André Schramm

Jede Sekunde ein Leben verlängert

In Wilsdruff hat das modernste Dialysatorenwerk Europas die Produktion aufgenommen. Der Bedarf an den Blutwäsche-Filtern steigt – weltweit.
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Die kartuschenähnlichen Einwegfilter sind gerade einmal 25 Zentimeter lang, tragen aber im Innern ein Fasergeflecht mit einer Länge von mehr als drei Kilometern. Sie entziehen die Giftstoffe aus dem Blut von Menschen, deren Niere das nicht mehr zuverlässig kann. Und die werden immer mehr. »Mit dem steigenden Wohlstand in den Entwicklungsländern beobachten wir schon länger eine Zunahme klassischer Krankheiten. Auf der anderen Seite bekommen aber auch immer mehr Menschen Zugang zur Dialyse«, sagt Markus Strotmann vom Vorstand »B. Braun Avitium«, dem Betreiber der neuen Fabrik.  Hinzu komme die steigende Lebenserwartung und das damit steigende Risiko einer Nierenerkrankung. Allein in der BRD sind gegenwärtig rund 100.000 Patienten auf die lebensnotwendige Dialyse-Therapie angewiesen.  B. Braun ist einer von fünf Global-Playern auf dem Markt der Dialysatoren. Mit dem Werksneubau in Wilsdruff hat das hessische Familienunternehmen (5. Generation) mit einem Schlag seine Kapazität in Sachsen verdoppelt. Im Gegensatz zu den bereits vorhanden Standorten in Berggießhübel und Radeberg werden hier unweit der A4 alle Teile des Dialysators an einem Ort produziert und montiert – insgesamt 13 Millionen Einheiten pro Jahr. Rund 140 Mitarbeiter arbeiten gegenwärtig in der Hightech-Fabrik (Kosten: rund 100 Millionen Euro). »Wir haben hier zum Teil Kollegen aus anderen Standorten, aber auch neue Mitarbeiter aus der Halbleiter- und Solarindustrie«, sagte Werksleiter Dominique Clemen. Die Suche nach Fachkräften sei widererwarten unproblematisch gewesen.  »Die vorhandene Kompetenz in der Region, die Nähe zu Forschungseinrichtungen und Kliniken, aber auch die gute Anbindung haben den Ausschlag für die Investition gegeben«, fügte Strotmann hinzu. Gelobt wurde ausdrücklich die Wilsdruffer Verwaltung. Mahnende Worte gab es aber auch. »Ich erwarte von unseren Mitarbeitern Offenheit. Genau diese Offenheit erwarten wir nämlich auch von unseren Kunden, die in mehr als 100 Ländern sitzen«, sagte Prof. Dr. Ludwig Georg Braun, Aufsichtsratsvorsitzender des Investors, der B. Braun Melsungen AG. Platz für eine Erweiterung ist in Wilsdruff genügend vorhanden.