gb/asc

Zerkloppt, gesprengt, beschmiert

Die geringe Wertschätzung gegenüber öffentlichem Eigentum ist vielerorts inzwischen ein Problem. Städte geben Tausende Euro aus, um die Schäden durch Vandalismus zu ersetzen. Eine Bilanz, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.
Bilder
Ein Bild aus Freital. Das Wartehäuschen auf der Weißiger Straße. Foto: Stadt Freital

Ein Bild aus Freital. Das Wartehäuschen auf der Weißiger Straße. Foto: Stadt Freital

Mancher wird sich vielleicht noch daran erinnern – an einen vermeintlichen »Scherz« im Pirnaer Friedenspark. Unbekannte kippten im Mai 2019 eine seifehaltige Substanz in das Wasserspiel. Der Bereich um die Fontänen wurde Minuten später zum Schaumbad. Die Angelegenheit ging zum Glück glimpflich aus. Die Pumpentechnik wurde nicht beschädigt. Kosten für die Reinigung: 300 Euro. Geht ja noch.

Keine Statistik über Vandalismusschäden

Weiter oben – auf dem Sonnenstein – reicht dieses Budget nicht aus. »Einmal pro Jahr haben wir es mit gesprengten Fallrohren an der Sporthalle Sonnenstein zu tun«, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Kostenpunkt: ca. 2.500 Euro. Die Beseitigung von Schmierereien an der Halle schlägt mit 500 Euro pro Jahr zu Buche. Mindestens zweimal im Jahr müssen die Stadtmitarbeiter zur Grundschule Sonnenstein ausrücken, um den Zaun zu reparieren. Zack, wieder 1.000 Euro weg. Eine gewisse Beständigkeit haben auch die Schmierereien am Herder-Gymnasium. Die Kosten für die Beseitigung der Graffitis belaufen sich zwischen auf 450 bis 1.300 Euro, pro Jahr versteht sich. Manchmal sind Teile öffentlicher Anlagen nicht beschädigt, sondern einfach gleich ganz verschwunden, wie am Stadtmuseum und der Sporthalle Rädelstraße. Der Ersatz für geklaute Kupferrohre und Blitzableiter kam im ersten Fall auf 1.500, im zweiten Fall auf 1.200 Euro. Einen Überblick über die Gesamtschäden zu bekommen, ist nicht gerade einfach. Ein zentrales Register über Vandalismus-Schäden wird in Pirna nicht geführt. »Die zuständigen Fachabteilungen haben ihre Objekte im Blick, stellen bei Zerstörungen Strafanzeige und kümmern sich um die Reparatur und die Beseitigung der Schäden. Im Bereich der Sitzmöblierung und Bushaltestellen sind in der vergangenen Zeit vereinzelt Schmierereien aufgetaucht, die durch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes beseitigt werden konnten. In dieser Zeit konnten natürlich keine anderen Arbeiten in der Stadt verrichtet werden«, so Gockel. Sorgenkind in Sachen Vandalismus ist der Stadtteiltreff Copitz. »Neben Graffitischäden wurde zwischen 2017 bis 2019 dreimal versucht die Fassade anzuzünden. Die Kosten belaufen sich auf 2.500 Euro«, so der Stadtsprecher weiter. Zuletzt wurde das ehemalige Schulgebäude an der Rottwerndorfer Straße entglast. Das Haus musste danach mit Platten notgesichert werden. Macht 5.000 Euro.

Kein Einzelfall

Die Stadt Pirna ist in Sachen Vandalismus keine Ausnahme. In Sebnitz ärgert man sich ebenso regelmäßig über Randalierer. Die Schadensbilanz für 2019 spricht von ca. 25.000 Euro und 53 Anzeigen, die dem Polizeirevier Sebnitz übergeben wurden. Hauptsächlich ging es Sachbeschädigungen, z.B. an öffentlichen Bänken, der öffentlichen Toilette am Bahnhof und Beschädigungen durch Fahrzeuge am Straßenkörper, wie es in der Amtssprache heißt. Gemeint sind massive Schäden an Gehwegpflaster, Verkehrszeichen und Pollern. In Freital sieht es nicht viel besser aus. Vandalismusschäden 2019: 18 Fälle. Wiederherstellungskosten: ca. 5.000 Euro. Vor allem Papierkörbe, Scheiben und Sitzgelegenheiten gingen zu Bruch. Obendrauf kommen noch die Entsorgungskosten für illegale Müllablagerungen in Höhe von 2.000 Euro. Bei 54 registrierten Fällen beinahe ein Schnäppchen. Die Wiederherstellungskosten nach Schäden an Spiel- und Containerstellplätzen beliefen sich für das letzte Jahr auf 5.271,42 Euro. Das entspricht etwa  zehn Prozent des Unterhaltungsbudgets. Seit 2017 steigt dieser Anteil kontinuierlich. »Bedauerlicherweise handelt es sich bei den Verunreinigungen und auch bei den Vandalismusschäden, beispielsweise auf und am Neumarkt, um keine Einzelfälle. Die Rankhilfen der erst neu errichteten Pergola wurden innerhalb von kurzer Zeit nunmehr bereits zum zweiten Mal zerstört«, sagte Katrin Reis, Büroleiterin des Oberbürgermeisters. Aktuell gebe es am Windbergpark immer wieder Verunreinigung. Zuletzt lagen Glasscherben im Sandkasten, die Grillstelle wurde als Lagerfeuerstelle zweckentfremdet und ein Fahrrad musste aus der Weißeritz gefischt werden. Seit Anfang Januar laufen Gespräche zwischen Verwaltung und Polizei zur Videoüberwachung der auffälligen Bereiche am Neumarkt und Windbergpark.