André Schramm

Fernsehturm-Studie: Schlechte Aussichten

Dresden. Landeshauptstadt, Freistaat und Deutsche Funkturm GmbH haben heute die Machbarkeitsstudie zum Fernsehturm vorgelegt. Demnach stehen die Aussichten für eine Wiedereröffnung schlecht. Die Präsentation fand überraschenderweise oben in dem Dresdner Wahrzeichen statt.

Unüberbrückbare umweltrechtliche Belange, hohe Kosten und viele Unsicherheiten: Im Ergebnis kommt die Machbarkeitsstudie, die im Auftrag der Landeshauptstadt, des Freistaates und der Deutschen Funkturm GmbH durchgeführt wurde, zu keinem guten Ergebnis – zumindest aus Sicht aller Fernsehturmfreunde.

Die Expertise (Kosten: ca. 90.000 Euro), die nun mit reichlich Verspätung veröffentlicht und dem Fernsehturm Verein übergeben wurde, beleuchtetet vier verschiedene Varianten einer Revitalisierung des Fernsehturms samt der zu erwartenden Besucherzahlen:

Variante 1a: Turmgastronomie und Besucherplattform;

Variante 1b: Gastronomie am Fuß des Turms und Besucherplattform;

Variante 2: Turmgastronomie, Gastronomie am Fuß, Besucherplattform und Seilbahn;

Variante 3: Turmgastronomie, Besucherplattform, Seilbahn und "Televersum" mit Museum, Kino, Planetarium.

Im Ergebnis hat die Studie festgestellt, dass die Varianten 2 und 3 nicht realisierbar sind. Sowohl die Seilbahn, als auch eine Bebauung über die derzeitigen Fläche hinaus, würden gegen bestehende umweltrechtliche Belange verstoßen und wären nicht genehmigungsfähig. Bei der Seilbahn kommt das Problem hinzu, dass immer private Grundstücke am Hang direkt betroffen wären. Die Risiken, dass ein Vorhaben dieser Art an den rechtlichen Rahmenbedingungen scheitert, wird als so hoch eingeschätzt, dass diese Varianten laut der Studie nicht weiter verfolgt werden sollten.

Bei den Varianten 1a und 1b sind die Eingriffe in umweltrechtliche Belange zwar geringer, aber auch hierbestehen Risiken, die in der Studie aufgezeigt sind. Die Studie liefert erste Kostenschätzungen für alle Varianten in einer Bandbreite von 15,5 Millionen Euro bis 61,5 Millionen Euro. Es handelt sich aber um Grobkostenschätzungen (+/- 30 Prozent). In diesen Schätzungen sind keine Kosten enthalten für Ausgleichsmaßnahmen, den Straßenbau oder ÖPNV-Betriebskosten und auf das zukünftige Nutzungskonzept bezogene, eigene Investitionen und Kosten eines potentiellen Betreibers.

Die prognostizierten Besucherpotentiale bewegen sich zwischen 230.000 (Variante 1a) und 450.000 (Variante 3) pro Jahr.

Meinungen

"Die Machbarkeitsstudie bestätigt, dass die vergangenen Initiativen zur Wiedereröffnung des Dresdener Fernsehturms nicht ohne Grund gescheitert sind. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist eine Wiedereröffnung wirtschaftlich nicht darstellbar", sagt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sieht in der Machbarkeitsstudie eine sachliche Gesprächsgrundlage für alle Beteiligten aus Bürgerschaft und Politik. "Ich würde mir wünschen, wenn der Verein sein großes Engagement auf die Frage konzentriert, ob es wie bei anderen großen Projekten, private Spender und Mäzen gibt, die die Wiedereröffnung unterstützen würden. Eine einseitige steuerfinanzierte Lösung mit jährlichen Subventionen aus der Stadtkasse kann ich mir nicht vorstellen", sagte er.

Barbara Lässig, Sprecherin des Fernsehturmvereins, sieht die Studie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Die Machbarkeitsstudie hat uns gezeigt, dass es sich lohnt weiter zu machen", sagte sie gegenüber WochenKurier. Dass die Seilbahnvarianten mit Naturschutzbelangen und evtl. Rechtsstreitigkeiten mit Anwohnern abgebügelt wurde, könne sie jedoch nicht verstehen. "Überall auf der Welt werden Seilbahnen gebaut. Hier in Dresden geht das nicht. Dabei wohnen in dem Areal kaum Menschen", so Lässig weiter. Insgesamt lobte sie aber die Art und Weise der Präsentation in rund 150 Metern Höhe. Voraussichtlich im August wollen sich alle Beteiligten wieder treffen.

Im Stadtrat am Donnerstag findet eine aktuelle Stunde zum Thema "Fernsehturm" statt. Die AfD-Fraktion hat dem Vernehmen nach einen Eilantrag für einen Bürgerentscheid eingereicht.

Durchgeführt wurde die Machbarkeitsstudie vom Dresdner Architektur- und Ingenieurbüro "GREBNER beraten + planen GmbH".

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