Ulrich Nelles

Kerzenaktion für Opfer von häuslicher Gewalt

Freital. Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Dieser wird mit einer Kerzenaktion begangen - aber auch Lösungswege schreiten voran.

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Um auf das Thema aufmerksam zu machen, haben OB Uwe Rumberg und Freitals Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt am Potschappler Rathaus die Flagge gegen Gewalt gehisst.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen, haben OB Uwe Rumberg und Freitals Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt am Potschappler Rathaus die Flagge gegen Gewalt gehisst.

Foto: Nelles

Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Er geht auf die Ermordung der Schwestern Mirabal zurück, die an diesem Tag im Jahr 1960 durch das Militär in der der Dominikanischen Republik getötet wurden. 1999 riefen die Vereinten Nationen diesen Tag offiziell zum Gedenk- und Aktionstag aus. Seitdem gilt das Datum weltweit als sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen. Aus diesem Anlass lädt das Netzwerk gegen häusliche Gewalt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auch dazu ein, am 25. November eine Kerze für alle Betroffenen anzuzünden. Diese sollen vor allem für jene Menschen leuchten, die sich aus unterschiedlichen Gründen keine Hilfe holen können, so die Organisatoren.

 

Nicht wegschauen, sondern Hilfe anbieten

 

»Damit wollen wir dazu aufrufen, dass man bei Gewalt nicht wegschaut, sondern in solchen Situationen seine Hilfe anbietet«, umreißt Jona Hildebrandt, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Freital, das Anliegen der Aktion. Wer glaubt, dass das in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr notwendig ist, sollte einen Blick auf die Zahlen werfen. 323 Personen sind im vergangenen Jahr im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge von häuslicher Gewalt betroffen gewesen. »Die Dunkelziffer liegt mit Sicherheit höher – wir schätzen sie etwa dreimal so hoch«, ist sich Jona Hildebrandt sicher.

Für den gesamten Freistaat nennt die Polizeistatistik ebenfalls erschreckende Zahlen bereit: So mussten im vergangenen Jahr 4.578 Frauen unter häuslicher Gewalt leiden, fast 900 sahen sich von Stalking betroffen. »Darüber hinaus wurden 241 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder sexuellen Übergriffen polizeilich erfasst«, so Hildebrandt weiter. »Doch von solchen Straftaten werden nur fünf bis acht Prozent der Fälle angezeigt.« Scham und soziale Abhängigkeit stünden einer Offenlegung in vielen Fällen entgegen. 90 Prozent der Täter seien Männer, heißt es weiter.

Die Täter könnten aus allen sozialen Schichten kommen, so die Gleichstellungsbeauftragte. »Da passiert es, dass ein hoch gebildeter Mann seiner Frau das Telefon wegnimmt und ihr sämtliche soziale Kontakte verbietet«, beschreibt sie einen Fall. Überforderung und fehlende Handlungsstrategien seinen manchmal die Ursache für Gewaltanwendungen. »Das rechtfertigt nicht etwa die Anwendung von Gewalt«, macht Jona Hildebrandt deutlich.

 

Anlaufpunkt für Betroffene

 

Damit Gewalt gegen Frauen nicht länger ein Tabu-Thema bleibt, habe man 2021 beim Leipziger Verein Bellis damit begonnen, mit Unterstützung des Sächsischen Justizministeriums einen Anlaufpunkt für von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt Betroffene aufzubauen. »So kann das Thema mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden«, hofft Jona Hildebrandt. Bisher habe es in den ländlichen Regionen kaum Beratungsstellen für Betroffene gegeben. »Bis 2023 sollen Strukturen aufgebaut werden, in denen die Opfer eine medizinische Versorgung bekommen und ihre Befunde vertraulich gesichert werden«, so Hildebrandt.

Es habe sich gezeigt, dass häusliche Gewalt immer noch ein gesellschaftliches Tabu-Thema sei. Durch Wegschauen würde es den Tätern weiterhin ermöglicht, ohne Konsequenzen davon zu kommen.

 

Wer selbst betroffen ist oder eine betroffene Person kennt, findet hier Hilfsangebote:

www.wochenkurier.info/saechsische-schweiz-osterzgebirge/artikel/ein-zeichen-setzen-gegen-gewalt


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