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Zurück ins Land der Ahnen

Görlitz. Drei Steinbockgeißen des Görlitzer Tierparks wurden jetzt in den Alpen ausgewildert. Um Daten sammeln zu können, trägt ein Tier jetzt Halsband.

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Am Helikopterstartplatz (v.l.n.r.): Tierparkdirektor Dr. Sven Hammer, Initiator Christian Weiss und Kuratorin Catrin Hammer.

Am Helikopterstartplatz (v.l.n.r.): Tierparkdirektor Dr. Sven Hammer, Initiator Christian Weiss und Kuratorin Catrin Hammer.

Foto: www.zoo-goerlitz.de

Nach einer monatelangen aufwändigen Vorbereitung begann Ende Juni für drei 2021 im Görlitzer Tierpark geborene Steinbockgeißen, sowie sieben weitere Steinböcke aus den Zoos von München, Nürnberg und Innsbruck ein komplett neues Leben in ihrem natürlichen Lebensraum. Die Reise der Görlitzer Tiere startete am sehr frühen Dienstagmorgen, Ankunft in Österreich am Abend. Die Auswilderung war für den Mittwochvormittag geplant, doch aufgrund starken Nebels konnte der Helikopter, der die Kisten mit den Tieren zum Auswilderungsplatz auf 2300 Metern fliegen sollte, nicht starten. Die Aktion musste um einen Tag verschoben werden.

 

»Dann lief aber alles vorbildlich«, berichtet Tierparkdirektor Dr. Sven Hammer, der mit seiner Kuratorin den Transport begleitete. »Die Schieber der aufgereihten Kisten wurden gleichzeitig auf Kommando geöffnet und eine Menschenkette gewährleistete, dass die Tiere Richtung Felswand und nicht bergab liefen«, ergänzt er. Ein toller Anblick, den die Beteiligten jedoch nicht lange genießen konnten, denn nach kürzester Zeit waren die Steinböcke in den Geröllfeldern der steilen Berghänge verschwunden.

 

Bereits 2011 wurde im Gasthofgebirge des Salzburger Landes das Auswilderungsprojekt für Steinwild initiiert. Motivation war nicht die künftige Bejagung, sondern die Ergänzung des ursprünglichen Wildarteninventars durch das dort ausgerottete Steinwild. Intensive Bejagung führte dazu, dass es Anfang des 19. Jahrhunderts in Österreich keinen einzigen Steinbock mehr gab. Dem König der Alpen wurden Wunderkräfte zugeschrieben: Fleisch, Fell, Blut, Magenbezoare, Fersengelenke, das gemahlene Horn und sogar die Exkremente der Steinböcke wurden als Heilmittel vermarktet. Besonders skurril ist der Aberglaube um das "Herzkreuzerl" - einer kreuzförmigen Verknöcherung der Aorta, der eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wurde.

 

"Wir sind sehr stolz mit unseren Tieren zur Wiederansiedlung einer einst im Herkunftsgebiet ausgerotteten Tierart beitragen zu dürfen. Dies zeigt, wie wichtig der Erhalt und die Zucht von Tierarten in menschlicher Obhut ist", sagt Sven Hammer. Um weiterhin Informationen über das Verhalten der ausgewilderten Steinböcke und ihre Bewegungsmuster zu erhalten, hat man zwei Tiere vor dem Transport mit Halsbandsendern versehen. Auch eine Görlitzer Geiß trägt jetzt Halsband.