André Schramm

Sicherheit: »Prävention ist Chefsache«

Pirna. Stadt, Polizei, Vereine und weitere lokale Akteure haben sich zum »Präventionsnetzwerk Pirna« zusammen geschlossen. Ihr Ziel: Die Sicherheitslage verbessern. Der Bürger darf auch mitmachen.

 Im April 2018 verhängt die Stadt Pirna erst für den Thälmannplatz und wenig später für den Friedenspark Alkoholverbote. Vorausgegangen waren nicht nur nächtliche Ruhestörungen, Verunreinigungen und Pöbeleien, sondern auch Straftaten  (Körperverletzung). Was zunächst auf Anordnung vom Oberbürgermeister geschieht, bekommt kurze Zeit später die Verlängerung vom Stadtrat: Konsequenz: Beide Örtlichkeiten wurden für ein Jahr zur trinkfreien Zone erklärt, zumindest in der Zeit von 14 bis 2 Uhr. Ortswechsel: Im August kommt es kurz nach der Eröffnung eines neuen Supermarktes in Pirna Sonnenstein zur handfesten Massenschlägerei, angeblich wegen einer Flasche Bier. Rund 30 Leute prügeln sich, die  Bundespolizei muss ihre Kollegen unterstützen.

»Der gute Sommer im letzten Jahr sorgte dafür, dass viele ihre Aktivitäten nach außen verlagerten, manchmal dabei die Tageszeit vergaßen«, erinnert sich Klaus-Peter Hanke. Der OB nennt in dem Zusammenhang auch einen Spielplatz in Pirna-Sonnenstein, der häufig von »Neupirnaern mit verlagertem Lebensrhythmus« beansprucht wurde. Jedenfalls wird spätestens seit eben jenem Sommer überlegt, was man tun kann, um abweichendes Verhalten von vornherein zu unterbinden bzw. zu minimieren. »Im Kern ging es um die Frage, wie es uns in Zukunft gelingen kann, nicht immer dem Ärger hinterherzurennen,  sondern ein System mit präventiven Maßnahmen zu entwickeln, damit es überhaupt nicht dazu kommt«, erklärt Hanke. Das Ergebnis nennt sich »Präventionsnetzwerk Pirna« und klingt sehr theoretisch – noch.

Struktur: Künftig wird eine Lenkungsgruppe installiert, die die Geschicke der Präventionsarbeit leitet. In ihr sind Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Landkreises, der städtischen Wohnungsgesellschaft, der Vereine (Hanno e.V. / Aktion Zivilcourage) und der Caritas vertreten. Die Leitung obliegt Pirnas Oberbürgermeister und dem Revierleiter Candy Sommer. Das Gremium berichtet nicht nur dem Stadtrat über seine Arbeit, sondern kann runde Tische organisieren, um eine Expertise bei speziellen Themen von außen einzuholen. Angeschlossen ist ein Koordinator, der als Schnittstelle/Ansprechpartner für die Arbeitsgruppen (Stadteilpartnerschaften) aus den Stadtteilen fungiert. »Wir erleben schon länger eine Entfremdung der Menschen mit ihrer Umwelt. Sie haben hier die Möglichkeit ihre Probleme und Ideen einzubringen und aktiv Verantwortung zu übernehmen«, sagt Candy Sommer.

Das Prinzip fußt auf der Idee, staatliche und nichtstaatliche Kräfte gleichberechtig in eine gemeinsame, langfristige Präventionsarbeit einzubinden.

Die Vorgehensweise:  Die relevanten Informationen aus den Gremien münden in einem Lagebild. Statistische Zahlen spielen darin ebenfalls eine Rolle. Anhand der Analyse werden Projekte und Aufgaben erarbeitet – in Stadtteildimension. Ziel ist es, das objektive, vor allem aber das subjektive Sicherheitsempfinden zu verbessern und damit die Lebensqualität zu steigern. Bundesweit gibt es schon seit einigen Jahren eine Diskrepanz zwischen der Polizeistatistik und dem Sicherheitsgefühl der Menschen. »Die Kriminalitätsfurcht ist besonders bei älteren Menschen ausgeprägt, obwohl sie zu einer Personengruppe gehören, die statistisch gesehen am wenigsten von Kriminalität betroffen ist«, sagt Sommer.  

Kriminologische Erkenntnisse: »Die Kommune ist Lebensmittelpunkt von Opfern und in 90 Prozent der Fälle auch von Tätern.  Daher ist es sinnvoll dort anzusetzen«, sagt der Revierleiter. Er verwies darauf, dass Prävention Chefsache und keinesfalls eine völlig neue Angelegenheit sei. Das stimmt. In Pirna gab es seit 2002 ein Gremium, das sich »kriminalpräventiver Rat« nannte und irgendwann verschwand.  

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