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Sehnsucht nach Normalität

Rietschen. Wie sind die Vereine des Landkreises bisher durch die Pandemie gekommen, welche Sorgen haben sie und was ist für die Zukunft geplant? Nach unserem Aufruf haben sich viele Vereine gemeldet, um mit uns über genau diese Fragen zu sprechen. Den Auftakt machen der SSV Stahl Rietschen, der Förderverein zur Erhaltung der Ev.-Luth. Kirche zu Walddorf und der ASV Vorwärts Rothenburg.

Saisonstart im September?

Die Handballer des SSV Stahl Rietschen hatten ihr letztes Spiel am 31. Oktober. Danach ruhten Trainings- und Spielbetrieb. In Sachen Training gab es in den vergangenen Wochen erste Lichtblicke. Mit Kindern und Jugendlichen wurde in kleinen Gruppen wieder trainiert. „Was ich sehr kritikwürdig finde, ist, dass es keine einheitliche Linie gab und die Regelungen und ständigen Regeländerungen schwer zu überschauen waren“, sagt Abteilungsleiter Heiko Hentschel. Der Verein habe zum Glück aber viele umsichtige Übungsleiter, die sich immer wieder selbst schlau gemacht haben.

Beim ersten Lockdown habe man sich noch in der WhatsApp-Gruppe bei Laune gehalten, habe Trainingsideen und Übungen für das Einzeltraining untereinander ausgetauscht, sei noch sehr optimistisch gewesen. Doch sowas nutzt sich ab. „Wir sind eine große Handballfamilie. Im Verein steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt“, sagt Heiko Hentschel. Und die lässt sich über WhatsApp-Nachrichten und Zoom-Meetings eben nicht erzeugen. Handball spielen lässt sich so schon gar nicht.

Eine Angst des Abteilungsleiters ist es, das Mitglieder austreten. Zwar hat er noch keine schriftlichen Austrittserklärungen vorliegen. Aber erst, wenn man wieder in der Halle stehe, werde man sehen, ob alle noch kommen. Und auch die Finanzen bereiten Sorgen. „Aktuell machen wir ja nichts, also kostet es auch nichts“, sagt Heiko Hentschel. Wenn der Spielbetrieb wieder losgeht, sieht das anders aus. Ob aber alle Sponsoren dann die Treue halten können und in gleichem Umfang unterstützen wie vor der Pandemie, ist unklar. Und auch die Frage der Zuschauer steht im Raum. Kann man die Halle wieder voll machen, oder können wie nach dem ersten Lockdown nur 50 statt der 200 bis 250  Zuschauer die Spiele besuchen und damit durch Eintrittsgelder und den Verkauf von Essen und Getränken das Geld in die Kasse spülen, das für den Spielbetrieb benötigt wird?

Trotz dieser Sorgen regt sich aber auch Optimismus. Denn durch die sinkenden Inzidenzen wird Training in der Halle wieder möglich. Und der Handball-Verband Sachsen hat mit den Planungen für die Saison 21/22 begonnen. Normaler Saisonstart wäre Mitte September.

Nächstes Ziel: Orgelsanierung

Am Turm der evangelisch-lutherischen Kirche in Walddorf steht aktuell ein Baugerüst. Es waren Putzarbeiten zu erledigen, jetzt soll die Fassade noch neue Farbe bekommen. Um solche Arbeiten bezahlen zu können und die Kirche so zu erhalten, wurde 2007 der Förderverein zur Erhaltung der Ev.-Luth. Kirche zu Walddorf gegründet. Und der musste sich vergangenes Jahr etwas einfallen lassen. „Die Sanierungsarbeiten sind teurer geworden als ursprünglich geplant“, erzählt die Vereinsvorsitzende Viola Streubel. Veranstaltungen, bei denen durch Eintrittsgelder und Spenden Geld in die Kasse kommt, waren aber coronabedingt nicht möglich. Also rief der Verein eine Quadratmeter-Patenschaft ins Leben. Über 100 Paten für jeweils ein 1x1 Meter großes Stück der Kirche fanden sich.

Corona hat den Verein, der neben der Akquirierung von Finanzmitteln für den Erhalt der Kirche auch Projekte zur Öffnung für eine breite Öffentlichkeit organisiert, ausgebremst. Veranstaltungen wie das Weihnachtskonzert mit Gunther Emmerlich mussten ebenso ausfallen wie Arbeitseinsätze und Vereinsausflüge. „Alles, was den Zusammenhalt in einem Verein ausmacht, war nicht möglich“, sagt Viola Streubel. Auch die Ausstellungen, die regelmäßig in der Kirche zu sehen sind, wurden seltener besucht, obwohl das durchgängig möglich war. Aktuell sind Bilder der Künstlerin Angela Straßberger aus Rabenau zu sehen. Sie kreiert aus Naturmaterialen Gesichter.

Als nächstes großes Projekt steht in der Kirche die Orgelsanierung an. Erste Kostenvoranschläge wurden bereits eingeholt. Natürlich stemmt der Verein die Kosten dafür nicht alleine. Aber er trägt seinen Teil bei. Um die 5000 Euro kommen durch die Vereinsarbeit pro Jahr in etwa zusammen. Dabei hilft auch, dass die Kirche seit 2017 Radwegekirche ist. An fünf Tagen pro Woche ist sie für jeweils mindestens vier Stunden geöffnet, so dass Radtouristen, die auf dem Spreeradweg unterwegs sind, sie besuchen können. Zu den Öffnungszeiten ist immer ein Vereinsmitglied vor Ort.

Für die Zukunft hofft der Verein vor allem auf eine Rückkehr zum normalen Vereinsleben. Der Frühjahrsputz soll jetzt hoffentlich im Sommer stattfinden. Gleiches gilt für die Vereinsversammlung. Was Veranstaltungen angeht, ist man in Walddorf noch vorsichtig. Im Sommer und Herbst ist nichts geplant. »Wir hoffen, dass unser Weihnachtskonzert dieses Jahr wieder stattfinden kann,« sagt Viola Streubel.

Training in allen Abteilungen

Beim ASV Rothenburg dreht sich derzeit alles darum, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und damit dem Vereinsleben wieder Schwung zu geben. In allen Abteilungen werden Trainingsangebote organisiert, zunächst alles draußen. In der Abteilung Volleyball sucht man beispielsweise aktuell einen passenden Platz, um nicht nur Athletiktraining anbieten zu können, sondern auch wieder Bälle übers Netz zu schlagen. „Wir machen in allen Abteilungen weiter und wären natürlich froh, wenn alle wieder dabei sind, die auch vor Corona dabei waren“, sagt Vorstandmitglied Eike Wetzstein. Der Fokus liegt vor allem auf der Kinder- und Jugendarbeit. Nachdem der Sport lange stillstand, wolle man gerade die Jüngeren wieder motivieren und ihnen Lust auf Sport machen. Was den Wettkampfbetrieb angeht, liegt die Hoffnung auf dem Herbst. „Bei den Leichtathleten könnte es vielleicht sogar zeitiger wieder losgehen. Aber da gibt es noch nichts Konkretes“, sagt Vorstandsmitglied Anna Knobloch.

Außerdem richtet der Verein gerade eine neue Geschäftsstelle ein. Die alten Räumlichkeiten musste man verlassen, nachdem an der Polizeihochschule umstrukturiert wurde. Man kam übergangsweise bei der Kirchgemeinde unter, hat jetzt aber am Marktplatz 19 ein neues Domizil gefunden. Das soll im Juni eröffnet werden. „Aktuell warten wir noch auf die Möbel“, sagt Anna Knobloch. Vereinsmitglieder, die die Öffnungszeiten absichern, sind schon gefunden. Wann genau geöffnet sein wird, ist allerdings noch nicht klar, dazu laufen die Planungen noch.

Ausgefallen ist 2020 die Feier zum 30-järhigen Jubiläum des Vereins. Die soll natürlich nachgeholt werden. Wann das passiert, steht aber noch nicht fest. »Wir wollen da nichts übers Knie brechen«, sagt Eike Wetzstein. Es kann also sein, dass noch dieses Jahr gefeiert wird, möglicherweise steigt die Party aber auch erst 2022.

Großen Mitgliederschwund hat der Verein durch Corona nicht zu verzeichnen. Auf rund zehn Prozent schätzt Eike Wetzstein den Rückgang. Klingt erstmal viel. Aber der Verein hat im Bereich Gesundheitssport eine normale Fluktuation. Mitglieder gehen, neue kommen dazu. Genau diese Neuen kamen aber durch Corona nicht. Im Verein geht man davon aus, dass sich das wieder einpendelt, sobald normaler Betrieb wieder möglich ist. Auch finanziell ist der Verein gut durch die Pandemie gekommen. Man habe gute Reserven aufgebaut in den vergangenen 30 Jahren. Außerdem hätten die meisten Mitglieder auch weiter ihre Beiträge gezahlt.

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