

Kurzer Rückblick: Bei der Frauenfußball-Europameisterschaft in diesem Sommer begeisterte das deutsche Team die ganze Republik. Das EM-Finale der Frauen, das die Deutschen mit 1:2 gegen die Gastgeberinnen aus England verloren, trübte diesen Hype keineswegs. Seitdem die Fußball-Nation Deutschland ihre weibliche Seite entdeckt hat, hoffen viele Klubs auf vermehrten Zulauf von Spielerinnen. Auch die Klubs im Rödertal?
»In einer Stadt wie Radeberg wird die Begeisterung für den Frauenfußball bestimmt ansteigen«, glaubt Eric Fritsch, der beim Radeberger FV für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig ist. Derzeit kicken dort 27 Spielerinnen in zwei Teams. Nicht ganz so euphorisch ist da Markus Klotsche. Der Vereinsvorsitzende des Lomnitzer Sportvereines vertritt die Auffassung, dass »sich diese Begeisterung, die von den deutschen Fußballfrauen ausgelöst wurde, in den Vereinen nicht bemerkbar machen wird«.
Beim Westlausitzer Fußballverband (WFV) schaut man jedoch optimistischer in die Zukunft. »Der Frauenfußball gewinnt in unseren Vereinen zunehmend an Relevanz«, erklärt WFV-Geschäftsführer Gojko Sinde. Das habe man vor den Sommerferien sehen könne, als der Verband zum Tag des Mädchen- und Frauenfußballs einlud. Über 100 Mädchen im Alter von sieben bis 17 Jahren hätten sich beteiligt, so Sinde weiter. Der Geschäftsführer erzählt, das in den Vereinen des Westlausitzer Kreisverbandes mittlerweile rund 250 Mädchen und Frauen dem runden Leder nachjagen - Tendenz steigend.
Dietmar Rösler, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wachau, hatte sich im Sommer einige Spiele der Frauenfußball-Europameisterschaft angeguckt, war angetan von den dort gezeigten Leistungen. Seiner Einschätzung nach wird sich die noch vorherrschende Begeisterung aber nur auf die Frauen-Bundesligateams positiv auswirken. Ob kleine Vereine langfristig profitierten, das müsse man abwarten, meint er. Frauenfußball im Rödertal, das ist kein Selbstläufer, das hört man in vielen der hiesigen Vereine. An der Basis fängt die Arbeit an, muss das Angebot für die angehenden Fußballerinnen stimmen: Ausreichend Sportplätze, gute Trainingsmöglichkeiten, qualifizierte Übungsleiter. Bietet ein Verein wie der TSV Wachau. Der nach über zehnjähriger Pause wieder ein spielfähiges Frauenteam hat. Die TSV-Frauen steigen am 4. September in den Punktspielbetrieb ein. Gegner bei der Premiere: die Damen des Lomnitzer Sportvereins.
Auch nach der Heim-WM 2011 gab es schon mal eine Euphorie-Welle um die Frauennationalmannschaft. Jedoch: Ein nachhaltiger Effekt blieb nicht. Bundesweit gibt es 830.000 aktive Frauen und Mädchen, die Zahl der Mädchenteams hat sich jedoch seit 2010 in Deutschland halbiert. Kein Wunder, dass man beim Deutschen Fußball-Bund, bei den Landesverbänden, nach dieser erfolgreichen EM die Chance beim Schopfe ergreifen möchte, um Frauenfußball wieder salonfähig zu machen.
Beim FV Ottendorf-Okrilla stieg die Zahl der Neuanmeldungen fürs einzige Frauenteam des Klubs schon vor Monaten. Gegenwärtig trainieren dort rund 20 Mädchen und Frauen, die vom 36-jährigen Ronny Wünsche gecoacht werden. Man müsse die weitere Entwicklung im Frauenfußball abwarten, darauf hoffen, dass der Breitensport in diesem Bereich stärker gefördert werde, meint Wünsche, der mitunter selbst die Initiative ergreift, um seine Mannschaft zu verstärken. Wenn er in Ottendorf fußballspielende Mädchen sehe, »lade ich die zum Training ein«, so Wünsche. So konnte er schon einige talentierte Teenies für den Frauenfußball in der Großgemeinde begeistern