Krankes Gesundheitssystem - Teil 5

Wie ist es um die Versorgung der Bevölkerung in Betreuungs- und Gesundheitsfragen bestellt? Diese Frage wurde unlängst mit Fachleuten der Branche in Senftenberg diskutiert.
Bilder
Wie ist die Lage in Südbrandenburg? Das diskutierten Karl-Heinz Kaiser, Johanna Müller, Dr. Klaus Bethke, Cornelia Wagner, Dipl.-Ing. oec. (TU) Andreas Bernhardt, Diana Tietze und Silke Karich (v.r.n.l.). Foto: hgb

Wie ist die Lage in Südbrandenburg? Das diskutierten Karl-Heinz Kaiser, Johanna Müller, Dr. Klaus Bethke, Cornelia Wagner, Dipl.-Ing. oec. (TU) Andreas Bernhardt, Diana Tietze und Silke Karich (v.r.n.l.). Foto: hgb

»Das Problem ist: Wir haben eine Ahnung - oder auch nicht, was mit un­seren Beiträgen für das Ge­sundheitssystem passiert. Und wir haben das Gefühl, dass die Versorgung der Bevölkerung zunehmend schwieriger wird«, mit die­sem Prolog eröffnete Mo­deratorin Johanna Müller eine Diskussionsrunde im Rahmen der Initiative „Lisa-Café“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Senftenberg. Hier sollten Fachleute erör­tern, wie es um die Versor­gung der Bevölkerung in Betreuungs- und Gesund­heitsfragen bestellt ist. In der Einladung hieß es: »In allen Bevölkerungs­schichten ist eine allge­meine Unzufriedenheit zu vernehmen. Aber stimmt alles, was auf dem Markt, in Wartezimmern oder in Gesprä­chen mit Nach­barn gesagt wird?« Dies darzulegen oblag Karl-Heinz Kaiser, Vor­standsvorsitzender vom Gerontopsychiatrisch-Geri­atrischer Verbund OSL e.V., Amtsarzt Dr. Klaus Beth­ke, Pflegewirtin Cornelia Wagner, Dipl.-Ing. oec. (TU) Andreas Bernhardt, Kreis­geschäftsführerin DIE LIN­KE Diana Tietze und der Apothekerin Silke Karich. »Südbrandenburg ist ge­prägt durch das Gefühl eines vorherrschenden Ärztemangels« beginnt Andreas Bernhardt sei­ne Ausführungen. »Dabei gibt es einen Unterschied zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Ärz­temangel.« So gibt es laut Bedarfsplan in Senftenberg und Großräschen 30 Stellen für Hausärzte, von denen nur 2 Stellen unbesetzt sind. Bei Kinder­ärzten sei die Situation in Senftenberg eine Katast­rophe, so die Meinung in der Bevölkerung. Offiziell jedoch ist Senftenberg mit Kinderärzten sogar mit 203 Prozent überversorgt. Dem­entsprechend sind neue Ärzte für die Zulassung gesperrt. Also alles in Ord­nung, trügt das Gefühl des Ärztemangels? Mitnichten. Und Andreas Bernhardt hat dafür eine einfache Erklärung: »Wir reden von der Bedarfsplanung. Dieses Wort allein ist völlig falsch. Es geht aber vielmehr um die Kassenlage. Was hier passiert, hat mit Bedarfsplanung gar nichts mehr zu tun.« Amtsarzt Dr. Klaus Beth­ke über die Situation im stationären Bereich: »Das Klinikum Niederlausitz ist der größte Versorger der Region. 120 Ärztestellen sollte es geben, 100 Stellen sind tatsächlich besetzt, da­von sind 40 Kollegen aus­ländischer Herkunft. Dass wir diese Kollegen haben, ist ein Segen, aber sie brin­gen auch Probleme durch ihre Sprache und ihre nicht abendländische Kultur mit.« Ein weiteres Problem sieht der Amtsarzt darin, dass in Brandenburg als einzigem Bundesland keine Ärzte ausgebildet werden. Pflegewirtin Cornelia Wagner über die Situation im Umland: »Gerade in Städten wie Ortrand ist die Situation sehr schwie­rig. Der Personalmangel nimmt stetig zu, sowohl bei der ambulanten-, als auch bei der stationären Pflege. Daher nehmen wir mit Verwunderung zur Kennt­nis, wenn Spahn sagt, wir schaffen 8.000 Stellen. Ach nein, wir schaffen 15.000 Stellen. Wo sollen die denn herkommen?« »Wir haben einen Pfle­genotstand und ich bin ge­neigt zu sagen: Wir stehen vor einem Kollaps«, pflich­tet Diana Tietze (LINKE) bei. Schlechte Entlohnung, fehlende Menschlichkeit und Anerkennung der Leis­tungen machen den Job laut Tietze unattraktiv. »Das Problem des Per­sonalmangels ist bei den Apotheken noch nicht an­gekommen«, erklärt Silke Karich, Chefin der Marien-Apotheke Senftenberg ihre Situation. »Doch auch wenn es noch nicht akut ist, es wird akut werden. Der Nachwuchs fehlt aber nicht nur bei den Apothekern, auch bei den Pharmazeu­tisch-technischen Assisten­ten. Wer Fachkraft werden will, muss erst mal zurück zu den Eltern, denn wie bitte soll man während der 2,5 Jahre Ausbildung ohne Geld leben?«