Katrin Engelmann-Schulz/ck

Felsenbühne wieder eröffnet

Kurort Rathen. Und mit der Naturbühne starten auch die ersten Felsenbühnen-Festspiele. Mit drei Premieren und vertrauten Stücken geht es in die Spielsaison.
Bilder
Bei Nacht ist sie am schönsten – die Felsenbühne. Der »Tod-Song« aus »Jedermann oder das Spiel vom Sterben des reichen Mannes«.

Bei Nacht ist sie am schönsten – die Felsenbühne. Der »Tod-Song« aus »Jedermann oder das Spiel vom Sterben des reichen Mannes«.

Foto: K. Engelmann-Schulz

Pfingsten war dieses Jahr für die Rathener, die Mitarbeiter der Landesbühnen und alle Theater-Open-Air-Begeisterte ein besonders schönes. Nach zweijähriger Umbauzeit eröffnete »ihre« Felsenbühne endlich wieder. Die 18,2 Millionen Euro für die Modernisierung stecken in einem neuen Bühnenboden mit Showtreppe, komplett neuer Bühnentechnik, Zuschauerbänken aus hellem Holz, modernen Sanitärbereichen, Imbisshäuschen und vor allem neuen, zeitgemäßen Räumlichkeiten für Künstler, Requisite und Technik. Neu ist auch eine, in diesem Falle eckige, asymmetrische »Konzertmuschel« mit Dachbegrünung. Damit wandert das Orchester aus dem Orchestergraben auf die Bühne, zugunsten einer nun viel größeren Bühnenfläche. Zur Eröffnung nahm die Elbland-Philharmonie darin Platz.

Zur Eröffnungsgala kam auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit seiner Gattin. In seiner Festrede sagte er: »Wir wollen diese Naturbühne für die nächsten Generationen erhalten. Die Sachsen sind kunstbegeistert und Sachsen soll ein Kulturland bleiben.« Der Intendant der Landesbühnen Sachsen, welche die Felsenbühne bespielen, dankte vor allem den Einwohnern des Kurortes Rathen für ihre Duldungsfähigkeit im Zusammenhang mit den Bauarbeiten, allen voran dem Bürgermeister Thomas Richter. Er ist froh, dass »der Felsenbühne noch einmal neues Leben eingehaucht wurde«. »Stolz wie Bolle« ist er darauf, sagt er von sich.

 

»Schönste Freilichtbühne«

 

Moderiert wurde die Festveranstaltung leichtfüßig und mit Humor von Silvio Zschage vom MDR. Die Veranstaltung zeigte einen bunten Querschnitt aus bekannten und neuen Inszenierungen der Landesbühnen Sachsen. In diesem Jahr feiern gleich drei Stücke Premiere: Leonard Bernsteins »West Side Story«, Hugo von Hoffmannsthals »Jedermann« und für Wagner-Freunde »Der fliegende Holländer«. Eine Arie des Holländers, präsentiert von Paul Gukhoe Song, löste beim Publikum Begeisterungsstürme aus.

Fans von Tom Pauls können sich auf »das Kalte Herz« nach Wilhelm Hauff freuen. In diesem Stück gibt er den Holländer-Michel und zur Eröffnung gab es eine Kostprobe. Hier darf er richtig böse sein. Wie Pauls sagt, lässt er sich gern mal gegen sein Genre besetzen. Und er setzt das professionell um, aber unter uns, der Schalk sitzt ihm dabei doch immer auf der Schulter. Der Showgast des Abends war Marc Marshall, Sohn Tony Marshalls. Er singt und spielt unter anderem auf der Freilichtbühne Ötigheim und sagte nach seinem Auftritt: »In Ötigheim ist die größte Freilichtbühne Deutschlands, aber hier in Rathen ist die schönste.«

 

Winnetou erst 2023

 

Großen Beifall löste auch die Saloon-Szene mit legendärer Kneipenschlägerei aus Winnetou I aus. Hier müssen Karl-May-Fans aber ganz stark sein. Dieser Publikumsmagnet für große und kleine Besucher kommt erst 2023 wieder auf die Bühne. Grund ist die noch fehlende Pferdeversorgungsstation, die für die vierbeinigen Darsteller zwingend benötigt wird und erst noch gebaut werden muss. Unterzeichnet wurde aber zwischen Landesbühne und Landgestüt Moritzburg live auf der Bühne bereits der Vertrag für die Kooperation.

Geritten wurde aber dennoch zur Eröffnung. Aschenbrödel alias Sandra Maria Huimann bezirzte ihren Prinzen (Johannes Krobbach) in einem Ausschnitt des Musicals »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Das wird allerdings nicht in Rathen aufgeführt sondern am Schloss Moritzburg open air in den Sommermonaten. Den Abschluss bot der Chor aus Orffs »Camina Burana«.

Die Zuschauer waren entzückt, ein kleiner Schauer konnte den Genuss nicht trüben. Ein würdiger Auftakt für eine alte Dame unter den Bühnen des Landes.


Meistgelesen