André Schramm

80 Sachen mit 0 PS

Freital. Freital mausert sich zur europäischen Hauptstadt der Seifenkistenrennen. Wer dabei an eine reine Spaßveranstaltung denkt, der irrt: Livestream von der Strecke, topmoderne Messanlagen und strenges Reglement – DEKRA-Abnahme inklusive, Ehrgeiz sowieso.

Nach der Rennpause im letzten Jahr ist Kleinnaundorf dieses Jahr wieder am Start. Vom 21. bis 23. Juni wird in dem Freitaler Ortsteil die 22. Internationale Sachsenmeisterschaft sowie die 10. Deutsche Meisterschaft im Speeddown-Seifenkistenrennen ausgetragen. "Auch eine neue Rennklasse geht an den Start – Go-Karts, natürlich ohne Motor", sagte Organisator Thomas Käfer vom "Heimatverein G-Haus Kleinnaundorf e.V.". Sechs Wochen vor dem Event lagen schon 90 Anmeldungen vor. "So viele gabs zu diesem Zeitpunkt noch nie", freut sich Käfer. Die Unterbrechung hat der Veranstaltung offenbar nicht geschadet, ganz im Gegenteil.

Freital sei in der Szene, so sagt Käfer, inzwischen der Benchmark für Seifenkistenrennen und zwar europaweit. Diese Einschätzung käme nicht von ihm selbst, sondern von den Teams, die in den letzten Jahren hier waren. "Vor allem die gute Organisation wurde immer wieder gelobt", erzählt der Seifenkisten-Profi.  Im September 2018 erhielt die Stadt den Zuschlag als Austragungsort für die Europameisterschaft 2021. Im selben Jahr wird Freital 100. Die Strecke soll dann allerdings in Somsdorf sein.

Für Oberbürgermeister Uwe Rumberg sind das genau die richtigen Signale. "Freital steht immer wieder im Fokus, nicht immer positiv. Man kann gar nicht genügend wertschätzen, was engagierte Leute hier für die Stadtgesellschaft auf die Beine stellen und weit darüber hinaus", sagte er.  Ob er sich selbst einmal in eine Seifenkiste setzt, ließ er offen. Das Angebot jedenfalls steht. Sowas will gut überlegt sein. Manche Fahrer sind mit bis zu 80 Sachen unterwegs.

Thomas Käfer, der auch Ortsvorsteher ist, wird im Juni mit einem knallroten Boliden an den Start gehen. Das nigelnagelneue Gefährt stammt aus Italien und bekam hier nur die Verkleidung. Der Flizer erinnert eher an einen zu kleinen Formel-1-Wagen als an eine Seifenkiste. Die genauen Kosten nennt er nicht. Dass man gut und gern 8.000 Euro hinlegen kann, sagt er aber schon. "Für mich stand die Frage: Willst Du eher vorn oder lieber hinten mitfahren? Ich habe mich für vorn entschieden", erzählt Käfer mit Blick auf die letzte EM in Belgien. Material ist mindestens genauso wichtig wie Talent. Aerodynamik, Fahrwerk, Bremsen, Gewicht und viele andere Dinge entscheiden am Ende über Hundertstel. Bei den belgischen Gastgebern hatte offenbar alles gestimmt. Sie belegten das komplette Treppchen, und Käfer sah sich anschließend nach einer neuen Seifenkiste um – auch wegen 2021. 

Live-Übertragung im Internet, Fahrzeugabnahmen durch Offizielle, moderne Messtechnik u.v.m. – die Professionalität, die die Seifenkisten-Freunde an den Tag legen, hat man auch in der nahegelegenen Feldschlößchen-Brauerei vernommen. Feldi steigt ab 2019 als neuer Sponsor ein. Das finanzielle Engagement ist längerfristig ausgelegt. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart. "Wir sind gern dabei, wo Menschen zusammen kommen und Spaß haben", erklärte der Feldschlößchen Gasto-Vertriebsleiter Uwe Tschuschke. Er versteht die Unterstützung zudem als Anerkennung für den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen.

"Über 100 Helfer, der gesamte Heimatverein und weit über 100 Sponsoren – ohne sie alle wäre die Veranstaltung nicht möglich", sagte Thomas Käfer. Das Rennwochenende im Juni ist gleichzeitzeitig der Auftakt für die 875-Jahr-Woche von Kleinnaundorf.

 

Info: www.seifenkiste-freital.de

 

 

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