Carola Pönisch

Dresdner Mühle: "Ährenwort. Wir wollen wachsen"

Dresden. Die 1913 von der Unternehmerfamilie Bienert gebaut »Bienertsche Hafenmühle« zählt nicht nur weltweit zu den ältesten Stahlbetonbauten. Sie ist auch Sachsens größte Getreidemühle. 550 Tonnen Getreide werden hier täglich zu Mehr vermahlen. Seit 2014 gehört die Mühle zum Familienunternehmen Bindewald und Gutting.

Mehl ist nicht gleich Mehl. Zum Stollenbacken braucht es Mehl in E(lite)-Qualität, das Mehl für Kekse, Kräcker, Waffeln und Salzstangen ist ein anderes als das, woraus Torten und Kuchen entstehen und das wiederum unterscheidet sich in seinen Backeigenschaften komplett von jenem gemahlenen Korn, aus dem Brot und Brötchen gebacken werden.

Mehr als 50 Mehlsorten und -mischungen werden in der Dresdner Mühle hergestellt. 550 Tonnen pro Tag, an 365 Tagen im Jahr. Abnehmer sind etwa 200 Bäcker und etliche produzierende Backbetriebe in Sachsen und den umliegenden ostdeutschen Bundesländern, 25 Prozent der Produkte werden EU-weit exportiert.

Das Getreide, das für die Vollauslastung der Mühle am Dresdner Hafen sorgt, kommt ebenfalls aus der Region. Rund 150 Landwirte bauen Roggen und Weizen in der Region an. Gemeinsam mit den Bäckern und der Mühle bilden sie »das magische Dreieck« im Qualitätsprogramm »Ährenwort«, das 1993 gemeinsam initiiert wurde. Wertschöpfung in der Region – hier wird sie zu einhundert Prozent gelebt.

»Wir brauchen mehr Lagerkapazität«

Seit 2014 gehört die Dresdner Mühle zum Familienunternehmen Bindewald und Gutting, das im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt in Sachen Mehl am Markt ist und aus der Saalemühle Alsleben hervorging. Rund neun Millionen Euro investierten die neuen Eigentümer bereits in den vergangenen vier Jahren, unter anderem in neue Walzstühle. Und sie wollen mehr investieren. »Wir brauchen dringend weitere Silos und eine zusätzliche Verladestation für unseren Fuhrpark«, erklärt Betriebsleiter Norman Krug. Denn die Mehlvielfalt, die ja das besondere Markenzeichen der Dresdner Mühle ist, kommt letztlich von einer Vielzahl von Getreidequalitäten und das Korn wiederum muss sorten- und qualitätsrein gelagert werden, ehe es in den Walzstühlen vermahlen wird.

Derzeit können rund 12.000 Tonnen Getreide und 3.000 Tonnen Mehl in den 54 Silozellen gelagert werden, aber der Bedarf ist deutlich höher. »Eigentlich sollten die neuen Silos schon diesen Sommer stehen und die Ernte aufnehmen, aber unser Bauantrag schlummert noch in der Stadtverwaltung«, so Betriebsleiter Krug.

Auch deshalb hatte er vor wenigen Tagen Dresdens Stadtoberhaupt Dirk Hilbert eingeladen und durch die geschichtsträchtige wie moderne Mühle geführt.

Wie gut ihr Mehl ist, das testen die Bäckermeister und Lebensmitteltechnologen der Dresdner Mühle übrigens regelmäßig selbst – im firmeneigenen Backtechnikum, bei sogenannten Standardbackversuchen.

Infos:

* Bis zu 23 Mahlvorgänge sind nötig, um aus Korn feinstes Mehl herzustellen

* Rund 60 verschiedene Getreidequalitäten werden in der Mühle verarbeitet

* Seit 2004 werden in Dresden Kathi-Mehle hergestellt

*  55 Mitarbeiter, darunter drei Azubis

 

 

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