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Rainer Könen

»Das Bienenwohl liegt vielen am Herzen«

Der Arnsdorfer Daniel Neubauer betreibt ein Hobby, dem in der heutigen Zeit immer mehr Menschen nachgehen: das Imkern.

Irgendwann hat man es dann doch geschafft, den Weg zu Daniel Neubauer zu finden. War nicht einfach gewesen, hier im Arnsdorfer Neubaugebiet, durch das sich schmale Straßen schlängeln, von denen einige am Feldrand enden. Nun sitzt man im Garten dem gutgelaunten Hausherrn gegenüber. Bestes Sommerwetter, kein Wölkchen am Himmel, ein paar Meter stehen drei Kästen, es summt kräftig, hier sind seine Bienen zuhause. Sechs Bienenvölker hat der 34-Jährige, etwa rund 50.000 Bienen, die tragen einiges an Honig in den Bienenstock. Neubauer, der seit zwei Jahren in Arnsdorf lebt, betreibt das Imkern als Hobby. Und das ist mittlerweile so beliebt wie nie zuvor. Bundesweit. Gründe dafür gibt es einige. Die einen wollen was für die Umwelt tun, andere sich selbst mit Honig versorgen. Vor allem liege vielen »das Bienenwohl am Herzen«, so Neubauer. Trifft auch auf ihn zu. Als er sich vor dreieinhalb Jahren in Arnsdorf ein Grundstück kaufte, war das »der Moment gewesen, an dem feststand, dass ich nun genug Platz für Bienen habe«.

Vor seinem Haus befindet sich sein stationärer Verkaufsstand. Rund 350 Gläser verkauft er pro Jahr, sechs Euro kostet eines. Man kann sich selbst bedienen, per Vertrauenskasse bezahlen. Im Arnsdorfer Neubaugebiet wird sein Bio-Honig überaus geschätzt.

Imkerbund verzeichnet Zuwachs

Mehr als 150.000 Imker mit ihren rund eine Million Bienenvölkern ernten in Deutschland den beliebten Brotaufstrich Honig, der zu den ältesten Süßspeisen der Welt gehört. Insgesamt verzeichnet der Deutsche Imkerbund seit zehn Jahren einen Zuwachs an Imkern. Auch in Sachsen ist die Zahl gestiegen. Beim sächsischen Imker-Landesverband sind derzeit 4.436 Imker registriert. Mehr als in den Jahren zuvor, die Zahl der Bienenvölker habe sich in den zurückliegenden 15 Jahren mehr als verdoppelt, von 30.544 (2008) auf 69.200 (2023).

Vorab über Bienenhaltung informieren

Wer sich mit dem Imkern beschäftigen wolle, der, so Neubauer, sollte sich vorab genau über die Bienenhaltung informieren. Denn, so der Arnsdorfer, sich »Bienenvölker zulegen, um dann ab und an zu schauen, was die den ganzen Tag so treiben, das geht gar nicht.« Das Wissen, wie man Bienen durch den Winter bekommt, mit was sie gefüttert und wie man gegen Schädlinge wie die Varroa-Milbe vorgehen muss, all das werde einem auf einem Imkerkurs vermittelt. Oder man lasse sich von einem erfahrenen Imker beraten. Neubauer besuchte einen Kurs, schaute auch Imkerkollegen eine Zeitlang über die Schulter. Fazit: »Ich habe eine Menge über Bienen gelernt«, so der gebürtige Wolgaster, der seit zehn Jahren in Sachsen lebt. Sich das Imkern im Do-it-Yourself-Verfahren anzueignen, davon rät der Einzelhandelskaufmann hingegen ab.

Neubauer, der Mitglied in einem Dresdner Imkerverein ist, würde sich auch gerne mit hiesigen Imkerkollegen austauschen. Doch aus Zeitgründen klappte das bisher nicht. Über die sozialen Medien habe er jedoch schon mitbekommen, dass »sich in der Umgebung eine Menge junger Leute für dieses Hobby interessieren«. Aktuell sind rund 70 Rödertaler Imker im Landesverband organisiert, die meisten gibt es in Radeberg (26) und Großröhrsdorf (22), die wenigsten in Arnsdorf (4) und Ottendorf (12). Auch werden Imker immer jünger. Lag der bundesweite Altersdurchschnitt vor einigen Jahren noch bei 65 Jahren, ist er nun auf 54,5 Jahre gesunken. Darüber hinaus zieht es mehr Frauen zum Imkern. Mittlerweile sind 22 Prozent aller Mitglieder des Deutschen Imkerbundes weiblich. Tendenz: steigend.

Als Neubauer mit dem Imkern begann, musste er sich erst mal das passende Equipment besorgen. Schutzkleidung, Bienenstöcke, Wachsplatten, Honigschleuder, Werkzeug wie Abkehrbesen und Stockmeisel, halt alles was dazu gehört. Dazu kamen noch die Kosten für sechs Bienenvölker. Summasummarum investierte er rund 1.500 Euro in sein Hobby. Sein Ziel: sich weitere Bienenvölker zuzulegen. Sei dann zwar mehr Arbeit für ihn, aber »mache ich gerne, fühle mich gut mit meinen Bienen«. Auch wenn er gelegentlich gestochen wird. Wie jüngst, als ihn eine in den Unterarm stach. Am nächsten Tag ging es nach Mallorca. Im Flieger sei der Arm dick angeschwollen, musste »ich nach der Ankunft sofort ins Krankenhaus, zwei Tage dort bleiben«, erzählt er. War halt Pech, meint er. Sei dennoch ein schöner Urlaub gewesen. Apropos: In der besten Reisezeit - vom Mai bis August - könne er nicht wegfahren. In der Zeit muss er die Honigernte einholen, da brauchen ihn seine Bienchen.


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