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Software soll Einsatz von Corona-Tests optimieren

Görlitz. Görlitzer Forscher wollen eine Software entwickeln, die den Einsatz von Tests auf das Virus SARS-CoV-2 optimieren soll. Ein erster Prototp könnte 2021 fertig sein.

Mit einer Million Euro fördert der Freistaat Sachsen ein Corona-Forschungsvorhaben, mit dem ein Webportal zur Optimierung des Einsatzes von SARS-CoV-2-Tests entwickelt werden soll. Angesiedelt ist das Vorhaben beim Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) in Görlitz, einer auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftsgebiete angelegten Abteilung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR). Die Forschungsergebnisse sollen nicht nur auf die aktuelle Pandemie angewandt, sondern auch bei künftigen möglichen Infektionsgeschehen eingesetzt werden können.

Neben der Entwicklung von Therapien und eines Impfstoffes zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 sind umfangreiche Tests eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Kenntnisse über die genauen Infektionszahlen und die schnelle Identifikation neuer Infektionsherde tragen entscheidend dazu bei, die Situation richtig einschätzen und Handlungsempfehlungen ableiten zu können. „Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht überwunden und obwohl die Testkapazitäten in Deutschland sehr groß sind, wird mit steigenden Infektionszahlen ihr effektiver Einsatz schwieriger. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, um Strategien zu entwickeln, wie man die vorhandenen Testkapazitäten so effektiv wie möglich nutzen kann“, erklärt Prof. Justin Calabrese von CASUS.

Erster Prototyp wird 2021 erwartet

Calabrese stammt aus den USA und hat bereits zum Zika-Virus und zur Verbreitung von Infektionskrankheiten, die durch Tiere übertragen werden, geforscht. Er hat in den letzten Monaten ein internationales Team aus Datenwissenschaftlern, Statistikern und Epidemiologen zusammengestellt. Ihr Ziel ist es, eine Software zu entwickeln, die Aussagen zum optimalen räumlichen, zeitlichen und strategischen Einsatz von Tests macht.

„Unsere digitale Plattform soll dabei helfen zu ermitteln, welche Personen zu welchem Zeitpunkt an welchen Orten getestet und welche Art von Tests verwendet werden sollen, um die vorhandenen Testkapazitäten so effektiv und gezielt wie möglich einzusetzen, beispielsweise als Einzeltests oder als Pooling“, erläutert Dr. Weronika Schlechte-Welnicz, die die Projektkoordination übernommen hat. Zunächst sollen in Zusammenarbeit mit den Behörden und Ämtern umfassende Daten zur Anzahl und den Ergebnissen durchgeführter Tests erfasst werden. Anschließend sollen epidemiologische Modelle eingebunden werden, um verschiedene „Was-wäre-wenn“-Szenarien für die Planung von Teststrategien untersuchen zu können. Ein erster Prototyp ist für 2021 zu erwarten.

Zunächst Sachsen, dann weltweit

Die Gelder für das Projekt kommen aus dem Etat des Sächsischen Wissenschaftsministeriums und dem Corona-Bewältigungsfonds des Freistaats. Der Schwerpunkt der Forschung liegt zunächst auf Sachsen und kann anschließend deutschland- oder gar weltweit ausgedehnt werden. „Die Software wird als Open-Source-Anwendung zur Verfügung gestellt und ständig an den Verlauf der Pandemie angepasst. Sie kann somit auch als Werkzeug für die schnelle Reaktion auf zukünftige Pandemien dienen und stellt damit einen wichtigen Bestandteil einer vorausschauenden Gesundheitsvorsorge dar“, merkt Dr. Michael Bussmann, Gründungsbeauftragter von CASUS, an.

Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete

Um einen Gesamtüberblick über die Lage und umfassende Ergebnisse zu erhalten, ist die Zusammenarbeit verschiedenster Wissenschaftsbereiche notwendig. CASUS setzt dabei von Beginn an auf Interdisziplinarität. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow betont: „Wir haben gesehen, wie groß auch in Ländern mit einem hochentwickelten Gesundheitssystem der Einfluss der vorhandenen oder auch knappen Testkapazitäten auf eine Beurteilung der Lage und die daraus folgenden Handlungsempfehlungen ist. Die dank einer digitalen Lösung bestmögliche Nutzung von Tests ist wichtiger Bestandteil einer Strategie zur Eindämmung von Pandemien. Das Forschungsprojekt ist bei CASUS in den besten Händen, denn das Ziel des Projekts ist nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen und Kompetenzen zu erreichen.“

Ein Aspekt, den auch der Wissenschaftliche Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR), Prof. Sebastian M. Schmidt, unterstreicht: „Wir freuen uns, dass wir mit der Forschung an unserer noch jungen Abteilung CASUS einen Beitrag im Kampf gegen die Corona-Pandemie leisten können. Wie alle anderen drängenden Fragen unserer Zeit, zeigt die Herausforderung, vor die uns SARS-CoV-2 stellt, dass wir nur durch die wissenschaftliche Kooperation verschiedener Bereiche adäquate Lösungen finden können – sei dies nun die Pandemie, der globale Klimawandel oder Therapien für Volkskrankheiten wie Krebs.“ Die Görlitzer Wissenschaftler greifen neben einem interdisziplinären Team auch auf die Kompetenzen anderer Forschungseinrichtungen zurück und stehen beispielsweise in engem Austausch mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig oder dem Kompetenzcluster HIFIS (Helmholtz Federated IT Services) sowie der University of Maryland.

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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