Sandro Paufler/asl

Feuerwehr ohne Mitglieder?

Bautzen. Das wichtige Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr ist unverzichtbar. Doch die Mitgliederzahlen gehen seit Jahren zurück. Wie steht es um den Nachwuchs im Landkreis? Steigender Investitionsbedarf und der Klimawandel stellt die Kameraden künftig vor weitere Herausforderungen.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht die Anzahl der Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis betreffend. Zuerst die schlechte Nachricht: Seit 2009 ist die Mitgliederzahl um circa 1.000 Personen geschrumpft. Ein Trend, der sich weiter fortsetzt. Jetzt die gute Nachricht: Die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der Jugendfeuerwehr sind seit 2009 stark angewachsen. Ein Zuwachs von über 48 Prozent konnte verzeichnet werden. Doch die 1.613 Floriansjünger, die 2019 im Landkreis gemeldet waren, können den Ausfall der aktiven Kameraden und Kameradinnen nicht kompensieren.

Ehrenamt ist nicht mehr Selbstverständlich

Warum verlassen immer mehr Menschen die Feuerwehr? Der Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz des Landkreis Bautzen, Stefan Hentschke, sieht vielfältige Beweggründe. »Einerseits ist es der demografische Wandel, andererseits die veränderte Berufswelt.« Viele Menschen pendeln teilweise bis zu 50 Kilometer zur Arbeit. Es gibt Arbeitgeber, die ungern aktive Feuerwehrleute einstellen möchten. Auch in den erhöhten Anforderungen kommen einige Mitglieder an ihre Grenzen.

Fehlender Respekt gegenüber Einsatzkräften

Fehlende Wertschätzung und Anerkennung in der Gesellschaft erschweren die Problematik zusätzlich. »Wir leben heute in einer `Ellbogengesellschaft´. Die Selbstverständlichkeit für ein ehrenamtliches Engagement gibt es heutzutage nicht mehr, auch die Wertevorstellung hat sich in den Jahren verändert«, so der Sachgebietsleiter Stefan Hentschke. Laut Gerd Schöbel, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Bautzen, liegen die Hoffnungen in der Jugendfeuerwehr. Auch Stefan Hentschke ist der Meinung, dass die Wehren erkannt haben, wie wichtig die Jugendarbeit ist.

Feuerwehr in Luppa macht einen richtig guten Job

Ein positives Beispiel ist die Jugendfeuerwehr in Luppa bei Radibor. Jugendwart Axel Müller (Foto) leistet schon seit zehn Jahren gute Arbeit. Mit viel Herzblut und Engagement konnten über 15 Kinder- und Jugendliche in dem kleinen Ort überzeugt werden, sich aller 14 Tage am Gerätehaus zusammenzufinden. Durch spielerische Übungen und viel Abwechslung lernen die Mitglieder in Luppa das Bekämpfen eines Brandes oder Erste Hilfe-Maßnahmen besser kennen. Den Kindern macht es ebenfalls Spaß und aus Kameraden sind mittlerweile Freunde geworden. »Die Hälfte geht in den aktiven Dienst über«, erzählt Axel Müller stolz. Auch mit der Freiwilligen Feuerwehr in Großdubrau wird zusammengearbeitet, denn im Ehrenamt hält man zusammen und das zahlt sich langfristig in den Mitgliedszahlen aus. Übrigens gibt es nächstes Jahr etwas zu feiern. Die Freiwillige Feuerwehr aus Luppa feiert 2021 ihr 50-jähriges Bestehen.

Wenn es nach den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis geht, dann müssten über 8 Millionen Euro für neue Fahrzeuge oder Gerätehäuser investiert werden.

Investitionsstau und Klimawandel

Zur Verfügung stehen 4 Millionen Euro, deswegen können derzeit nur Projekte mit hoher Priorität umgesetzt werden. Die hohen Summen kommen deshalb zustande, weil vor allem die Beschaffung von Neufahrzeugen individuell und kostenintensiv ist.

Der Klimawandel fordert immer mehr Einsätze. Vor allem für Vegetationsbrände und Sturmschäden mussten die Wehren immer häufiger ausrücken. Höhepunkt war das Sturmjahr 2018 mit 1.086 Einsätzen im Jahr. Deswegen wird sich die Ausstattung in den kommenden Jahren verändern, um besser auf wetterbedingte Einsätze vorbereitet zu sein. Eins ist sicher: Die Einsätze werden nicht weniger.

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