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Ministerpräsident besucht Foucault-Gymnasium

Hoyerswerda. Am Mittwoch besuchte Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (CDU), das Léon-Foucault-Gymnasium zu einer Podiumsdiskussion. Es ging um die Wahlen des Jahres, Bildungspolitik sowie um Jugend und Wirtschaft - verbunden natürlich mit der Perspektive junger Menschen in der Lausitz im Zuge des Strukturwandels.

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Als Kretschmer zuletzt im Jahr 2019 zu einer ähnlichen Gesprächsrunde am Hoyerswerdaer Gymnasium war, gab er das Versprechen wiederzukommen. Durch Corona & Co. hatte sich ein erneuter Besuch allerdings immer wieder verschoben.

Rund 120 Schülerinnen und Schüler, vorrangig aus der elften Klasse, aber auch Interessierte aus der neunten und zehnten Klasse des Gymnasiums konnten nun also ihre Fragen an Sachsens Ministerpräsident loswerden. An der Podiumsdiskussion nahm unter anderem auch Landrat Udo Witschas teil.

"Es hängt immer nur von den Menschen vor Ort ab, wie sich eine Region entwickelt", sagte Kretschmer gleich zu Beginn der Diskussionsrunde. Im Bezug auf die bevorstehenden Wahlen 2024 und die Frage, wie er die Chancen seiner Partei momentan einschätze, meinte der CDU-Politiker: "Man kann Protest wählen oder man wählt Gestaltung" und animierte gleichzeitig dazu, sich schon in jungen Jahren selbst politisch zu engagieren, in dem man in Jugendorganisationen unterschiedlichster Art eintritt. Dann könne man am besten "seine Themen bestimmen und festlegen."

 

Lehrermangel, Migration, Digitalisierung - was Schüler und Lehrer bewegt

Aus dem Podium der Schüler und auch Lehrer gab es teils sehr kritische Fragen, wie z.B. zum Lehrermangel, zur Migrationsdebatte, zur mehr als schleichenden Digitalisierung oder zu "Zerrbildern" in den Medien und die anschließende Frage, welche Kanäle überhaupt zur "qualitativen" Medienlandschaft gehören. Kretschmers Antworten waren deutlich: "Nichts ist objektiver als eine Zeitung. Dort sitzen aus eigener Erfahrung bei der Sächsischen Zeitung Menschen mit den verschiedensten politischen Einstellungen." In dessen Gesamtheit ergebe das eine ausgewogene Berichterstattung. Im Internet, bspw. auf Social-Media-Kanälen wie Telegram, werden bestimmte Themen oftmals zugespitzt dargestellt und das oftmals nur in eine Richtung.

Auf die Frage eines Schülers, wie zunehmender Gewalt, auch von Migranten, zukünftig entgegengetreten werden könne, antwortete der Ministerpräsident: "Wir brauchen einen starken Rechtsstaat, in dem wir mehr in Polizei-Personal investieren." So seien bereits seit fünf Jahren um die 1.000 Polizisten mehr eingestellt worden. "Gesetze verschärfen und Rückführungsabkommen mit entsprechenden Ländern für Menschen mit Migrationshintergrund, die sich nicht benehmen können", nannte Kretschmer ebenfalls als Maßnahme. Eine Ministerpräsidenten-Konferenz aller 16 Länder ergab nach seinen Aussagen bereits sehr viel Verständnis dafür, sodass dieses Anliegen dann nur noch beim Bund durchgebracht werden müsse.

Um den Lehrermangel entgegenzuwirken müsse durch entsprechende Maßnahmen ebenso das Personal deutlich aufgestockt werden. Auch in diesem Bereich soll die Anzahl der Studierenden in den vergangenen Jahren schon deutlich erhöht worden sein. Es gilt ebenfalls, vermehrt Seiteneinsteiger für den Lehrerberuf zu gewinnen. Ralf Berger, Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung in Sachsen, warb dafür, dass aktive Lehrer selbst positiver über ihren Job in der Öffentlichkeit kommunizieren sollten.

Für eine schnellere Digitalisierung des Landes sei laut Kretschmer vor allem ein anderes Verständnis von Datenschutz der Menschen nötig.

 

Strukturwandel bietet Perspektive für junge Menschen

Landrat Udo Witschas warb mit einer brennenden Abschlussrede noch für die Chancen des Strukturwandels und die sich daraus ergebenden Perspektiven junger Menschen in der Lausitz: "Es liegt an euch, bei uns zu bleiben. Für jeden gibt es hier mehr als eine Aufgabe", machte Witschas mit Großprojekten vor allem in Straßgräbchen, Bernsdorf, aber auch im Industriepark Schwarze Pumpe deutlich.

Im Anschluss der öffentlichen Podiumsdiskussion sagte Kretschmer dem WochenKurier: "Wenn ich diese klugen, neugierigen, jungen Menschen sehe, mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft dieses Landes."

Zuvor war der Ministerpräsident in Schwarze Pumpe, um mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Energieunternehmens LEAG zu sprechen. Kretschmer nahm davon "ganz viel Erwartungshaltung" mit. "Die Bundesregierung steht in der Verantwortung, die Menschen aus der Energieversorgung nicht zu enttäuschen", so der Minister am Rande der Schulveranstaltung. Er fordere Entschädigungszahlungen, dass neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden können, mehr Investitionen im Bereich der Eisenbahninfrastruktur und eine neu aufsetzende Energiepolitik. "Dass Energie immer teurer und teuer wird, kann nicht richtig sein", so Kretschmer deutlich.


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