Branczeisz

Dresden plant Baumwipfelpfad am Fernsehturm

Dresden. Seit der Bund zusagt hat, den Fernsehturm als nationales Denkmal zu förden, wachsen auch die Ambitionen.

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Da waren selbst die meisten Einwohner bei der Präsentation überrascht - der Dresdner Fernsehturm soll nicht nur der neue Tourismusmagnet von Dresden werden - die Stadt plant jetzt sogar einen Baumwipfelpfad parallel zum Wachwitzer Grund. Beides wird die Ortsteile Bühlau, Pappritz, Gönnsdorf, Wachwitz grundlegend verändern. Nicht nur die unmittelbaren Anwohner fürchten einen Ausflugs-Ansturm mit Bus, Bahn, Auto und Dampfer - entlang der teilweise verschlungenen Straßen im gesamten Gebiet wird sich vieles verändern.

Die Stadt präsentierte dafür jetzt ihr "Mobilitätskonzept rund um den Dresdner Fernsehturm". Bühlau, Pappritz, Gönnsdorf, Wachwitz "besser erschließen", so Baubürgermeister Stephan Kühn, ist durchaus mit gravierenden Eingriffen verbunden. Schon im ersten Quartal 2023 soll an den Bautzner Landstraße und am Ullersdorfer Platz geplant werden. Die Straßenbahn wird weiter hinaus verlegt, was nur mit einem langwierigen Planfeststellungsverfahren funktioniert. Eher könnte da schon der neue P + R-Parkplatz für 250 Fahrzeuge kommen, so Kühn. Auch der dafür nötige Bebauungsplan dauert aber erfahrungsgemäß wenigstens drei Jahre. Früher soll der Fernsehturm aber nicht öffnen, verspricht die Stadt.

Vision: autonome Fahrkabine zum Berg

Auch der Shuttle-Bus braucht seine Zeit, eh alles funktioniert. Gerade wird der neue Shuttleverkehr im Westen der Stadt getestet, nächstes Jahr soll Weixdorf folgen. Als Schmankerl könnte irgendwann vielleicht sogar autonome Fahrkabinen kommen, die nach ersten Bildern ein wenig übergroßen Legosteinen ähneln. Doch das ist Zukunftsmusik. Alles ist und bleibt eine Frage des Geldes. Magnetschwebebahn oder Tunnel sind heute schon als "zu teuer" verworfen, eine Seilbahn von Dobritz über die Elbe nach Wachwitz hält Stephan Kühn schlicht nicht für genehmigungsfähig, geschweige denn bezahlbar. Bleibt also nur alle verfügbaren Wege und Straßen zu nutzen, um Menschen hoch und runter zu bringen.

So manchem Anwohner wird angesichts der touristischen Ambitionen und der jetzt veröffentlichten Zahlen eher bange: 1.078 Besucher pro Tag, 250.000 im Jahr - dafür müssten etwa 465 Autos jeden Tag über die Loschwitzer Brücke fahren und rund 200 Auto-Fahrten täglich und zusätzlich über Bautzner Landstraße kommen - insgesamt rund 665 Auto-Fahrten jeden Tag. Fahrzeuge, die auch irgendwo bleiben müssen. Klar ist, baurechtlich müssen wohl nach derzeitigen Varianten 50 Parkplätze oben direkt in der Nähe des Fernsehturm angelegt werden. Ein völlig neuer "Mobilitätspunkt mit Parkhaus" für private Autos, Reisebusse und Taxis in Richtung Osten soll diesen Stauraum bieten. Der Baukörper kann 5 Meter hoch ausfallen, Anwohnern wird Lärmschutz vor Reisebussen versprochen. Mit einem "Instrumentenkasten" aus Schildern, Barrieren und intelligenten Leitsystemen will die Stadt die Belastungen für die Anwohner möglichst gering halten.

Pillnitzer Landstraße jetzt schon  überlastet

Doch das Großvorhaben ist nicht nur für unmittelbar Betroffene gravierend - der "Mobilitätspunkt mit Parkhaus" wird komplett neu in den Wald betoniert - mitten im Landschaftsschutzgebiet "Elbhänge Dresden-Pirna und Schönfelder Hochland" und Denkmalschutzgebiet "Dresdner Elbhänge". Schon das birgt Konfliktstoff. Kein Wunder, dass viele Anwohner das als Zumutung empfinden. Ein Wachwitzer erinnerte OB Dirk Hilbert schlicht: "Wir warten seit 1992 auf den Anschluss ans Abwasser" und ein Einwohner aus Gönnsdorf sagte, es ist "seit 1999 nichts gemacht worden, keine Fußwege, nichts. Die Schüler kommen nicht einmal mit dem Rad zum Gymnasium." Einem anderen Zuhörer war der "Baumwipfelpfad" einfach nicht innovativ genug zu Ende gedacht: Unter dem Hochpfad könnte doch eine Bahn verkehren, die den Transport komplett vom Wohngebiet weghält." Baumwipfelpfade gebe es inzwischen reichlich, da müsse man sich schon mehr einfallen lassen. Die Pillnitzer im Publikum haben inzwischen ihre eigenen Erfahrungen mit Schleichverkehr und Wildparken am Chrismas Garden und warnen, dass die Pillnitzer Landstraße schon jetzt teils hoffnungslos überlastet ist.

Wenn dann noch der Fernsehturm-Verkehr dazukommt, ist Dauerstau programmiert. "Haben wir nicht genug andere Sorgen in Dresden?", fragte eine Zuhörerin schließlich etwas entnervt. Fakt ist, das Mega-Vorhaben wird mehrere Ortschaften auf Dauer verändern und noch viele Diskussionen und Abwägungen mit sich bringen, eh es vielleicht irgendwann heißt: Die Fernsehturm Dresden GmbH, hinter der die Unternehmen Avantgarde, DDV-Mediengruppe und Dresden - Information stehen, laden zum einzigartigen Blick auf das Elbtal und Dresden ein.

Alle Präsentationen sowie Onlinebeteiligung vom 17. November bis 4. Dezember (alternativ Druck-Unterlagen im Bürgeramt Schönfeld-Weißig) unter dem Link:

www.dresden.de/fernsehturm


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