Roberto Rink

Mehr Platz für Familien, Gastro und Kultur

Im letzten Jahr ist der untere Marktplatz von Pirna in einem Modellversuch für den Autoverkehr gesperrt gewesen. Ein dauerhaft verkehrsfreier Marktplatz könnte die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen.
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Autos drängen sich über den Marktplatz von Pirna. Dabei könnte ein verkehrsfreier Platz die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Foto: A. Liebscher/Archiv

Autos drängen sich über den Marktplatz von Pirna. Dabei könnte ein verkehrsfreier Platz die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Foto: A. Liebscher/Archiv

Die Diskussionen um einen »Autofreien Marktplatz« reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Schon der 1992 vom Stadtrat beschlossene erste Pirnaer Verkehrsentwicklungsplan sah als kurzfristige Maßnahme bis 1995 die Ausweitung der Fußgängerzone bis zur Marienkirche vor. Es dauerte aber noch bis zum Jahr 2007, als zumindest der Obermarkt verkehrsfrei und der Canalettoblick nicht mehr durch Autos beeinträchtigt worden ist. Ab Mitte Mai dieses Jahres wird der Pirnaer Untermarkt aufgrund der Kanalsanierung in der Schloßstraße vom Durchgangsverkehr entlastet. Damit beginnt ein Verkehrsversuch, der dem Verkehrsentwicklungsplan Pirna 2030 folgt: »Auf dem Marktplatz als Zentrum der Altstadt ist die Aufenthaltsqualität durch die Ausweitung der Fußgängerzone auf die nordöstliche Hälfte des Platzes zu erhöhen.«  Der fraktionslose Stadtrat André Liebscher gehört zu den Befürwortern dieses Vorhabens. Ihm ist dabei bewusst, »dass die Unterbindung der Durchfahrt über den Untermarkt zusammen mit der Erhöhung der Parkgebühren die verkehrspolitisch weitreichendste Maßnahme zur Verkehrsberuhigung in der Pirnaer Innenstadt der vergangenen Jahrzehnte ist.« Kritik am Plan Daher gibt es auch kritische Stimmen, die befürchten, dass durch das Wegfallen des Autoverkehrs über den Untermarkt dem Einzelhandel und der Gastronomie Kundschaft verloren gehen würde. Zudem wird sich darum gesorgt, dass Parkplätze in Größenordnungen abgebaut werden könnten.
Es ist zwar richtig, dass die Parkplätze an der nördlichen Rathausseite und vor der Touristeninformation gegenüber des Standesamtes wegfallen, aber zwischen Tchibo und Schössergasse wird das Parken weiterhin möglich sein. Außerdem müsse nun das Angebot an Anwohnerstellplätzen verbessert werden, was unter anderem durch die Lenkung des Parkverkehrs in die Parkhäuser erreicht werden kann. Davon ist Liebscher überzeugt. Steigerung der Aufenthaltsqualität Für die Einzelhändler und die Gastronomie in der Innenstadt bietet die Verkehrsberuhigung und damit Steigerung der Aufenthaltsqualität des Marktplatzes viele Chancen, denn »sie machen nur dann Umsatz, wenn die Menschen oft und gern in die Altstadt kommen und sich dort möglichst lange aufhalten. Denn nur so werden aus Menschen Kunden, die gern Geld in Pirna ausgeben«, bekräftigt Stadtrat Liebscher.
Für die Restaurants und Cafés am Markplatz wären größere Flächen für die Außengastronomie verfügbar. Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr ergab zudem, dass die Kaufkraftbindung von Innenstädten eher durch die Förderung des ÖPNV, als durch den Ausbau von Parkmöglichkeiten gestärkt wird. Die Attraktivität der Innenstadt ist für die Kunden wichtiger als die Erreichbarkeit. Platz für Familien Dabei könnte ein verkehrsfreier Marktplatz auch ein Raum für die ganze Familie werden. Für Kinder könnten Orte geschaffen werden, an denen sie frei und ohne Unfallgefahr spielen könnten. Auch neue Räume für Kulturschaffende könnten entstehen. Jetzt bietet sich also die Chance, Konzepte eines belebten Platzes für Jung und Alt, Touristen und Pirnaer gemeinsam zu erarbeiten.