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Zugverkehr soll attraktiver werden

Region. Die Linke möchte den Zugverkehr für Bürger und Unternehmer attraktiver gestalten und hat 12 Forderungen aufgestellt. Die Umsetzung ist noch unklar.

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Die Linke fordert eine Verkehrswende im Zugverkehr und hat 12 Forderungen aufgestellt.

Die Linke fordert eine Verkehrswende im Zugverkehr und hat 12 Forderungen aufgestellt.

Foto: Pixabay

Die Welt steht vor einer Mobilitätswende. Wie bewegen sich die Menschen in den kommenden Jahren fort? Für die Bautzener und Görlitzer Kreistagsfraktion der Linke steht fest, dass es allein der elektrische Individualverkehr, sprich die Benutzung von Elektroautos, nicht richten wird. Auch im Hinblick die Autobahn A4 zu entlasten, ist es nötig, ein attraktives Nah- und Fernverkehrsangebot für Arbeitnehmer und Mittelständler auf der Schiene anzubieten, so die Botschaft auf einer kürzlich anberaumten Pressekonferenz. Das sind die Forderungen der Linke für eine Verkehrswende auf der Schiene:

1. Schnellstmögliche Wiederinbetriebnahme der Strecken für den Personenverkehr, die nur noch für den Güterverkehr genutzt werden. Beispielhaft seien hier aufgeführt: Löbau – Rumburk, Weißwasser – Industriepark Schwarze Pumpe – Hoyerswerda, Kamenz – Hoyerswerda

 

2. Schnellstmögliche Reaktivierung aller Strecken, die noch nicht entwidmet wurden sowie die Reaktivierung aller weiteren relevanten Schienenstrecken und der Ausbau von Verbindungsstücken zwischen entsprechenden Schienenstrecken. Beispielhaft seien hier aufgeführt: Niedercunnersdorf – Oberoderwitz, Bautzen – Wilthen – Neustadt, Rothenburg – Horka, Eibau – Varnsdorf, Seifhennersdorf – Rumburk, Hoyerswerda – Bautzen

 

3. Die Elektrifizierung der Strecken zwischen Dresden – Görlitz, – Hoyerswerda und – Zittau (-Liberec), sowie zwischen Cottbus und Görlitz müssen schnellstmöglich erfolgen. Die Nutzung der vorhandenen Stromtrassen soll dabei dem Neubau vorgezogen werden. Das verringert die Planungs- und Umsetzungszeit erheblich. Die Elektrifizierung ist dabei Voraussetzung für die S-Bahn-Taktung.

 

4. Förderung von Modellprojekten zu batterie- und wasserstoffbetriebenen Zügen und auch Straßen-Schienen-Omnibussen, um den flächendeckenden Aufbau der Streckenelektrifizierung mit langjährigen Planungsverfahren zu vermeiden und die fließende Verbindung zwischen Schienen- und Busstrecken zu sichern (insbesondere für touristische Angebote sinnvoll). Die Strecke Löbau-Rumburk könnte dabei als binationales Modellprojekt für batterie- und wasserstoffbetriebene Züge dienen.

 

5. Halbstündige S-Bahn-Taktung zwischen den Knotenpunkten HoyerswerdaDresden, Bischofswerda – Bautzen – Görlitz, Cottbus – Görlitz – Zittau – Liberec, Bischofswerda – Zittau – Liberec, Hoyerswerda – Niesky – Görlitz sowie die Verlängerung der Fahrzeiten bis 24 Uhr, freitags und samstags bis ein Uhr zur Förderung der zeitlichen Attraktivität des Bahnverkehrs und damit verbundener zweigleisiger Ausbau der Schienenstrecken.

 

6. Stündliche Schienenschnellverbindung zwischen Dresden und Wroclaw mit Zwischenhalten in Bautzen und Görlitz sowie Schnellverbindung zwischen Berlin und Wroclaw mit Zwischenhalten in Cottbus, Weißwasser (als touristischer Knotenpunkt zu mehreren UNESCO-Stätten und Lausitzer Seenland) und Görlitz.

 

7. Finanziellen Attraktivität des Schienenpersonenverkehrs: Durch die Einführung des 365 €-Jahrestickets sowie eines kostenfreien Sozialtickets (für Empfänger:innen von Sozialleistungen, Schüler:innen, Auszubildende, Studierende, Freiwilligendienstleistende und Ehrenamtliche des Bevölkerungsschutzes und der Feuerwehren) im gesamten Geltungsbereich des ZVON kann der ÖPNV im Vergleich zur PKW-Nutzung attraktiver werden. Mittelfristiges Ziel muss es sein, dass es einen einheitlichen Tarif in Sachsen gibt, in dem auch die Mitnahme von Fahrrädern und Lastenrädern kostenfrei ermöglicht wird. Zudem soll es touristische Gästekarten geben, um den ÖPNV vergünstigt/kostenfrei für Mehrtagestourismus genießen zu können (vgl. Projekt SpreewaldCard).

 

8. Enge Anbindung der touristischen Freizeithöhepunkte mit eigenen Bahnhalten, wie dem Bärwalder See/Hafen Klitten oder der Förderung der Erreichbarkeit zwischen Bahnhalt und dem Tourismuspunkt (Verbindung Bahnhof Hagenwerder und Berzdorfer See, Bahnhof Weißwasser und Fürst-Pückler-Park) sowie einer touristischen Linie zwischen Liberec und Hoyerswerda, um zwischen dem Jeschken, dem Zittauer Gebirge und dem Lausitzer Seenland, ebenso zwischen Görlitz und der sächsischen/böhmischen Schweiz über Löbau – Ebersbach-Neugersdorf – Rumburk – Sebnitz – Bad Schandau – Decín ein touristisch attraktives Angebot zu schaffen. Diese Angebote müssen mit entsprechenden Tickets, wie einem erweiterten EuroNeiße-Ticket gefördert werden (siehe auch Punkt 6).

 

9. Ausbau des Anschlusses für den Schienengüterverkehr zwischen den bereits vorhandenen Schienenstrecken und den neu entstandenen Industriegebieten (Kodersdorf, Zittau-Nord, Boxberg, Flughafen Rothenburg, Großpostwitz/Singwitz). Dazu müssen einige Bahnhöfe oder Netzknotenpunkte (wieder) zu multifunktionalen Bahnterminals / Railports umgebaut werden, die auch für kleinere Güter zwischen Bahn-, LKW- und Buslogistik (Vorbild: Postbus) genutzt werden können. Dazu muss die oben genannte Elektrifizierung und der doppelgleisige Ausbau des Schienennetzes zwischen zentralen Punkten auch für den Güterverkehr mitbedacht werden. Dadurch könnten Infrastrukturprojekte, wie der Ausbau der A4, hinfällig werden.

 

10. Die Personenbeförderung muss dem Leitbild der inneren Attraktivität (Gemütlichkeit) dienen. Die Bahnen sollen nicht nur Transportmittel, sondern ebenso Arbeitsort (rollendes Büro) und bequemer Aufenthaltsort für Reisende (rollendes Café) sein. Dafür braucht es durchgehend gut verfügbares Internet, Arbeitsplätze mit geräumigen Tischen (für bis zu vier Laptops) und Getränke- und Essensversorgung. Auch die Bahnhöfe müssen nach diesem Leitbild gestaltet werden. Bahnhofsgaststätten, Arbeitsplätze, Aufenthaltsräume und kostenfreie öffentliche Toiletten gehören zu einem modernen Angebot.

 

11.Bei der Erarbeitung von Fahrplänen braucht es eine umfangreiche Beteiligung der Bevölkerung, von relevanten Organisationen, der Wissenschaft, der Unternehmen und der Bildungseinrichtungen. Ziel muss die optimale Verbindung zwischen den Schienenverbindungen, Buslinien, Fahrradwegen sowie Bike- und Car-Sharing-Angeboten, Park-and-Ride-und Bike-and-Ride-Angeboten sein. Letzteres sollte mit integrierten Apps zwischen DB, privaten Eisenbahnanbietern (derzeit Die Länderbahn mit ihrer Marke trilex und die ODEG), kommunalen Verkehrsverbünden und Sharing-Anbietern gefördert werden.

 

12.Finanzielle Unterstützung des Schienentestrings TETIS im Raum Niesky durch den Freistaat Sachsen und den Bund, um das vorhandene industrielle Bahncluster in der Lausitz mit Standorten in Bautzen, Görlitz, Niesky und Cottbus zu stärken und für Nutzer*innen aus Mitteleuropa sowie Unternehmen attraktiv zu werden. Dadurch wird eine Bahnregion geschaffen, die von der Produktion- und Testung bis zur Wartung von Schienenfahrzeugen im Umkreis von 100 km alles zu bieten hat. Zudem liegt sie im Herzen Europas und kann durch die oben vorgeschlagenen Punkte zu der Bahnregion Mitteleuropas werden.


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