R. Rink

Neubaustecke Dresden-Prag: Nur noch zwei Varianten

Landkreis SSOE. Bei den Planungen für die Neubaustrecke hat sich die Bahn auf zwei Varianten festgelegt, die sie bis 2024 weiter ausarbeiten wird.

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Die Deutsche Bahn wird für die Neubaustrecke zwischen Dresden und Prag eine Volltunnel- (rot) und eine Teiltunnelvariante (gelb) untersuchen.

Die Deutsche Bahn wird für die Neubaustrecke zwischen Dresden und Prag eine Volltunnel- (rot) und eine Teiltunnelvariante (gelb) untersuchen.

Foto: Grafik Deutsche Bahn AG

Die Planungen für die Neubaustecke Dresden-Prag nehmen weiter Form an. Die Deutsche Bahn (DB) plant zusammen mit ihren tschechischen Kollegen eine neue Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag. Der Bedarf einer schnelleren und alternativen Verbindung zum Nadelöhr Elbtal ist dabei immens, handelt es sich doch hierbei um einen Abschnitt einer europäischen Trasse von hohem Rang. Diese verbindet die deutschen Ost- und Nordseehäfen mit Südosteuropa. Zudem hat die Strecke im Elbtal die Grenzen ihrer Kapazität erreicht und sorgt für eine hohe Lärmbelastung.

Die von der DB vorgesehene Neubaustrecke hat neben der Optimierung des Güterverkehrs auch zum Ziel, den Personenverkehr zwischen der sächsischen und der böhmischen Hauptstadt von rund 2,5 Stunden auf eine Stunde Fahrzeit zu verkürzen. Dafür muss die Strecke über einen Tunnel durch das Erzgebirge geführt werden. Der mit mindestens 27 Kilometern längste Eisenbahntunnel Deutschlands wird entstehen.

Teil- oder Volltunnel?

An den Streckenplanungen beteiligten sich neben der DB auch die Bürgerinitiative »Basistunnel nach Prag« und der Kartograph Dr. Rolf Böhm. Während die DB von Beginn an Teiltunnelvarianten favorisierte, entwickelte die BI um Steffen Spittler mehrere Volltunnelvarianten. Diese umfassten größere Korridore und sind von der DB nun, auch nach den Ergebnissen von Probebohrungen durch das Gestein und Prüfung mehrerer Parameter, auf zwei Varianten in konkreter Linienführung eingegrenzt worden. Davon stammt eine aus der Feder der DB und die andere von der BI. Somit ist neben einer teilweise offenen Streckenführung auch noch die Volltunnelvariante im Rennen. Zwar sagt der für dieses Projekt zuständige Bahnmanager Kay Müller, dass von den ursprünglichen Ideen der BI nicht viel übriggeblieben sei und »viele Details aufgrund ihrer Komplexität nicht von Laien hätten so ausgearbeitet werden können«, dennoch stammt der Grundgedanke und die Linienführung von einer Bürgerinitiative.

BI fühlt sich übergangen

Die Bürgerinitiative spricht indes bei den von der DB veranstalteten »Dialogforen« von Scheinbeteiligung. Zwar seien Vertreter der Kommunen, Verbände, Landesdirektion, Wirtschaft und der Bürgerinitiative beteiligt gewesen, doch dienten diese eher als Informationsveranstaltung statt als Diskussionsplattform. Trägt die BI auf einer solchen Versammlung Einwände oder Gegenentwürfe vor, würden diese zumeist übergangen. Auch wird moniert, dass die mehr als 37.000 von der BI gesammelten Einwände gegen die Teiltunnelvariante keine Beachtung bei der DB finden würden. Zudem befürchtet die BI, dass die Bahn Ausschlusskriterien gegen die Volltunnelvariante schaffen könnte, wie eine möglicherweise viergleisige und kostenintensivere Ausfahrt ab Heidenau. Auch wird der Fahrplan zunächst nur für die Teiltunnelvariante ausgearbeitet.

Am 30. November veranstaltete die DB einen digitalen Bürgerdialog, um ihre Planungen der Öffentlichkeit zu präsentieren und Fragen zu beantworten. Rund 20 Personen brachten sich über die Chat-Funktion ein. Dabei reichten die Fragen von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens über Lärmschutz zu technischen Details, welche allesamt vom DB-Projektleiter Kay Müller ausführlich beantwortet worden sind. »Ende 2024 wollen wir eine Vorzugsvariante ausgearbeitet haben«, sagt Müller. Bei der Frage nach der Eröffnung der Bahnstrecke gab sich der Projektleiter bedeckt. Angepeilt werden aber die frühen 2040er Jahre.

https://neubaustrecke-dresden-prag.de

www.basistunnel-nach-prag.de


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