Carola Pönisch

Schiffspokal wieder im Heimathafen

Nach 71 Jahren ist das Kunstwerk "Goélette" aus dem ehemaligen Dresdner Ratsschatz erstmals wieder im Stadtmuseum Dresden zu sehen. Auch die Gemäldegalerie Alte Meister freut sich über drei Rückkehrer.
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Die "Goélette" ist wieder im Heimathafen Dresden vor Ankerr, konkret in der Vitrine im Stadtmuseum. Foto: Stadtmuseum

Die "Goélette" ist wieder im Heimathafen Dresden vor Ankerr, konkret in der Vitrine im Stadtmuseum. Foto: Stadtmuseum

Das von dem Nürnberger Goldschmied Tobias Wolff nach 1604 gefertigte Silbergefäß verschwand 1945 mit anderen Stücken des Ratsschatzes aus den Kellern des Rathauses. Welchen Kurs das Meisterstück danach nahm, lässt sich bisher nicht ermitteln. 1960 legte es kurzfristig in München an, als es ein namhaftes Auktionshaus zum Verkauf anbot. Von Bayern ging es in die Schweiz, wo es sich lange Zeit in der Sammlung eines „distinguished Swiss Gentleman" befand. Nachdem seine Familie die Sammlung auflöste, war der Pokal für kurze Zeit in London, wo ihn das Auktionshaus Christie‘s an einen Bremer Kunsthändler verkaufte. Der Heimathafen Dresden kam näher. Dank des Engagements vieler Beteiligter konnte der Schiffspokal im Juni wieder an der Elbe Anker werfen. Zusammen mit weiteren Objekten des Ratsschatzes ist er jetzt im 4. Obergeschoss des Stadtmuseums zu besichtigen. Drei Alte Meister wieder da Auch die Gemäldegalerie Alte Meister freut sich aktuell über drei Rückkehrer. Nach über 70 Jahren sind Gemälde von August Querfurt, Giulio Campi und Jan Griffier wieder da. Wie waren in der Lost Art-Datenbank der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste als vermisst verzeichnet und konnten nach der Einlieferung in Auktionshäuser durch dortige Provenienzforscher und Wissenschaftler der Staatlichen Kunstsammlungen identifiziert werden. "Reiterrast vor einer Hütte in Ruinen" Das Gemälde des Genre- und Schlachtenmalers August Querfurt (1696–1761) gelangte 1741 aus der Sammlung von Hermann Carl von Keyserlingk in die Galerie. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bestände der Dresdner Kunstsammlungen in verschiedene Bergungsorte außerhalb Dresdens gebracht, darunter auch Querfurts „Reiterrast“, das vermutlich bis zum Kriegsende auf Schloss Weesenstein verblieb. Ob es bereits dort verschwand oder erst bei einem der Transporte der sowjetischen Trophäenkommissionen, die ab Sommer 1945 einen Großteil der Werke in die damalige UdSSR überführten, bleibt ungeklärt. Gemeinsam mit den Provenienzforschern des Auktionshauses Christie’s konnte ein in die Amsterdamer Filiale eingeliefertes Gemälde mit dem beschreibenden Titel „Eine elegante Dame zu Pferd und andere Figuren vor dem Eingang zu einer Grotte darstellend, in bergiger Umgebung“ sicher als die vermisste „Reiterrast“ von August Querfurt identifiziert und 2017 für die Gemäldegalerie Alte Meister zurückgewonnen werden. "Bildnis eines Mannes" Das „Bildnis eines Mannes“ von Giulio Campi (1507–1572) fand ebenfalls seinen Weg zurück nach Dresden. Der Porträtist, der in Oberitalien eine Reihe von Auftraggebern gekonnt in Szene setzte, schuf das Werk um 1540. Der Dargestellte ist namentlich nicht bekannt, dennoch vermittelt die Malerei nicht nur eine Vorstellung vom Aussehen des Mannes, sondern spiegelt auch seine gesellschaftliche Stellung. Die auf dem Tisch liegenden antiken Münzen sowie die Bücher weisen ihn als Sammler und Gelehrten aus. Das Porträt findet sich erstmals 1835 in einem Katalog der Dresdner Gemäldegalerie. 1941 war es im Tresor des Finanzministeriums in Dresden ausgelagert und wurde später vermutlich nach Schloss Weesenstein überführt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges galt es als vermisst. Durch die Zusammenarbeit mit dem Auktionshaus Sotheby’s in London und New York konnte das Werk als Dresdner Kriegsverlust identifiziert und aus den USA in die Gemäldegalerie Alte Meister zurückgeführt werden. "Flusslandschaft mit Burgruine" Jan Griffiers (1645–1718) „Flusslandschaft mit Burgruine“ ist der dritte Kriegsverlust, der in die Gemäldegalerie zurückgekehrt ist. Erworben durch Graf Wackerbarth, fand das Werk seine erste Erwähnung bereits im Dresdner Gemäldeinventar von 1722–1728. Griffier, der nach seiner Ausbildung in Amsterdam nach London ging, hatte sich unter anderem auf die Schilderung phantastischer, panoramaartiger Rheinlandschaften spezialisiert. Die „Flusslandschaft mit Burgruine“ befand sich als Leihgabe von 1903 bis Anfang der 1930er Jahre im städtischen König-Albert-Museum in Freiberg/Sachsen und bis 1943 im Freiberger Rathaus. Von dort kehrte sie im Oktober 1943 in die Dresdner Gemäldegalerie zurück, wurde dann offenbar gemeinsam mit den anderen Werken in einem der zahlreichen Auslagerungsorte untergebracht. Danach verliert sich die Spur dieses Galeriebildes. Bei der Einlieferung des Gemäldes wurde es durch Mitarbeiter von Christie’s London als Dresdner Kriegsverlustbild identifiziert. Die SKD konnten die Identität bestätigen und machten ihren Eigentumsanspruch geltend. Auch Griffiers Flusslandschaft befindet sich nun wieder in der Gemäldegalerie und ist derzeit im Semperbau ausgestellt.