André Schramm

Tourismusbilanz: Mehr Kaiser Konzerte!

Auf die Schweizer ist eben Verlass. Sie stellten im letzten Jahr die meisten Dresden-Touristen, gleich nach den Amerikanern, die wegen dem Wahlkampf etwas verhindert waren. Unter dem Strich fällt die Dresdner Tourismusbilanz durchwachsen aus – nicht so gut wie in der Sächsischen Schweiz, aber weitaus besser als in Köln.
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Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, stellte die Tourismusbilanz vor.  Foto: Schramm

Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, stellte die Tourismusbilanz vor. Foto: Schramm

Wieso Köln? Dort lief 2015 die Silvesterfeier am Dom ziemlich aus dem Ruder. Der Urlauber hat das nicht vergessen und strafte die Rheinmetropole mit seinem Fernbleiben. Bei den Übernachtungen stand Ende 2016 jedenfalls ein dickes Minus und eine 3,5 dahinter. Und die  Sächsische Schweiz? Die Gastgeber im Elbsandsteingebirge vermeldeten vor wenigen Tagen etwas stolz überdurchschnittliche 4,7 Prozent für die Übernachtungen im letzten Jahr. Irgendwo zwischen Köln und Königstein liegt Dresden, zumindest statisch gesehen. -0,8 Prozent bei den Übernachtungen (gesamt: 4,27 Mio.) und +0,5 Prozent bei den Ankünften (gesamt: 2,09 Mio.) standen Ende Dezember zu Buche. Das Kölner Touristenvakuum hat Dresden schon 2015 erlebt und offenbar nun  hinter sich gelassen. Sicherheitsgefühl: sensibel Um ganz oben mitzuspielen, reicht das noch nicht. Dresden ist auf der nationalen Beliebtheitsskala siebter, Köln übrigens fünfter.  „Unter den schwierigen Rahmenbedingungen können wir stolz auf das Erreichte sein. Zufrieden sind wir nicht“, sagt Dresdens Tourismus-Chefin Dr. Bettina Bunge mit Blick auf die aktuellen Zahlen. Mit „schwierigen Rahmenbedingungen“ meint sie Zweierlei. Zum einen den Imageschaden, den die Stadt seit den Pegida-Demos genommen hat sowie die „wenigen Schreihälse zur jüngsten Einheitsfeier“. Vor allem im Inland habe das Sympathien gekostet.
Auf der anderen Seite kämpft die Branche derzeit mit dem Sicherheitsempfinden ausländischer Reisegäste. Was das anbelangt seien die ziemlich sensibel, weiß man in der Branche. „Wir haben in den letzten Jahren viel Trauriges in Europa erleben müssen. Auf Fernmärkten wird nicht großartig differenziert. Paris, Brüssel oder Berlin – es ist eben in Europa passiert“, erklärt Bunge. Nicht alle Europäer trifft die Einschätzung geleichermaßen. Portugal und Spanien brummen derzeit, was sicherlich auch mit der Türkeiflaute zu tun hat.   Polen sind heiß auf Barock Immerhin 20,5 Prozent der Dresden-Touris kommen aus anderen Ländern. Angeführt wird die Liste von den Schweizern (83.000 Übernachtungen), gefolgt von den Amerikanern (79.000), den Österreichern und den Niederländern. Letztere besuchen immer öfter unsere schöne Stadt dank der Direktflugverbindung nach Amsterdam. Für die Engländer (-11 Prozent Übernachtungen) ist mit dem angekündigten Brexit der Dresden-Urlaub hingegen ein Drittel teurer geworden. Als regelrechte Überraschungsgäste sollte die Polen genannt werden. „Unsere Nachbarn haben heute mehr Geld in der Tasche als früher“, so die Tourismus-Chefin weiter. Resultat: Die Übernachtungszahlen der Polen (in Dresden) stiegen um 25 Prozent gegenüber 2015.  Urlaub gebucht, um abzusagen Richtige Schwerstarbeit galt und gilt es an der „Kundenbasis“ zu leisten. Die 30 Kollegen der Dresden Information GmbH bearbeiteten u.a. 40.000 Anrufe und 35.000 Mailanfragen, viele davon waren politischer Natur. „Das ging bis zum mutwilligen Dresden Urlaub Buchen, um dann abzusagen und seine Gründe dafür uns telefonisch oder per Mail offen zu legen. Anrufer, die mitteilten, dass sie jetzt erst recht nach Dresden kommen gab es ebenso, wie Auswärtige, die wissen wollten, wo es zur Pegida-Demo geht“, erzählt Geschäftsführer Lars Knüpfer. Auffällig oft klingelten die Telefone nach großen Events. Im Gedächtnis ist Knüpfer der Tag nach der Live-Übertragung vom Kaiser-Konzert am Elbufer geblieben. Aufmerksamkeit erzielen „Das Vertrauen in die lohnenswerte Destination Dresden ist nicht verloren. Den entstandenen Imageschaden loszuwerden erfordert jedoch die Kraft der gesamten Branche“, sagte Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus. Sie sprach sich dafür aus, Projekte zu generieren, die europaweit für Aufmerksamkeit  sorgen. Beim Monument sei das unabsichtlich gelungen. Das könne Wachstumseffekte nach sich ziehen, so Klepsch weiter. Auch von neue Spielstätten, wie dem Kraftwerk Mitte und dem Kulturpalast, erhofft sie sich Gäste für die Stadt. Die Strategie, das Kongressgeschäft auszubauen, wird weiter verfolgt. Urologen, Kunsthistoriker, Physiker und viele andere kommen zu Tagungen dieses Jahr wieder in die Stadt. Neues Highlight: die „Dresden Harley Days“ Anfang August. Wie man hört, haben die Rocker wohl schon ordentlich gebucht.