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Dresden wird noch elektrischer

Dresden. 20 E-Busse gehen auf die Straße: mitten durch die Stadt und am Stadtrand. Außerdem wurden zum letzten Mal neue E-6-Dieselbusse bestellt.

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Vor 15 Jahren hat die Stadt die ersten Hybridbusse auf dem Theaterplatz präsentiert. Nun gab die Semperoper die Kulisse für die E-Flotte. Erstmals sogar Gelenk-E-Busse, davon 18 Fahrzeuge mit 18 Metern und zwei Standardbusse mit zwölf Metern Länge. Ausgesucht hat die DVB für den Einsatz der "Leisen" die 22,3 Kilometer lange Linie "68" zwischen Goppeln und Niederwartha mitten durch Dresden mit 50 Haltestellen und täglich rund 13.000 Fahrgästen - und mit repräsentativen zwei E-Bussen die Stadtrandlinie "81" über 9,4 Kilometer mit 18 Haltestellen und 1.600 Kunden. Die "81" verbindet die Gewerbestandorte im Norden mit dem Bahnhof Neustadt. Die Strecke wird gemeinsam mit der VGM bedient, die ab Wilschdorf mit konventionellem Antrieb in die Region fahren.

Die E-Busse erhalten nachts im Betriebshof Gruna über Ladehauben unter der Hallendecke ihre Grundladung für eine Reichweite von 120 Kilometern, so der Hersteller. Weil die Busse aber täglich 200 bis 500 km unterwegs sind, wird an ausgewählten Endpunkten nachgeladen. Der Stromabnehmer, Pantograph, wird am Dach ausgeklappt und erhält in einer Ladehauben per Hochstrom bis 300 kW - dafür dann fünf bis zehn Minuten Wendezeit. Auf der Linie "68" sind zwei Ladestationen auf der Leubnitzer Höhe und am Bahnhof Cossebaude vorgesehen, auf der "81" ist eine in Wilschdorf geplant. Und ja, die E-Busse haben eine Klimaanlage, wie DVB-Aufsichtsratschef Stephan Kühn lachend im Pressetermin einwirft. Allerdings: Bei zweistelligen Minusgraden braucht es noch eine Zusatzheizung mit Heizöl oder synthetischem Kraftstoff, weil die elektrische Wärmepumpe nicht mithält.

 

Eine Investition, die sich lohnt

 

Alles in allem mit Kosten von 17,4 Millionen Euro für 20 E-Busse und weiteren 5,7 Millionen für Ladeinfrastruktur eine teure Investition, die kleinere Verkehrsverbünde als der Dresdner schlicht nicht aufbringen können. Die DVB hat selbst 5,9 Millionen beigesteuert, 4,8 Millionen EFRE-Mittel aus dem Europa-Fonds erhalten und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, das die Mehrkosten des Elektroantriebs gegenüber herkömmlichen Dieselmotoren fördert, weitere 9,6 Millionen - um nur einige Zahlen zu nennen. Vor allem mit der Investition in die Infrastruktur verspricht sich Dresden einen Schub. Immerhin 15 Prozent der DVB-Bus-Flotte fahren jetzt elektrisch. Nicht zu vergessen, dass die Straßenbahn seit 1893 praktisch emissionsfrei in Dresden unterwegs ist.

Sind die Dieselbusse nun damit Geschichte? Immerhin kündigt Oberbürgermeister Dirk Hilbert an, man wolle "die Dekarbonisierung der Flotte vorantreiben". Das wird eher ein höchst praktischer Prozess. Letztes Jahr wurden noch umweltfreundliche Euro-6-Dieselbusse bestellt - die letzten, wie Stephan Kühn versichert. Auch das eine Zeitenwende. Für die jetzt gekauften 20 neuen E-Busse werden aber nicht automatisch gleich 20 alte Dieselbusse verschrottet. Vorübergehend wird die Flotte also sogar leicht aufgestockt, vielleicht als Vorsorge in unsicheren Zeiten. Die alten Dieselbusse zum Ausrangieren werden nach und nach höchstbietend zum Verkauf ausgeschrieben und gehen damit meist an Großhändler. Irgendwo wird so mancher dann wohl wieder auftauchen.