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Kriegsgräber als mahnender Ort zum Lernen

Die Arbeit für den Frieden ist für den Volksbund der Kriegsgräberfürsorge ein zukunftsfähiges und bleibendes Leitmotiv.
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Dem Volksbund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge sind Berührungsängste nicht fremd. Doch die als eingetragener Verein strukturierte Organisation hat zwei wichtige Aufgaben. Sie ist im Auftrag der Bundesregierung im Ausland in hoheitlicher Funktion tätig, wenn nach Funden von Gebeinen, die meistens von gefallenen Soldaten stammen, geregelt werden muss, wo diese neu eingebettet werden. „Bei Baumaßnahmen werden vor allem in Ostsachsen noch heute die Überreste von Kriegsopfern gefunden“, erzählt Sachsens Landesgeschäftsführer Dr. Dirk Reitz. In Osteuropa werden jährlich bis zu 40.000 Gebeine in neue Grabstätten eingebettet. In Dresden gibt es eine zentrale Gebeinekammer, in der Funde aufbewahrt werden. Einmal im Jahr findet eine zentrale Einbettung auf dem Johannisfriedhof statt. Hier gibt es etwa 3.600 Grabstätten von Kriegsopfern. „Dabei denken die meisten Leute jedoch vor allem an Soldaten“, sagt Reitz. Obwohl der Anteil der Gefallenen sehr groß ist, unterscheidet das Gräbergesetz zehn Opfergruppen. Darunter fallen alle getöteten oder an Kriegsfolgen verstorbene Menschen bis zum 31. März 1952. Das Datum steht im zeitlichen Zusammenhang mit der Rückkehr der Kriegsgefangenen, von denen die letzten 1955 nach Deutschland kamen. Das Gedenken und Erinnern spielt eine wichtige Rolle. Der Volksbund ist ein anerkannter Träger der Jugend- und Bildungsarbeit und besitzt einen starken wissenschaftlichen Ansatz. Gemeinsam mit Schulen werden Projekte zur Erinnerungskultur durchgeführt. „Das Kriegsgrab wird zunehmend zum Lernort“, so Reitz. Die Schüler erforschen Hintergründe und kommen eng mit der Geschichte in Berührung. Der Wandel lässt sich dadurch erklären, „dass die Schaffung von greifbaren Grabsteinen zunächst das persönliche Andenken an die Toten für die unmittelbaren Angehörigen förderte, doch weil diese altersbedingt wegsterben, geht die Funktion als Trauerstätte spürbar zurück“. In diesem Zusammenhang erinnert sich Reitz an eine Begegnung im Landtag anlässlich des Volkstrauertages. „Eine Dame fragte, warum nur ältere Menschen hier sitzen.“ Er antwortete mit einer Gegenfrage: „Wäre es besser, es würden viele junge Soldatenwitwen anwesend sein?“ Das Interesse am Volksbund ist rückläufig, gemessen an Spenden und Mitgliedszahlen, doch die sinkende Relevanz kann auch als gutes Zeichen interpretiert werden, nämlich für mehr als 70 Jahre ohne Krieg.


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