oft wiederholt werden. Dazu äußerte sich Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbund-Lan­desverbandes Westfalen-Lippe im Ärzteblatt: »Das deutsche Ge­sundheitssys­tem brauche die Zuwande­rung der aus­ländischen Kollegen drin­gend. Für eine Integration in das Gesundheitssystem, die eine Patientenversor­gung auf bewährtem Ni­veau garantiert, seien aber Sprachkenntnisse erfor­derlich, die auch medizi­nisches Fachwissen und die Selbstverwaltung um­fassen.« In einer Brandenburger Diskussionsrunde unter Fachleuten stellte man sich die Frage: »Warum kommen überhaupt die ausländischen Ärzte in die deutschen Provinzen? Haben die mehr Herz als unsere deutschen Ärzte oder bekommen sie eine ‚Buschzulage‘«? Amtsarzt Dr. Klaus Beth­ke aus dem OSL-Kreis fin­det es sogar »schäbig, dass hochmotivierte Tschechen ihr Land verlassen, weil es hier mehr Geld gibt. Je­der polnische, rumänische, tschechische Arzt, der zu uns kommt, schädigt damit sein eigenes Land. Wir reißen eine Lücke in das Gesundheitssystem des jeweiligen ausländischen Staates, wenn wir deren Fachkräfte abwerben.« Und Dr. Bethke hat auch direkt einen Lösungsvor­schlag für das Dilemma parat: »Was ist denn, wenn wir sagen: Ihr Me­dizinstudenten habt eu­re Ausbildung durch den Steuerzahler finanziert bekommen, jetzt bleibt ihr die ersten vier Jahre nach eurer Ausbildung erst mal im ländlichen Raum.« Ein Vorschlag, der in der Dis­kussionsrunde auf breite Zustimmung gestoßen ist - doch, und da waren sich die anwesenden Fachleute einig, es muss eine politi­sche Entscheidung her. Und das wird schwie­rig, weiß Dipl.-Ing. oec. (TU) Andreas Bernhardt, Geschäftsführer der Me­dizinischen Einrichtungs-GmbH Senftenberg: »Ich habe erst kürzlich mit unserem Gesundheitsmi­nister Spahn gesprochen. Und was hat der mir ge­sagt? `Wir brauchen mehr Ärzte. ` Aha. Das hat mir im Jahr 2004 auch schon Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gesagt. Es wird immer nur geredet, aber es passiert einfach nichts. Warum? Weil in der Politik immer nur an den kleinen Rädchen ge­dreht wird. An die großen Räder traut sich niemand ran, weil das Wählerstim­men kosten könnte. In Berlin müsste es einen Zulassungsstopp für Ärzte geben, stattdessen müsste man sie in den ländlichen Raum schicken. Doch das wird nicht passieren, denn in Berlin sitzen die Lobby­isten«.