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Görlitz gehört jetzt zum Via-Regia-Netzwerk

Görlitz ist ins Via Regia-Netzwerk aufgenommen worden. Das soll die Stadt europaweit noch bekannter machen und auch bei der Unesco-Welterbe-Bewerbung weiterbringen.
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200 Denkmal- und Kulturexperten weilen derzeit in der Neißestadt. Sie alle besuchen die 8. Tagung des Advisory Forum der Kulturrouten des Europarates. In deren Rahmen wird über Strategien für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Kulturrouten und anderen europäischen und globalen Kulturerbe-Programmen beraten. „Wir diskutieren hier, wie wir die Routen weiter promoten und die europäische Perspektive weiter vertiefen können“, erklärt Stefano Dominioni, Direktor des Europäischen Instituts für Kulturrouten. Görlitz ist im vergangenen Jahr als Ausrichter dieser hochkarätigen Tagung benannt worden und organisiert die Konferenztage gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland. Einer der insgesamt 35 Kulturrouten ist die Via Regia. Sie verbindet auf 4500 Kilometern Santiago de Compostela in Spanien, über Frankreich, Deutschland und Polen mit Kiew in der Ukraine. Und auf der Königsstraße liegt neben Orten wie Frankfurt am Main, Erfurt, Leipzig, Bautzen, Breslau und Krakau eben auch Görlitz. Da verwundert es nicht, dass die Stadt jetzt ins Netzwerk „VIA REGIA – Coultural Route oft the Council of Europe“ aufgenommen wurde und damit Kulturrouten-Mitglied ist. Das Kulturroutenprogramm existiert bereits seit 30 Jahren, bekommt jetzt aber zunehmend mehr Aufmerksamkeit. „Programme des Europarates brauchen einige Zeit, bis sie Fahrt aufnehmen“, sagt Birgitta Ringbeck, Ministerialrätin des Auswärtigen Amts. Die bauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ist seit hunderten Jahren untrennbar mit dem wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg auf der Handelsroute Via Regia verbunden. Dies zeigt sich prominent am Beispiel der „Görlitzer Hallenhäuser“ und deren Geschichte als Kaufmannspaläste und damit Wirtschaftsmotoren für die Region. Die Entwicklung und Biografien der Häuser und ihrer Besitzer sind ein wichtiger Teil im Gesamtkonzept einer angestrebten Welterbebewerbung.

Aufnahme in die Unesco-Liste

Seit den 1990er Jahren gibt es in Görlitz Bemühungen, sich um eine Aufnahme in die Unesco-Liste zu bewerben. Diese gipfelten 2011 in der Bewerbung um die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste. Die von der Kultusministerkonferenz eingesetzte Fachkommission zur Bewertung der potentiellen deutschen Welterbestätten hat der Stadt Görlitz 2014 Potenzial bescheinigt, ohne vorerst die Aufnahme in die Tentativliste zu befürworten. Im Fokus der Bewertungen stand das architektonische Ensemble der Görlitzer Altstadt mit den typischen Hallenhäusern. Laut Fachjury sind sie als herausragende Zeugnisse ihrer Epoche geeignet, das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen. Es wurde empfohlen, diesen Aspekt weiter zu erforschen und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Auf diesem Weg ist die Stadt Görlitz inzwischen weiter vorangeschritten und präsentiert den aktuellen Arbeits- und Wissensstand dazu in der Ausstellung „Kaufmannspaläste an der Via Regia“. Sie macht unter anderem deutlich, dass nicht allein das formale architektonische Prinzip der Hallenhäuser Gegenstand des potentiellen materiellen Weltkulturerbes ist. Ziel der Forschungen ist es darzustellen, wie das einzigartige Architekturensemble der Altstadt das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen vermag. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungen bringen die Stadt Görlitz diesem Ziel entscheidend näher. Die mit der thematischen Ausschöpfung des Ratsarchivs verschränkte Erforschung der Gebäudesubstanz verspricht auch neue Perspektiven auf Hallenhäuser, die nach den Görlitzer Vorbildern in Städten entlang der Via Regia in Osteuropa entstanden sind - insbesondere auch in Polen im Verlaufe des 16. Jahrhunderts. Die Via Regia ist nicht nur der wichtigste historische Transferkorridor der technischen, sozialen und kulturellen Innovationen der damaligen Zeit. Sie ist zugleich die Voraussetzung für die untrennbar mit dem Handel und Fernhandel verbundene Entwicklung der Stadt Görlitz vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. Sie verleiht dem von der Stadt Görlitz verfolgten Welterbethema in entscheidender Weise eine internationale Dimension.