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Familien spiegeln ein Jahrhundert 

Dresden. Friedensnobelpreisträgerin eröffnet Literaturreihe "Wie Kriege Biografien verändern".

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Die angehenden Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa.

Die angehenden Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa.

Foto: Jürgen Maennel

Im voll besetzten Viktor-Klemperer-Saal  - 190 Interessierte waren gekommen - eröffneten die Städtischen Bibliotheken Dresden, die Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek und die Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen mit Memorial-Gründerin Irina Scherbakowa die Literaturreihe "Stimmen aus Osteuropa: Wie Kriege Biografien verändern". Inzwischen ja bereits bekannt: die Menschenrechtsorganisation Memorial erhält in diesem Jahr gemeinsam mit der ukrainischen NGO Center for Civil Liberties und dem belarussischen Menschenrechtler Ales Bjaljazki den Friedensnobelpreis. In der Literaturreihe - weitere Termine sind der 25. Oktober. / 2. & 18. November wird im Rahmen von vier moderierten Lesungen kommen Autorinnen und Autoren mit Wurzeln in Osteuropa zu Wort: Irina Scherbakowa, Aka Mortschiladse, Andrej Kurkow und Natascha Wodin.

 

Stalin-Opfer zum Erzählen ermutigt

Durch ihre Herkunft aus der Ukraine, Georgien und Russland und ihr Schreiben zum Thema Krieg und dessen Folgen für Biografien und Familienkonstellationen positionieren sie ihre Stimmen für Europa und gegen den Krieg. Die Lesung und das Gespräch mit Irina Scherbakowa beginnen gegann gesternum 18.30 Uhr und dauerte bis fast 21 Uhr. In "Die Hände meines Vaters" erzählt die in Moskau geborene Autorin die Geschichte ihrer jüdisch-russischen Familie vor dem Panorama der Oktoberrevolution, der Weltkriege sowie des gesamten 20. Jahrhunderts. Dabei zeichnete sie nicht nur das Porträt einer Familie, der es stets mit viel Glück gelang, düstere Zeiten zu überstehen, sondern auch und vor allem die Geschichte eines bewegten Jahrhunderts, die uns noch heute beschäftigt. Irina Scherbakowa gehört zu den Gründer:innen der Menschenrechtsorganisation Memorial, die Stalin-Opfer und deren Angehörige ermutigt, Zeugnis abzulegen und 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Der Politikwissenschaftler André Fleck moderierte die Veranstaltung, und es las die Schauspielerin Lilli Jung.


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