Manuela Dietze

Wenn Fürsorge an Grenzen stößt

Bautzen. Nicht nur im Alter besteht Pflegebedürftigkeit. Sie betrifft auch junge Menschen, die aufgrund einer angeborenen Behinderung, einer chronischen Erkrankung oder eines folgenschweren Unfalls versorgt werden müssen. Wird dann umfangreiche Pflege benötigt, ist die Not groß, wie das Beispiel von Agnes Naumann und ihrem Sohn zeigt, die zugleich eine große Problematik anspricht.

Peter Naumann ist gerade 40 Jahre alt geworden. Er hat Morbus Wilson, eine seltene Stoffwechselstörung. Mit Pflegegrad 5 braucht er rund um die Uhr intensive pflegerische Versorgung, aber auch Begleitung und Betreuung. Die leistete seit Jahren seine Mutter, Agnes Naumann. Eine Mammutaufgabe, die professionelle Pflege fordert, eine 72-jährige Frau in Teilen überforderte. Selbst hatte sie sich schon länger Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll, falls sie die intensive Betreuung ihres Sohnes nicht mehr leisten kann. Als es dann soweit war, musste eine Pflegeeinrichtung gefunden werden. Nur im Seniorenhaus Wilthen gab es einen freien Platz. Seitdem lebt Peter Naumann dort.

Jeden Tag von Bautzen nach Wilthen pendeln

Agnes Naumann hat nun ein Stück weit losgelassen. Die pflegerischen Leistungen, zum Teil körperlich schwere Arbeit, werden ihr jetzt abgenommen. Eine Erleichterung. Dagegen steht die Entfernung, der tägliche Weg nach Wilthen, die Zeit, die Kraft, die sie braucht, um bei ihrem Sohn zu sein. »Ich will ihn einfach bei mir haben. Ich will in seiner Nähe sein«, sagt sie. »Aber wie lange werde ich noch gesund sein?«

Pflegeplatz in Bautzen händeringend gesucht

Der Fall von Agnes Naumann ist kein Einzelfall: Bundesweit besteht ein großer Mangel an entsprechenden Angeboten. So bleibt nur die Wahl zwischen der Pflege durch Angehörige oder der Umzug in eine Altenhilfeeinrichtung.Tagsüber wird Peter Naumann im Förder- und Betreuungsbereich der Oberlausitzer Werkstätten der Diakonie in Bautzen betreut. Hier hat er wichtige soziale Kontakte und kann mit seinen Möglichkeiten am Leben in der Gemeinschaft teilhaben. Der Weg in diese Einrichtung wäre kürzer und weniger kostenaufwendig, wenn es in einem Bautzener Pflegeheim eine Pflegestelle gäbe.Er selbst wünscht sich eine Unterbringung im Malteserstift St. Hedwig. Ein wenig aus sentimentalen Gründen. Dort war er einmal glücklich, damals, als er bei den Maltesern seinen Zivildienst abgeleistet hat.

Wartelisten in den Heimen

Der dortige Einrichtungsleiter, Matthias Wollmann, kennt das Problem. Peter Naumann wurde dort schon in der Kurzzeitpflege betreut. Einen freien Betreuungsplatz hat er nicht, er verweist auf Wartelisten, Spezialisierungen und Krankenhauszuweisungen. Er selbst hält die ständige Unterbringung eines so jungen Menschen in einer Altenpflegeeinrichtung nicht für eine gute Lösung. Junge Pflege gemeinsam mit alten Menschen ist schwierig. Junge Pflege sollte separat stattfinden. So wie in Cottbus: Der Malteserstift Mutter Teresa bietet einen separaten Wohnbereich für pflegebedürftige junge Menschen. Die Bewohner leben in der Gemeinschaft, haben wichtige soziale Kontakte und regelmäßige, altersgerechte Beschäftigung. Doch klar ist dem Team der Einrichtung, dass ihre Arbeit nur mit Hilfe der Angehörigen junger Menschen Erfolg haben kann. Sie spielen eine große Rolle im täglichen Leben. Hier aber liegt das größte Problem. Das ideale Pflegeangebot liegt kilometerweit vom Heimatort entfernt. Ein Umzug hat den Verlust des sozialen Umfelds zur Folge. Das ist allerdings keine Option für Agnes Naumann und ihren Sohn Peter - die Suche geht weiter.

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