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Silke Richter

Die Reimann – polarisiert, bewundert und kritisiert

Hoyerswerda. Brigitte Reimann wäre am Freitag vergangener Woche 90 Jahre alt geworden. In Erinnerung an die bedeutende Schriftstellerin wurde am Gebäude der Stadtbibliothek eine Gedenktafel der Namenspatronin enthüllt.
Bürgermeister Mirko Pink, Christine Neudeck vom Freundeskreis, Bibliotheksleiterin Maja Kos und Angela Potowski vom Freundeskreis (v.l.n.r.) freuen sich über die neue Gedenktafel zu Ehren von Brigitte Reimann.

Bürgermeister Mirko Pink, Christine Neudeck vom Freundeskreis, Bibliotheksleiterin Maja Kos und Angela Potowski vom Freundeskreis (v.l.n.r.) freuen sich über die neue Gedenktafel zu Ehren von Brigitte Reimann.

Bild: Silke Richter

Da hat der Radio-Reporter wohl den Falschen erwischt. Der befragte Mann könne nicht viel mit dem Namen Brigitte Reimann anfangen. Schließlich sei er auch nicht direkt von hier. Die grüne Schirmmütze auf dem Kopf verrät seine Herkunft. Sie trägt den hellen Schriftzug Wittichenauer Pils. Wenn Brigitte Reimann diese Begegnung hätte erleben dürfen, hätte sie den Mann vielleicht auf ein (Wittichenauer?) Bier eingeladen und mit ihm philosophiert.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre auch Mirko Pink bei der 90. Geburtstagsfeier dabei gewesen. Der Bürgermeister überbringt ja in der Regel bei Jubiläen dieser Art Glückwünsche von der Stadt. »Vielleicht hätte es sogar einen Empfang gegeben. Ist doch Brigitte Reimann eine Persönlichkeit von Hoyerswerda gewesen. Wenn auch eine, die polarisiert«, erklärt der Bürgermeister in seiner Begrüßungsansprache.

 

Ihr Erbe hat Spuren hinterlassen

Die Tafel im Hintergrund, die an jene berühmt gewordene Frau erinnern soll, ist zu diesem Zeitpunkt noch mit einem roten Tuch verdeckt. Deren Enthüllung ist der Höhepunkt einer Aktionswoche, in der sich alles um die Schriftstellerin drehte, die in den 60er Jahren fast ein Jahrzehnt in Hoyerswerda gelebt und in Schwarze Pumpe gearbeitet hatte. Sie gehörte zu DDR-Zeiten zu den bekanntesten Autorinnen und wurde nicht selten »Die Unbeugsame« genannt. Ihre Meinungen und Ansichten waren kritisch. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in ihren literarischen Werken wie beispielsweise »Franziska Linkerhand« und »Ankunft im Alltag«. Ihren 40. Geburtstag konnte Brigitte Reimann nicht mehr erleben. Ihr literarisches Erbe hinterlässt nicht nur in Hoyerswerda, sondern weit über die Stadtgrenzen hinaus seine Spuren und sorgt auch für weitere Überraschungen. Im Keller eines Hoyerswerdaer Wohnhauses tauchten im vergangenen Jahr plötzlich bei Beräumungsarbeiten Schriftstücke von Brigitte Reimann auf, die in der derzeitigen Sonderausstellung im Stadtmuseum zu sehen sind.

Die Daten werden von der Good Conversations gGmbH (einer Tochtergesellschaft von ZEIT ONLINE) erhoben und verarbeitet.

 

Wer mehr über ihr Leben und Wirken wissen wollte, war beim Brigitte-Reimann-Spaziergang am Freitagmorgen mit Angela Potowski und Christine Neudeck vom Freundeskreis des ehemaligen Kunstvereins genau richtig. Die beiden Damen stellten verschiedene Stationen vor und lasen Texte der Autorin vor. Die Teilnehmer kennen sich mit »ihrer« Brigitte aus. So berichtete eine Frau, neben der Schriftstellerin gewohnt zu haben. Eine andere Besucherin war von ihrer literarischen Sprache sehr fasziniert.

 

Das Wirken der Frauen im Fokus

»Brigitte Reimann war eine bedeutende Person und sie war eine Frau. Uns ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, um Frauen und ihr Wirken sichtbarer zu machen. Es gibt in Hoyerswerda 94 Straßen, die Männernamen, und elf Straßen, die Frauennamen tragen«, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Korina Jenssen, über ihre Recherchen. Dieser Anspruch ist auch Maja Kos sehr wichtig. Mit Übernahme der Bibliothek sei es der Leiterin ein Bedürfnis, das Wirken von Namensgeberin Brigitte Reimann noch stärker in den Fokus der Einrichtung zu rücken. Mit der Enthüllung der neuen »Frauenorte Sachsen«-Gedenktafel ist man diesem Wunsch ein Stückchen näher gerückt.


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