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Verseuchter Teich 4 wird unschädlich gemacht

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Zwölf Jahre dauerte es. Jetzt war es soweit: Die Wismut hat den Startschuss für die Sanierung des Teiches 4 gegeben. Damit verschwindet eine der letzten Altlasten aus dem Bergbau. Freital. Vor dem offiziellen Termin mit erstem Spatenstich bestand für die Freitaler Bürger Gelegenheit, sich das Areal anzusehen und Fragen zu stellen. Extra zu dem Termin angereist war Hans-Jürgen Lang aus Göttingen. Der gebürtige Freitaler hatte bis 1952 hier gelebt und als Jugendlicher den Schlamm aus der Kohlenwäscherei zusammengekratzt, um Heizmittel für den heimischen Kachelofen zu beschaffen. "Ich bin froh, dass der verseuchte Teich jetzt endlich verschwindet", sagt er. Der Teich wurde als Absetzbecken im Uranbergbau genutzt. Nach fast zwölf Jahren Planung wird jetzt mit den eigentlichen Bauleistungen begonnen. Fünf Jahre werden sie dauern und sieben Millionen Euro kosten - finanziert von Bund und Freistaat. Das gesamte Areal an der Schachtstraße umfasst etwa acht Hektar, der Teich etwa drei. Radioaktive Feinschlämme liegen hier teilweise bis in 23 Meter Tiefe. Zunächst werden Bäume gerodet und das Baugelände beräumt. Der Schlamm bleibt im Teich, wird aber durch eine Abdeckplatte isoliert. Zuvor muss das Wasser abgepumpt werden, immerhin 15 Millionen Liter. Das Wasser wird, nachdem es durch Filter gereinigt wurde, in die Weißeritz geleitet. Wenn alles fertig ist, soll der ehemalige Teich 4 als Regenrückhaltebecken für den Hochwasserschutz dienen. Die gesamte Fläche soll sich als Biotop weiterentwickeln.  Hintergrund:Am 5. September 2003 wurden durch das Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Freistaat die finanziellen Grundlagen für die weitere Sanierung von sächsischen Wismut-Altstandorten geschaffen. Bis 2012 wurden für diese Aufgabe 78 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit Unterzeichnung des ergänzenden Verwaltungsabkommens am 24. April 2013 stehen nunmehr bis 2022 nochmals zusätzlich 138 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel werden durch den Bund und den Freistaat Sachsen zu jeweils 50 Prozent bereitgestellt. Bereits am 30. Oktober 2003 hat die Wismut GmbH als Projektträger für die Sanierung der Altstandorte des Uranerzbergbaus in Sachsen ein Planungskonzept für die Sanierung der IAA Teich vier in Freital in Auftrag gegeben. Als Ergebnis des Planungskonzeptes wurde als Vorzugsvariante eine dauerhafte Nutzung des Teiches vier als Regenrückhaltebecken erarbeitet. Die vorhandenen, deutlich erhöhten Umweltbelastungen erfordern entsprechende Sanierungsarbeiten. Die Vorzugsvariante wurde im Januar 2005 den Genehmigungsbehörden vorgestellt und durch diese bestätigt. Entsprechend der Bestätigung des Planungskonzeptes durch die Genehmigungsbehörden erfolgten ab dem 22. Juni 2005 die weiteren Planungsleistungen. Über die Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung inklusive Einholung aller erforderlichen Genehmigungen und die Ausführungsplanung wurden weitere Schritte erfolgreich getan und abgeschlossen. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Planung war dann als letzter Schritt eine Europaweite Ausschreibung der Bauleistung erforderlich. Die Submission fand am 10. Juni 2015 statt. Folgende, wesentliche Arbeitsschritte beinhaltet die Teilverwahrung der IAA Teich vier. Als Erstes sind das Roden und das Abräumen sowie die Sicherung des Baugeländes auf einer Fläche von zirka 80.000 Quadratmetern erforderlich. Dabei werden die nötigen Baustraßen hergestellt und der Abbruch nicht mehr notwendiger Schächte und Rohrleitungen durchgeführt. Anschließend erfolgt die Umlagerung von zirka 22.800 Kubikmetern geringmächtiger Tailingablagerungen (Aufbereitungsrückstände) im Uferbereich. Parallel dazu erfolgen der Aufbau und das Betreiben einer Anlage zur bauzeitlichen Filtration anfallender feststoffbelasteter Wässer. Dazu ist das Anlegen einer Abdämmung und Überleitung nicht kontaminierter Oberflächenwässer aus dem Anstrombereich des Wettingrundes erforderlich. Nun kann mit dem Entfernen des Freiwassers begonnen werden. Danach erfolgt die Entwässerung und Konsolidierung der zum Teil dünnflüssigen Tailings durch Einbau von zirka 71.500 Metern Vertikaldrains sowie Entwässerungsschächten, etwa 800 Meter Rohrleitungsbau und das Herstellen von zirka 2.000 Meter Gräben. Weitere Arbeiten sind die Abdeckung der Tailings mittels ungefähr 100.000 Quadratmetern Geogitter, die Verlegung von etwa 115.200 Quadratmetern Trennvlies sowie der Einbau von zirka 35.000 Kubikmetern mineralischen Dichtmaterials und der Einbau von etwa 50.000 Kubikmetern Rekultivierungsboden. Dabei sind Maßnahmen zum Erosionsschutz geplant. Auf einer Fläche von zirka 73.300 Quadratmetern wird eine Grasaussaat durchgeführt und die Pflanzung von Bäumen erfolgt auf einer Fläche von zirka 17.100 Quadratmetern wie auch der Rückbau der bauzeitlichen Wasserhaltung, die Ertüchtigung der Baustraßen als Wartungswege, und weiterer Wegebau mit einer Gesamtlänge von zirka 1.600 Metern. Zur Sicherung des Geländes wird ein umlaufender Zaun mit einer Länge von zirka 2.400 Metern errichtet. Das Bauende ist für das II. Quartal 2020 geplant. Nach Abschluss der Sanierung wird sich auf der abgedeckten IAA Teich vier wieder ein Bereich mit Freiwasser ausbilden. Der Zulauf zum Teich vier erfolgt durch Oberflächenwasser aus dem Wettingrund sowie von den abgedeckten IAA's Teich 2 und 3. Der Überlauf wird höhenmäßig so angeordnet, dass kein dauerhafter Abfluss aus dem Teich vier erfolgt und ein entsprechendes Puffervolumen zur Verfügung steht. Die Einbindung des Überlaufes der IAA Teich vier erfolgt in das ertüchtigte beziehungsweise zum Teil neu errichtete Hüttengrundgerinne. Ab dem dritten Quartal 2020 erfolgen noch für sechs Jahre Pflegeleistungen für die neu geschaffene Vegetation. Fotos: Dahlke