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Abschied von einer Legende

Hoyerswerda. Über 50 Jahre strahlte der Hoyerswerdaer Kunstverein in die Welt hinaus. Zum Jahresende löst sich der Verein auf.

»Ein jegliches hat seine Zeit.« Mit diesem Bibelzitat begann die stellvertretende Vorsitzende des Hoyerswerdaer Kunstvereins, Helene Schmidt, auf der Jahreshauptversammlung im Oktober ihre Rede, die die Existenz ebenjenes Vereins Revue passieren ließ.

Das junge Hoyerswerda und die schönen Künste

Mitte der 1960er Jahre trafen sich in der Neustadt, der damals noch Kultureinrichtungen fehlten, junge Familien, die mehr wollten als nur arbeiten und Kinder erziehen. Sie sprachen in ihren Wohnungen über Literatur, hörten Musik oder beschäftigten sich mit Malerei. Unterstützt von Lothar Lang, der in den 1960er/70er Jahren junge Künstler gefördert hat, und von Brigitte Reimann (1933-1973) begann der Freundeskreis für Künste und Literatur 1968 seine Arbeit unter dem Dach des Kulturbundes.

Die Kleine Galerie entstand, Theaterfahrten nach Berlin und Cottbus fanden statt, Gespräche wurden geführt mit hochdotierten Autoren wie Christa Wolf und Jurij Brezan sowie vielen anderen Künstlern, Regisseuren und auch Wissenschaftlern. Exkursionen in Museen und Forschungsinstitute führten zu Menschen, die ihr Wissen gern teilen.

Ab 1990 entdeckten der nunmehr umfirmierte Hoyerswerdaer Kunstverein und Freunde aus Rotterdam gemeinsam Deutschland sowie die Niederlande. 2002 begannen die Reimann-Spaziergänge durch Hoyerswerda an Orte, die die Schriftstellerin gesehen und in ihrem Hauptwerk »Franziska Linkerhand« oder anderen Büchern beschrieben hat. Von 1960 bis 1968 lebte sie im Wohnkomplex I. Heute ist dort die Reimann-Begegnungsstätte, die ein großes Archiv über die Autorin und die Entwicklung der Stadt beherbergt. Viele Literaturinteressierte und Studenten aus aller Welt haben daran mitgewirkt. Das zum 80. Geburtstag enthüllte Reimann-Denkzeichen im Zentralpark der Neustadt ist ein wichtiger Teil dieser Entwicklung, sagt Helene Schmidt. Sie möchte, dass diese Orte für Hoyerswerda erhalten und sichtbar bleiben, denn sie sind ein Aushängeschild der Stadt.

Gespräche zum Erhalt des Vereinserbes laufen mit dem Schloss und der Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek. Die Rede endete mit der sehr traurigen Nachricht, dass der Hoyerswerdaer Kunstverein seine Selbstauflösung zum Jahresende bekannt gibt. Helene und Martin Schmidt sind beide weit über 80 Jahre alt und legen aus gesundheitlichen Gründen ihre Ämter nieder. Sie verlassen Hoyerswerda und ziehen zu ihren Kindern. Die meisten anderen Vereinsmitglieder sind ebenso alt und können das Werk der Schmidts nicht weiterführen.

Großes Finale am 20. November

Betont werden muss, dass die Vereinsarbeit über 50 Jahre lang immer ehrenamtlich, vor allem von dem Gründungsvorsitzenden Martin Schmidt und seiner Frau Helene organisiert wurde. Auf diese Weise hat der Kunstverein Hoyerswerda in der Welt bekannt gemacht.

Am 21. Oktober um 19 Uhr - und nur an diesem Abend - ist im Schlosssaal eine Ausstellung des Pfarrers i.R. Manfred Dietrich aus Schwepnitz über Kreuze zu besichtigen. Er hat diese christlichen Symbole an vielen Orten der Welt gesammelt und wird über die Bedeutung einzelner Kunstwerke sprechen.

Der langjährige Leiter der Galerie der BASF in Schwarzheide, Rudolf Renner, gestaltet am 10. November um 19 Uhr am selben Ort einen Vortrag über die Ikonenmalerei, also die bedeutenden Heiligenbilder der Ostkirchen.

Am 20. November um 16 Uhr findet das große Finale statt. Jeder, der eine Beziehung zum Kunstverein hatte oder hat, ist eingeladen, ein letztes Mal Freunde in diesem Rahmen zu treffen.

Wer den Erhalt des Kunstvereinserbes unterstützen will, kann spenden unter: DE31 8505 0300 3000 1010 03

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