as

Erste Hilfe macht Schule

An 42 sächsischen Schulen wird demnächst „Erste Hilfe“ auf dem Stundenplan stehen. Dafür haben die ersten Lehrer inzwischen einen Kurs im Uniklinikum absolviert. Es geht um ein paar Handgriffe und wichtige Minuten, die Leben retten können.
Bilder
Thea Koch (Uniklinikum) und Thilo Klemz (OS Ebersbach) üben am Trainings-Phantom.             Foto: Schramm

Thea Koch (Uniklinikum) und Thilo Klemz (OS Ebersbach) üben am Trainings-Phantom. Foto: Schramm

Bei einem Herz-Kreislaufversagen zählt jede Minute. „Zwar sind die Rettungskräfte nach spätesten zehn bis zwölf Minuten vor Ort. Doch bis dahin verstreicht wertvolle Zeit“, sagt Prof. Dr. Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Uniklinikum. Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff sterben Gehirnzellen ab. Bleibende Schäden oder Schlimmeres sind die Folge.  „60 Prozent der Notfälle geschehen allerdings im Umfeld von Angehörigen. Das heißt, es ist jemand da, der helfen könnte“, sagt die Klinikdirektorin. Gemacht werde das hierzulande jedoch nur selten. 2011 lag die Laien-Reanimationsquote in der BRD bei mageren 17 Prozent, 2015 waren es 34 Prozent.  Unsere europäischen Nachbarn sind da hilfsbereiter. In Skandinavien greifen in 70 bis 80 Prozent der Fälle nichtprofessionelle Helfer ein. Dort werden einfache Reanimationsmaßnahmen aber auch schon in der Schule regelmäßig geübt. Genau diese Möglichkeit räumt nun das Kultusministerium den sächsischen Schulen ein. „Im Rahmen des Modellprojektes stehen einfache Wiederbelebungsmaßnahmen ab der siebten Klasse für jeweils zwei Schulstunden pro Jahr auf dem Programm“, sagt Koch.   Entwickelt wurde die spezielle Lehrer-Ausbildung von den Anästhesisten des Uniklinikums. Dabei hat man absichtlich auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichtet. „Um die Berührungsängste zu minimieren“, so Koch weiter. Zudem erhalten alle teilnehmenden Lehreinrichtungen  Übungspuppen. Die Erste-Hilfe-Stunden werden voraussichtlich im Rahmen des Biologie- bzw. Sportunterrichts durchgeführt. „Größtes Hindernis ist nach wie vor die Angst, etwas falsch zu machen. Hier sorgt das Projekt für mehr Routine“, ist sich Jürgen Hegewald vom Kultusministerium sicher. Durch eine Erhöhung der Laien-Wiederbelebungsrate könnten jährlich bis zu 5.000 Menschenleben (zusätzlich) gerettet werden. Diese Schulen machen u.a. mit: Freie Montessorischule (Dresden), 88. Oberschule, 66. Oberschule, Pestalozzi-Gymnasium (Dresden), Kurfürst-Moritz-Schule (Moritzburg), Oberschule Wilsdruff, Oberschule Weinböhla, Oberschule Stauchitz, Goethe Oberschule Pirna, Oberschule Ebersbach (LK Meißen).        A. Schramm