Carola Pönisch

Dresdens neue Fledermaus-Posse

Dresden. Das Umweltamt der Stadt fordert am Straßburger Platz das Anbringen von Fledermaus-Nistkästen. Die Bildungseinrichtung, die insgesamt 27 Kästen an ihre zwei Gebäuden schrauben soll, weigert sich.

Kann man etwas schützen, was vermutlich nicht da ist? Ja, sagt das Dresdner Umweltamt. Es will Fledermäuse schützen. Am Straßburger Platz. Genauer im Areal zwischen Güntz-, Blochmann- und Seidnitzer Straße. Dort, wo sich der Schulcampus der AWV-Gruppe (dazu gehören die Akademie für berufliche Bildung, die Akademie für Wirtschaft und Verwaltung und die Private Fachhochschule Dresden) befindet.

In einem Schreiben forderte das Umweltamt bereits vor der Erweiterung des Campus, dass nach Fertigstellung des Neubaus 27 Nistkästen angebracht werden – 15 am neuen Gebäude und zwölf am Altbau in der Blochmannstraße. Begründet wurde die Forderung mit der Entdeckung eines vermeintlichen Fledermausloches in einem Baum am Fußweg Seidnitzer Straße.

»Beweis-Loch« für Maus-Haus existiert nicht mehr

Ob das Loch in drei Meter Höhe allerdings tatsächlich ein von Fledermäusen bewohntes Loch ist, kann nicht mehr nachgeprüft werden, denn die Stadt ließ den betreffenden Baum zusammen mit mindestens zwei weiteren Straßenbäumen an der Seidnitzer Straße Anfang 2016 fällen. Nicht wegen des Neubaus, sondern weil sie schlichtweg vernachlässigt und krank waren. »Ob das Loch überhaupt ein von Fledermäusen bewohntes war, konnte der Gutachter damals nicht mit Bestimmtheit sagen«, erinnert sich Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe. »Die Behauptung des Umweltamtes, durch unseren Neubau seien Fledermausquartiere verloren gegangen und daher müssen Ersatzquartiere geschaffen werden, ist schlicht falsch«, so Kahle. Dagegen argumentiert das Umweltamt, dass beim Fällen einer Esche auf besagter Seidnitzer Straße überwinternde Fledermäuse geborgen werden konnten.

Lärm, Licht und Zugluft – kein Wohlfühlort für Fledermäuse

Ob sich die Tiere – immerhin 27 Paare – überhaupt in einer Umgebung ansiedeln, die durch viele Straßenlaternen, enormen Autoverkehr und nicht zuletzt durch die Zugluft erzeugenden Klimaanlagen auf dem Dach des Campusgebäudes geprägt ist? Günter Kahle hat daran größte Zweifel.

Und deshalb weigert er sich, die Fledermausquartiere anzubringen. Aber auch aus einem anderen Grund: »Fledermäuse gelten als Überträger von Viren, können unter anderem Masern und Tollwut. Auf einen Schulcampus sollte man daher wirklich nicht 27 Nistkästen hängen und eine ganze Population anlocken.«

Auch die Ehrlich’sche Schul- und Armenstiftung, Eigentümerin des Altbaus, ist gegen die Anbringung der geforderten Fledermausquartiere, schon allein aus Denkmalschutzgründen. »Dann wird nämlich durch die Nistkästen jede noch so kleine Bau- oder Renovierungsmaßnahme zu einem bürokratischen Mammutvorhaben«, ärgert sich Kahle. »Das Vorgehen des Amtes erinnert fatal an die Posse rund um die plötzliche Unterschutzstellung der drei Eiben auf unserem Grundstück, die uns zu einer völligen Umplanung unseres Campus zwangen.« Allein dieser Akt forderte damals ein Jahr Bauverzug. Und durch die Neuplanungen viel Geld.

Potenzialabschätzung &  Kompensationskonzept

Auf eine »artenschutzfachliche Fällbegleitung« und die damit einhergehende »Potentialabschätzung der Fledermausquartiere« verweist Stadtsprecher Karl Schuricht. Einem »Kompensationskonzept« hätte Herr Kahle damals zugestimmt – übersetzt heißt das, die AWV-Gruppe wusste, was auf sie in Sachen Fledermaus zukommen würde. »Da fristgemäß kein Widerspruch eingelegt wurde, ist der naturschutzrechtliche Bescheid bestandskräftig geworden«, sagt Karl Schuricht. Das Umweltamt werde natürlich auf die Einhaltung bestehen. »Hinsichtlich des Denkmalschutzes für den Altbau sind Spielräume gegeben, Fledermauskästen von dort auf den Neubau zu verlagern. Heißt: 27 Nistkästen am Neubau.

Günter Kahle sieht diese Kästen noch lange nicht hängen ...

 

 

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Neues Dach für Filmnächte-Areal

Dresden. Seit 20 Jahren ist die Terrasse der Filmnächte am Elbufer überdacht. Jeder, der einmal das Erlebnis Filmnächte genossen hat, wird sich im Zickzack durch die Seile bewegt haben. Das alte Dach war ein Segel, das all jene vor Regen schützte, die sich einen Platz auf der Terrasse gesichert hatten. Nach zwanzig Jahren war es schließlich Zeit, eine neue Überdachung zu installieren: „Wir arbeiteten bereits seit vielen Jahre an der Idee und Umsetzung eines neuen Dachs, das deutlich mehr Gäste vor Wind, Regen und Sonne schützt“, erklärt der Geschäftsführer der Filmnächte, Matthias Pfitzner. Regenschutz auf 1.200 Quadratmetern Jetzt endlich ist es soweit: Die Ämter sind einverstanden mit der Gestalt des neuen Daches, das von der Brühlschen Terrasse aus prominent zu sehen ist. Und auch die notwendigen 600.000 Euro Investitionskosten konnten aufgebracht werden. Über den Gästen wölben sich nach Fertigstellung dann insgesamt 18 Membranfelder, die  1.200 Quadratmeter überspannen. Gestützt wird das Dach von einer Holzkonstruktion. Bei der Gestaltung hat man sich leicht am Vorgängermodell orientiert, das bereits in den letzten zwei Jahrzehnten maßgeblich die Atmosphäre des Open-Air-Festivals ausmachte. Mit Robert Kerbl wurde das gleiche Architektenbüro aus Berlin verpflichtet, das schon für die alte Konstruktion verantwortlich zeichnete. Kerbl und sein Team machten u.a. durch den Bau des „Haus 2019“ des Umweltbundesamts von sich reden, dem ersten Netto-Null-Energie-Bürogebäude des Bundes. Am Projekt waren darüber hinaus die 3dtex GmbH, Sound Light Event und Hoch und Tiefbau Dresden GmbH & Co. KG beteiligt. Für das besonders in der Mitte wesentlich größere Dach wurden von den Partnern ab Mitte März neue Fundamente in das Areal am Königsufer eingelassen.  Aufgrund der langen Vorarbeiten soll das Dach nun ausnahmsweise bis Beginn der Filmnächte am Elbufer stehen bleiben. „Ab der nächsten Saison wird der Aufbau nur noch sieben Tage dauern“, versichert Filmnächte-Geschäftsführer Johannes Vittinghoff. Mit dem weiteren Aufbau des Filmnächte-Areals wird am 3. Juni begonnen.Seit 20 Jahren ist die Terrasse der Filmnächte am Elbufer überdacht. Jeder, der einmal das Erlebnis Filmnächte genossen hat, wird sich im Zickzack durch die Seile bewegt haben. Das alte Dach war ein Segel, das all jene vor Regen schützte, die sich…

weiterlesen

HCR: Sieg zum Saisonabschluss

Großröhrsdorf. Nachdem 446 Zuschauer ein wahres Handballfest in der ersten Hälfte erlebten, wurde es zum Ende noch einmal eng. Der HC Rödertal rettete gegen den TuS Lintfort nach 60 Minuten einen 29:27 (19:10) Sieg. Zum ersten Mal nach langer Verletzungszeit stand Brigita Ivanauskaite wieder im Kader von HCR-Coach Frank Mühlner. Trotz Anwurf für die Gäste feierten die Bienen den ersten Torerfolg der Partie. Nach einem Fehlpassvon Lintfort trieb Tammy Kreibich (4 Tore) den Ball in Richtung des gegnerischen Tors und versuchte selbst abzuschließen. TuS-Torfrau Sabrina Romeike konnte den strammen Wurf nur nach vorne abklatschen lassen, wo Thilde Boesen(1 Tor) bereit stand und zum 1:0 einnetzte. Kurz danach bekam die Kreisläuferin eine Zeitstrafe. Den daudrch vorhandenen Platz nutze Lintfort zum 1:1-Ausgleich. Nachdem die Bienen durch Egle Alesiunaite (4 Tore) wieder in Front gingen, verwertete der TuS zwei Konter zur Führung (2:3 nach acht Minuten). Der HCR war unbeeindruckt –Kreibich und Jessica Jander (3 Tore) erzielten die Tore zum 4:3. Nach dem erneuten Ausgleich übernahm die Mühlner-Sieben das Geschehen auf der Platte und setzte sich mit einem 3:0-Lauf auf 7:4 ab. Der HC Rödertal spielte wie entfesselt. Dererfolgreich abgeschlossene Tempo-Gegenstoß durch Meret Ossenkopp (4 Tore) bedeutete die 11:6-Führung (19. Minute). Die Fans waren begeistert und feierten ihre Mannschaft. In der 21. Minute parierte die wieder glänzend aufgelegte Torfrau Ann Rammer einen Strafwurf der Gäste. Eine Minute später erhöhte Rabea Pollakowski (2 Tore) nach einem Ballgewinn von Victoria Hasselbusch auf 14:8. TuS-Trainerin BettinaGrenz-Klein zog die grüne Karte, um ihre Mannschaft, die völlig von der Rolle war, neu einzustellen. Es brachte nichts ein – die Bienen vergrößerten den Vorsprung mit einem 4:1-Lauf auf 18:9 (28. Minute). Kamila Szczecina (2 Tore)verwertete kurz vor dem Pausenpfiff noch einen Abpraller von Ossenkopp zum 19:10-Zwischenstand. Der HCR war früh aus der Kabine zurück. Ossenkopp eröffnete den zweiten Durchgang mit dem 20:10 nach einem Tempo-Gegenstoß. Julia Mauksch (7/3 Tore) erzielte in der 34. Minute mit einer sehenswerten Einzelaktion das 22:12. Im direkten Gegenzug verkürzte der TuS mit zwei Toren auf 22:14. Die Gäste steckten noch nicht auf und agierten besonders in der Abwehr deutlich aggressiver. Nach 40 Minuten hatten sie sich wieder auf 23:16 herangepirscht. Bienen-Coach Mühlner reagierte und zückte seine zweite grüne Karte. Trotzdem verkürzte Lintfort auf 23:17. Dann hatte Mauksch jede Menge Platz und erhöhte den Vorsprung wieder auf sieben Tore (24:17 nach 43Minuten). Die Gäste sahen ihre Chance. Bis zur 51. Minute war der Vorsprung auf 26:21 geschmolzen.Acht Minuten vor dem Ende durfte Isabel Wolff jubeln, als sie den Ball zum 28:22 über den Block in den Winkel hämmerte. Nach einem 3:0-Lauf war die Mannschaft von Grenz-Klein beim 28:25 in der 55. Minute wieder in Schlagdistanz. Die Fans im Bienenstock spürten, dass die Mannschaft ihre Unterstützung brauchte und erhoben sich von den Sitzen. Die Routiniers Rammer und Alesiunaiteavancierten in der Schlussphase der Partie zu den Matchwinnern. Zunächst parierte die Torfrau einen Strafwurf von Loes Vandewal. Im Gegenzug machte Alesiunaite mit dem 29:25 den Deckel auf die Partie. Den Gästen gelangen in der Schlussphase noch zwei Treffer zum 29:27-Endstand. Nach Abpfiff lagen sich Spielerinnen und Offizielle in den Armen und feierten den langersehnten Sieg. Besonders in der ersten Hälfte spielte die Mühlner-Sieben entfesselt auf und ließ die zuletzt schlechten Vorstellungen in Vergessenheit geraten. In der zweiten Halbzeit verwalteten sie bis zum Ende den großen Vorsprung. Somit beendeten die Rödertalbienen die Saison auf dem neunten Tabellenplatz. HCR-Trainer Frank Mühlner: „Für meine Mannschaft und die Fans ist es natürlich super, dass wir die Saison so beenden konnten. In der ersten Halbzeit haben wir endlich wieder richtig guten Handball gespielt und uns nur auf uns fokussiert. Mit dem großen Vorsprung im Rücken konnte ich dann auch durchwechseln, um fast allen Spielerinnen Einsatzzeit zu geben. Wir beenden die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz. Mit der Rückrunde können wir aber nicht zufrieden sein. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen.“ Florian Triebel Nachdem 446 Zuschauer ein wahres Handballfest in der ersten Hälfte erlebten, wurde es zum Ende noch einmal eng. Der HC Rödertal rettete gegen den TuS Lintfort nach 60 Minuten einen 29:27 (19:10) Sieg. Zum ersten Mal nach langer Verletzungszeit stand…

weiterlesen