Rainer Könen

Ein Ort der Entspannung

Radeberg. Im Rödertal gehört Jouni Pietzsch zu den jüngsten Vertretern in der Kleingartenszene. Bei Tag der offenen Gärten am 16. Juni kann man sich den Hausgarten des 17-jährigen Radebergers anschauen.

Ein »Bad in Grün« gibt es in Jouni Pietzschs Hausgarten.  Foto: Rainer Könen

Ein »Bad in Grün« gibt es in Jouni Pietzschs Hausgarten. Foto: Rainer Könen

Werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Menschen seinen Garten besichtigen wollen? Im vergangenen Jahr war es jedenfalls so. Da staunte Jouni Pietzsch über die vielen Leute, die sich seine rund 500 Quadratmeter großen Gartenanlage anschauten. Rund 100 Leute seien es bestimmt gewesen, so der junge Mann. Wie viele es in diesem Jahr sein werden, nun, der Radeberger lässt sich einfach mal überraschen. Spielt das Wetter mit, dürfte beim diesjährigen Tag der offenen Gärten am 16. Juni bei Jouni Pietzsch wieder einiges los. Der so gar nicht dem gängigen Klischee eines typischen Kleingärtners entspricht. Weder ist er im Rentenalter noch kommt er spießbürgerlich daher. Jouni Pietzsch ist 17 Jahre alt, dürfte damit einer der jüngsten Kleingärtner im Rödertal sein. Anruf bei Wolfgang Preller: Gibt es neben Pietsch noch weitere gartenbegeisterte Jugendliche in der Region? Da muss der Vorsitzende des Kamenzer Territorialverbandes der Kleingärtner passen. »Ich denke, dass der junge Mann hier wohl eine Ausnahme ist«, so Preller.

Jouni Pietzsch erzählt, dass ihn seine Großeltern oft mit den Garten genommen haben. »Die beiden haben mir damals gezeigt, wie man ein solche Anlage pflegt, worauf es ankommt«. Seitdem »ist der Garten zu meiner Passion geworden«. Auch weil er hier vom Alltag abschalten kann, Ruhe findet. Seit 16 Jahren lebt er mit seinen Eltern in dem von vier Mietparteien bewohnten Haus in der Seifertstraße, den dortigen Hausgarten betreut er seit 2019. Auf der Grünfläche habe er schon einige »Projekte« realisiert. Bei einem Rundgang zeigt er auf sein »Badezimmer in Grün«, sprießen Blumen aus Wanne, Waschbecken und einer Kloschüssel. Auf dem Rasen, der für ihn mehr »den Charakter einer Wiese« hat, sieht man runde, mit Klee und Löwenzahn bewachsene Flächen. »Begleitgrün« nennt er diese Pflanzeninseln.

Zwei Gewächshäuser und drei Hochbeete

Besonders stolz ist er auf seine elf Quadratmeter große Schmetterlingswiese, deren Blumen auch von Bienen angesteuert werden. Darüber hinaus hat er zwei Gewächshäuser und drei Hochbeete für Nutzpflanzen errichtet. Er erzählt, dass er noch einiges mit dem Garten vorhabe. Für seine anderen Hobbys, das Kochen und Fahrradfahren, bleibe wenig Zeit. Wenn er mal mit dem Rad unterwegs ist, schaut er oft in andere Grünanlagen rein. Die Kreativität mancher Kleingärtner lasse ihn da immer wieder staunen, erzählt er.

Derzeit besucht er ein Wirtschaftsgymnasium in Dresden. Sein Berufswunsch: »Ich möchte auf Lehramt studieren, Deutsch und Biologie würden gut passen«. So sehr er den Garten schätzt, aber später einen Beruf auszuüben, bei dem er täglich in irgendeiner Form mit Gärten oder Gartenarchitektur zu tun habe, das kommt für ihn nicht in Frage. »Ein Garten ist und bleibt für mich ein Ort der Entspannung, soll auch künftig so bleiben.«

2025 will er beim Tag der offenen Gärten erneut dabei sein. Jedoch nicht mit seinem Hausgarten. Vielmehr soll es der Schulgarten der Ludwig-Richter-Oberschule in Radeberg sein, wo er im vergangenen Jahr seinen Realschulabschluss machte. Hier leitet er die AG Schulgarten. Wenn es klappt, wolle er den von ihm mitkonzipierten Schulgarten der Öffentlichkeit vorstellen. Auch um zu zeigen, dass es in der Stadt noch andere junge Menschen gibt, die gerne im Mutterboden wühlen, Unkraut zupfen und Blumen pflanzen.

Freunde finden Hobby cool

Bleibt noch eine Frage: Wie reagieren Freunde und Bekannte auf sein Gartenhobby? Er grinst. Nun ja, sein Junggärtner-Dasein fänden alle schon irgendwie cool. Manchmal komme sogar der ein oder andere vorbei, packe mit an. Auch, weil man danach im Garten prima relaxen könne - beim Grillen.

Wer Lust hat, beim Tag der offenen Gärten am 16. Juni den 500 Quadratmeter großen Nutz- und Ziergarten von Jouni Pietzsch zu besichtigen, kann dies in der Zeit von 13 bis 18 Uhr tun. Der Zugang zum in der Fritz-Seifert-Str. 6 gelegenen Hausgarten ist barrierefrei. Es gibt Snacks und Getränke.


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