Birgit Branczeisz

Dresden diskutiert die nächste Brücke

Pieschen/Mickten/Ostragehege. Verkehrsbetriebe winken ab: "Die Pieschener Brücke lohnt sich nicht für uns."

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Was weg ist, ist weg. Daran mussten die Pieschener nach der Gesprächsrunde Elbquerung zum Ostragehege wohl denken. Bis 1996 verband eine Fähre den Stadtteil mit dem Zentrum. Dann wurde sie eingestellt - zu teuer. Ein folgenschwerer Schritt. Denn seitdem wurde nahezu alles durchgedacht, um wieder auf die andere Seite zu gelangen: eine Fähre, eine Brücke für Fuß-und Radfahrer, ein Tunnel, sogar ein Amphibienbus und eine Seilbahn. Eine Brücke für Fußgänger, Radfahrer und Straßenbahn wäre nun die Wunschvariante, eine Rad-Fußweg-Brücke ein Muss, die aber auch für Feuerwehr und Rettungswagen befahrbar sein müsste. Eine Fähre sehen Planer als Zwischenschritt. Soweit der Sachlage. Dann fangen die Gedankenspiele an. Eine Fähre, wenn ja was für eine? Eine Brücke - mit oder ohne Straßenbahn? Und wie lange würde was dauern?

"Eine Fähr-Lösung wäre schneller umsetzbar", so Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn. Später könnte eine Brücke gebaut werden, mit einem Beginn ist aber nicht in diesem Jahrzehnt zu rechnen! Ob mit oder ohne Straßenbahn, man überbrücke so oder so eine Bundeswasserstraße. Das verspricht komplizierte Verfahren. Bislang geht die Stadt von drei Stellen aus, an denen die Brücke in Pieschen einmünden könnte: eine in Kaditz-Mickten, unverbaut, aber nicht im Kern von Pieschen; die zweite zur Leipziger Straße, da müsste eine ganzes Quartier neu geordnet werden; die dritte deutlich westlicher davon ins Zentrum von Pieschen. Neben der Anbindung der Straßenbahn und Naturschutz gibt es ein Höhen-Problem.

 

Da geht's erst mal richtig hoch

Um Schiffe ungestört passieren zu lassen, müsste die Brücke zehn Meter hoch sein - das ergibt riesige Rampen als Anlaufhöhe für den Rad- und Fußverkehr. Niemand könne sich aber eine fünf Meter hohe Rampe am Ballhaus Watzke vorstellen. Diese Herausforderung haben die Studierenden von Prof. Steffen Marx von der TU Dresden sehr gut herausgearbeitet. Sie untersuchten, wie eine Brücke aussehen und wo sie einmünden könnte. "Die Bilder sind jetzt in der Welt" so Prof. Marx, so wird eine Brücke begreifbar. Die Dresdner Verkehrsbetriebe stehen eher auf der Bremse. Gerade mussten die Verkehrsbetriebe den Linientakt einschränken, weil sie kein Personal hat. Die nächsten Jahre hat die DVB zudem Projekte vor der Brust wie die Campus-Linie oder die Verlängerung der Linie Johannstadt. Der Sanierungsstau im vorhandenen Bestand ist riesig, die bereits angeschobenen Projekte sind gigantisch. "Wir müssen überlegen, ob die Elbquerung in den großen Tangenten so viel bringt", so Hannes Lieberoth von der DVB.

Zwei Linien könnten die Verkehrsbetriebe verbessern: Kaditz an den Hauptbahnhof anbinden und Pieschen nach Löbtau und Mitte. 3.000 Fahrgäste mehr, 1.300 Autofahrten weniger, so die ersten Zahlen. Ein Effekt, der der DVB angesichts des immensen Aufwandes, zu gering erscheint. Folge- und Betriebskosten sind noch nicht einmal bewertet, die geschätzten Baukosten aus 2019 Makulatur. Das führt zurück zur Frage: Was will Dresden mit dieser Brücke erreichen? Pieschen und das Ostragehege verbinden, damit "man schnell mal drüben ist"? Oder Radler vom künftigen Radschnellweg aus Richtung Radebeul auffangen und damit Pendler aufs Rad bekommen? Immerhin: 100.000 Menschen pendeln täglich nach Dresden zur Arbeit, 56.000 Dresdner fahren ins Umland - 75 Prozent mit dem Auto, weil es nicht anders geht, so Stephan Kühn.

Oder will man wirklich viele Menschen mit der Straßenbahn mitnehmen? Eine Fähre hätte nur eine Kapazität von 600 Fahrgästen. Das mag nicht viel klingen, so Stadtrat Stefan Engel, aber am Ende ist es ein konkreter Schritt. Baubürgermeister Stephan Kühn will vor allem eines: Konsens. Die Eskapaden um die Waldschlösschenbrücke sitzen tief. Jetzt heiße es, sich Planungsmittel für eine Fähr-Lösung zu sichern. Am Ende wird genau das, was OB Dirk Hilbert im Wahlkampf versprochen hat - die Fähre wiederbelebt.