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Landkreis Görlitz als FSME-Risikogebiet eingestuft

Der Landkreis Görlitz gilt jetzt als FSME-Risikogebiet. In denen werden die kosten für eine Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
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FSME wird von Zecken übertragen. Vergangenes Jahr wurden in Sachsen 29 FSME-Erkrankungen gemeldet

FSME wird von Zecken übertragen. Vergangenes Jahr wurden in Sachsen 29 FSME-Erkrankungen gemeldet

Foto: Pixabay

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat den Landkreis Görlitz und die Stadt Chemnitz als FSME-Risikogebiet eingestuft. Damit gelten nun zehn von dreizehn Kreisfreien Städten und Landkreisen als Risikogebiet. Nur die Stadt Leipzig und die Landkreise Leipzig und Nordsachsen stehen nicht auf der Liste. Als erstes war 2014 der Vogtlandkreis als Risikogebiet eingestuft worden.
 
Die Abkürzung FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Krankheit kann Symptome wie grippeähnliche Beschwerden, in seltenen Fällen auch Fieber, Hirnhautentzündungen und Lähmungen hervorrufen. Gesundheitsministerin Petra Köpping: "Da in allen Regionen Sachsens, auch in den bisher nicht explizit als Risikogebiet eingestuften, FSME-Viren in Zecken nachgewiesen werden, ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren ganz Sachsen als FSME-Risikogebiet gelten wird. Am wirksamsten schützt man sich vor einer FSME-Infektion, indem man Zeckenstiche vermeidet. Das geht am einfachsten mit entsprechender Kleidung und den bekannten Zeckenschutzmitteln zum Auftragen auf die Haut. Menschen, die sich häufig in Zeckengebieten in der freien Natur aufhalten, ist eine Impfung zu empfehlen."
 
Zu FSME-Risikogebieten werden Regionen erklärt, in denen für Einwohner oder Besucher mit Zeckenexposition ein Erkrankungsrisiko besteht. Dieses Erkrankungsrisiko wird anhand der an das RKI gemeldeten FSME-Fälle der Vorjahre errechnet. Dabei zählen nicht nur die Fälle in dem Kreis bzw. der Stadt selbst, sondern auch die Fallzahlen der angrenzenden Kreise. Auch die Stadt Chemnitz und der Landkreises Görlitz wurden nicht nur aufgrund der dort registrierten Fallzahlen innerhalb der letzten fünf Jahre als Risikogebiet deklariert, sondern auch anhand der Zahl der in den anliegenden Nachbarkreisen aufgetretenen Erkrankungen.
 

29 Fälle in Sachsen

 
In Sachsen wurden 2021 29 FSME-Erkrankungen gemeldet. Die Infektionsorte lagen bei 26 Erkrankten sicher in Sachsen, jeweils ein Patient infizierte sich in Schweden bzw. Baden-Württemberg und bei einem Fall ließ sich der Expositionsort nicht ermitteln. Bei den Betroffenen handelte es sich um 24 Erwachsene (10 Frauen und 14 Männer) im Alter zwischen 22 und 81 Jahren sowie fünf Kinder (vier Jungen und ein Mädchen) im Alter zwischen 4 und 13 Jahren. 19 der Erkrankten litten nur unter grippalen Krankheitszeichen und Kopfschmerzen, während 10 Patienten eine neurologische Symptomatik aufwiesen (Meningitis und Enzephalitis, also Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns). Nur einer der Patienten war gegen FSME geimpft (zweimalige FSME-Impfung).
 
Die Gefahr für eine Ansteckung mit der von Zecken übertragenen FSME ist im Süden Deutschlands am größten. Vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen besteht die Gefahr, bei einem Zeckenstich FSME-Viren übertragen zu bekommen. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken, verhältnismäßig gering. Es wird geschätzt, dass in Risikogebieten zwischen 0,1 bis maximal 5 Prozent aller Zecken das FSME-Virus in sich tragen, also ca. jede 100. Zecke. Allerdings kommt es nur bei 10 Prozent der Zeckenstiche auch zur Infektion des Gestochenen. Und selbst eine Infektion verläuft dann in 80-90 Prozent der Fälle ohne Symptome.
 

Kasse zahlt Impfung

 
Wenn Krankheitszeichen auftreten, so sind dies (ca. eine Woche nach dem Zeckenstich) zunächst grippeähnliche Beschwerden und meistens bleibt es auch dabei. In einigen wenigen Fällen kommt es aber auch zu schweren Verläufen. Nach einem beschwerdefreien Intervall können dann ein bis drei Wochen nach der Infektion hohes Fieber, Entzündungen des Gehirns und seiner Häute, Lähmungen und komatöse Zustände auftreten. Die Zahl der schweren Verläufe steigt mit dem Lebensalter. 10-20 Prozemt der Patienten leiden unter Folgeschäden und ca. 1 Prozent der Betroffenen verstirbt an dem schweren Verlauf der Erkrankung. Da keine speziell wirksame Therapie zur Verfügung steht und im Krankheitsfall nur die Symptome behandelt werden können, bleibt neben der Vermeidung von Zeckenstichen bei Aufenthalt im Freien durch entsprechende Kleidung und die Verwendung von Schutzmitteln, die Zecken vertreiben bzw. fernhalten, die Schutzimpfung als wirksame Prophylaxe.
 
Für eine komplette FSME-Impfung werden drei Injektionen benötigt, wobei die ersten beiden Impfungen regulär im Abstand von ein bis drei Monaten durchgeführt werden sollten. Eine dritte Impfung nach weiteren neun bis zwölf Monaten schließt die sogenannte Grundimmunisierung ab und verleiht einen Schutz für mindestens drei Jahre. Nach vollständiger Impfung kann bei 99 Prozent der Geimpften mit einem Schutz vor FSME gerechnet werden. Bereits nach zwei Impfungen besteht bei 98 Prozent ein Schutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Auffrischimpfungen werden alle 3 bis 5 Jahre empfohlen. Zur Anwendung kommen kann auch ein spezielles Impfschema, das einen schnellen, jedoch nur vorübergehenden Schutz verleiht. Je nach Impfstoff werden hier zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen oder drei Impfungen an Tag 0, Tag 7 und Tag 21 gegeben. Für die Bewohner von Risikogebieten werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Viele Kassen bezahlen den Schutz gegen FSME auch als Reiseimpfung.


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