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Historische Bilderreise ins Erzgebirge

Freital. Die Stadt Freital zeigt auf Schloss Burgk in der aktuellen Ausstellung »Die Kamera im Rucksack« Fotoerzeugnisse aus der Zeit der ersten Sommerfrischler.

Bilder

Bis zum 23. April zeigen die Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk eine Sonderausstellung mit dem Titel »Die Kamera im Rucksack – Eine historische Bilderreise von Dresden ins Erzgebirge«. Besucher begeben sich hier auf eine Reise im Zeitraum, die sie von Dresden durch die Weißeritztäler bis ins Erzgebirge führt.

 

Ein riesen Aufwand

 

Doch was ist das Besondere an den Aufnahmen aus vergangenen Zeiten? Axel Rüthrich hat als Kurator die Schau konzipiert: »Ich habe aus dem umfangreichen Fundus der städtischen Sammlungen die interessantesten Motive ausgewählt, die das Leben und touristische Anziehungspunkte unserer Region vor rund 100 Jahren zeigen.« Anschließend habe er die colorierten Diapositive vergrößert und am Rechner nachbearbeitet, so Rüthrich weiter. Besonders bei Aufnahmen mit einem großen Anteil heller Flächen sei dies recht arbeitsintensiv gewesen.

Die in der Sonderausstellung zu sehenden Fotos sind eindrucksvolle Chronisten der Zeitgeschichte. Bei einigen Aufnahmen, die besondere historische Gebäude zeigen, haben Axel Rüthrich und sein Team in kurzen Texten die historischen Hintergründe erläutert. So erfährt der Besucher nebenbei viel Wissenswertes über touristische Orte wie das Jagdschloss Grillenburg, das Tharandter Schloss oder das nicht mehr existierende Kalkwerk.

Wer allerdings vor 100 Jahren seine Reiseeindrücke fotografisch festhalten wollte, durfte einen größeren Aufwand nicht scheuen. »Die Landschaften wurden zunächst mit großen schweren Kameras auf fotografischen Glasplatten abgelichtet«, erläutert Axel Rüthrich. »Anschließend entwickelte man die Negative zu Hause und kopierte sie auf gläserne Diapositivplatten. Für farbige Akzente wurden die Positive anschließend mit der Hand koloriert.«

Diesen aufwändigen Prozess kann man erahnen, wenn man die Kamera und die Palette der Lasurfarben, mit denen die Positivplatten koloriert wurden, betrachtet. Der Dresdner Oberlehrer Max Fritzsche, dessen zwischen 1910 und 1930 erstellte Fotos in der Schau zu sehen sind, muss wohl die notwendige Zeit und Geduld besessen haben.

Leiterin Christine Gäbler weiß um die Bedeutung der Fotografie zum Ausgang des 19. Jahrhunderts: »Zu dieser Zeit schlug die Geburtsstunde des Tourismus. Das Reisen wandelte sich von einem Privileg der Wohlhabenden zu einem Pläsir für jedermann.«

 

Urlaub wird Status

 

Die Industrialisierung habe innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem nie dagewesenen Wachstum der Städte geführt. Eisenbahn, Dampfschiff und neue Straßen hätten das Reisen auch für das Bürgertum erschwinglich gemacht. So entdeckten Handwerker, Künstler, Familien, Schüler und Gelehrte das Wandern als Freizeitvergnügen. »Der jährliche Ausflug in die Sommerfrische wurde auch für die bürgerlichen Stadtbewohner zum festen Bestandteil des Lebens.«

Urlaub wurde in Deutschland zum Statussymbol. In bürgerlichen Schichten gehörte es bereits vor gut 150 Jahren zum Lebensstandard, jeden Sommer aufs Land zu fahren. In der Weimarer Republik gewährten dann manche Arbeitgeber ihren Arbeitern freiwillig zwischen drei und sechs Tagen Urlaub – dann aber meist unbezahlt.

Im Begleitprogramm der Schau gibt es am 14. März, 18 Uhr, den Vortrag »Streifzüge entlang der Weißeritz«, bei dem Museologe Wolfgang die historischen Glasdiapositive zeigt. Am 1. April, 11 Uhr, folgt eine Führung durch die Ausstellung mit Kurator Axel Rüthrich. Am 23. April, 11 bis 16 Uhr, findet ein Workshop mit dem Freitaler Künstler und Fotografen Steffen Petrenz statt. Die Teilnehmer möchten bitte Kamera und Stativ mitbringen. Eine Teilnahme ist ab 14 Jahren möglich.

 

Voranmeldung: Tel. 0351 / 6491562, Kosten: 25 Euro


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