Carola Pönisch

Weißeritz: Der gezähmte Fluss

Seit 2009 hat die Landestalsperre Sachsen an der Vereinigten Weißeritz gebaut. Nach elf Jahren Bauzeit und 37 Millionen Euro Baukosten ist der Fluss nun in ein neues Bett gelegt worden.
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Starkes Gefälle, hohe Fließgeschwindigkeiten, viel Treibgut und bei drohendem Hochwasser eine Vorwarnzeit von zwei bis drei Stunden – die Weißeritz ist alles andere als ein harmloses Bächlein, wie es sich in den vergangenen zwei Sommern und auch jetzt wieder präsentiert.  Wie gefährlich der Fluss sein kann, zeigte sich 2002, als  er von Löbtau kommend die Altstadt flutete und Schäden in Höhe  von 250 Millionen Euro verursachte. Schnell war damals klar: Die Weißeritz hat das ihr zugewiesene, ungepflegte Flussbett verlassen und ihren alten Fließweg genutzt. Und schnell stand auch fest: Die Weißeritz muss gezähmt werden, damit die Friedrichstadt und die Wilsdruffer Vorstadt nicht noch einmal so schlimm in den Fluten versinkt wie 2002. Heute (13. Mai), nach elf Jahren Bauzeit, ist die Gefahr gebannt. Seit 2009 wurde der Fluss in sechs Bauabschnitten auf einer Länge von insgesamt rund 4,7 Kilometern grundhaft ausgebaut. So wurde z.B. an der Mündung der Weißeritz in die Elbe (an der Hamburger Straße) ein sogenannter Sohlabsturz zurückgebaut, ein zweiter verringert. Zwischen Hamburger Straße und Brücke Wernerstraße wurde die Flusssohle um rund 1,80 Meter vertieft, eine Rampe abgerissen und drei Gewässerzufahrten neu gebaut. Diese sind wichtig für Pflege- und Wartungsarbeiten im Flussbett. In Altplauen entstanden zwischen 2009 und 2012 neue Ufermauern und auch hier wurde die Flusssohle »tiefergelegt«. Entschärfter Knick Der wichtigste und zugleich schwierigste Abschnitt war der Ausbau des sogenannten Weißeritzknick zwischen den Brücken Werner- und Oederaner Straße – jene sensible Stelle, an der die Weißeritz vor 18 Jahren sein Flussbett verließ. Dieser Knick entstand zwischen 1891 und 1893, als die Weißeritz umverlegt wurde. »2004 wurde an der TU Dresden in einem Modellversuch ermittelt, wie die hydraulisch günstigste Uferlinie verlaufen muss«, erklärt Birgit Lange, Leiterin Betrieb Oberes Elbtal bei der Landestalsperrenverwaltung. Ergebnis: »Das Flussbett wurde um 15 bis 20 Meter verbreitert, in der Mitte wirkt eine Trennwand aus Beton  jetzt wie ein Überlaufschwelle, die das Wasser in ein zusätzliches linkes Flussbett ableitet.«  Gezähmter Fluss Die Flut 2002 war eine Jahrhundertflut. Die Weißeritz ist nun so ausgebaut, dass sie bis zu 400 Kubikmetern Wasser pro Sekunde aufnehmen kann, das ist weit mehr als bei einer Flut wie sie statistisch betrachtet einmal in 200 Jahren auftritt. Die Weißeritz ist gezähmt.