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Absagen, Netzprobleme, Lichtblicke

Carola Pönisch – Meine erste Woche im Homeoffice

Dresden. Zwei Dinge passen gerade sehr gut zusammen: Ich gehöre zu denen, die jobmäßig im Homeoffice weiterarbeiten können. Und der ganz große Zufall sorgte dafür, dass ich seit 13. März zu Hause über eine neue Festnetzleitung verfüge, die mir schnelles Surfen im Netz verspricht. Bisher kam mein WLAN für den Hausanschluss nach Lust und Laune via Funk. Mein Handy bietet »Edge« bis »2G«. Mein Zuhause, das sei an dieser Stelle verraten, ist nicht die Großstadt, sondern ein kleines Nest mit 290 Einwohnern direkt vor den Toren der Stadt Meißen. Hier gibt es eine Bushaltestelle, eine Autowerkstatt, einige Soloselbstständige sowie einen roten und gelben Briefkasten. Mehr nicht. Malen Sie sich selbst aus, was vier oder fünf Wochen Homeoffice bedeuten kann. Aber ich will nicht klagen, ich sehe das ganze noch sehr sportlich und werde meine Erfahrungen hier schildern.

Tag 1, Dienstag 17. März
Bis 14 Uhr war ich im Verlag, noch einige Fotos schießen, Restarbeiten erledigen, Absprachen treffen. Dann mit Rechner und Fotoapparat ab ins Homeoffice. Hier gehts ab 17 Uhr weiter. Womit eigentlich? Absagen lesen und vieles via Homepage und Facebook weitergeben. Ich ahne: Das wird wohl noch eine Weile so weitergehen.

Tag 2, Mittwoch 18. März
Bleibe ich noch liegen? Der Arbeitsweg fällt ja weg, immerhin 30 Kilometer und 50 Minuten Fahrzeit. Aber nein, die innere Uhr tickt, 5.30 Uhr bin ich wach und kurz nach Sieben online. Absagen, Absagen, Absagen. Eine Tageszeitung kann das im Print ja noch verarbeiten, eine Wochenzeitung eher nicht. Und dann auch noch das: 8.18, 9.33, 10.41 Uhr sowie weitere acht mal verabschiedet sich mein Redaktionsnetzzugang.Sollte das mit dem neuen LTE nicht besser werden? Hoffentlich geht das nicht so weiter. 

Hammer des Tages: Stippvisite bei Obi, Netto und Aldi. Der Verkauf läuft ruhig, keiner dreht durch. Was mir jedoch auffällt: Keine der Verkäuferinnen trägt Mundschutz und/oder Handschuhe. Und das bei dem derzeitigen Kundenkontakt! Was passiert, wenn Corona in so einem »systemrelevanten« Markt zuschlägt?

Tag 3, Donnerstag 19. März
Die gute Nachricht des Tages: Mein Redaktionsnetz funktioniert nach einem Update wieder reibungslos und vor allem stabil.

Und sonst? Entwickle ich mich vom Print- zum Onlinereporter. Obwohl sich die Pressemeldungen teilweise überschlagen, kann ich für die gedruckte Ausgabe das Wenigste verwenden, weil sich stets etwas ändert. Wo gestern noch etwas offen oder eingeschränkt offen war, heißt es heute: eingeschränkt oder geschlossen.

Tag 4, Freitag 20. März
Die Meldungen überschlagen sich. Ausgangssperre in Bayern. Weitere Läden, die Gastronomie und etliche Dienstleistungsbetriebe werden schließen. Mein Frisörtermin für Samstag steht zum Glück bereits fest. Dresden verhängt ab Mitternacht eine Ausgangssperre. Kein Wunder, die Elbwiesen und Spielplätze waren an den vergangnenen beiden Tagen bei gefühlten 20 Grad rappelvoll. So geht Abstand halten natürlich nicht.

Lichtblick des Tages: Die zahlreichen Hilfsangebote, die seitens Regierung und Freistaat für die bereits brachliegende Wirtschaft auf den Weg gebracht werden. Bei uns ist das alles online und releativ zeitnah auf unserer neuen Seite www.wochenkurier.info/corona-virus zu finden.

Tag 5, Samstag, 21. März
Ich schaue bei Kaufland, Lidl und Aldi und stelle fest: Wie hat sich das Aussehen der Kassenbereiche doch verändert – überall sind die KassiererInnen jetzt mit »Spuckschutz« mehr oder weniger gesichert. Die Leute im Handel und die Lkw-Fahrer, die rund um die Uhr Zeug rankarren sind für mich derzeit wahre Helden. Ein Blick auf die Parkplätze bei OBI und Dehner bestätigt die Aussage, dass diese Läden dichtmachen.  Es wird gekauft, als gäbe es kein Morgen mehr.

Tag 6, Montag, 23. März
Heute ist Redaktionsschluss. Das, was Sie am Mittwoch in der Zeitung lesen, kann da längst überholt sein. Daher: Besuchen Sie uns online, bleiben Sie uns treu und gesund.

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