K. Kunath

Kürzere Wege und mehr Stellplätze

Wie fahrradfreundlich ist Kamenz? Das wollte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im vergangenen Jahr wissen und rief die Lessingstädter zur Teilnahme am Fahrradklimatest auf. Die Auflösung des Tests und erste Ansätze, wie die Stadt für Radfahrer noch attraktiver werden kann, gab es am Mittwoch im Stadttheater.
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Die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier (m.) moderierte die Veranstaltung in Kamenz, bei der Konrad Krause (l.), Geschäftsführer des ADFC, die Ergebnisse des Fahrradklimatests vorstellte. Stadtrat Jörg Stern (Bündnis90/Grüne, r.) erläuterte anschließend, welche Maßnahmen für den Radverkehr bereits umgesetzt bzw. in Planung sind.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier (m.) moderierte die Veranstaltung in Kamenz, bei der Konrad Krause (l.), Geschäftsführer des ADFC, die Ergebnisse des Fahrradklimatests vorstellte. Stadtrat Jörg Stern (Bündnis90/Grüne, r.) erläuterte anschließend, welche Maßnahmen für den Radverkehr bereits umgesetzt bzw. in Planung sind.

Die Quintessenz des Fahrradklimatests lässt sich recht einfach zusammenfassen: die Kamenzer wollen gerne (mehr) Rad fahren, die Bedingungen dafür vor Ort sind allerdings nur mittelmäßig. Damit liegt Kamenz gut im sächsischen Trend, denn der Freistaat habe generell einen Nachholbedarf in Sachen Fahrradfreundlichkeit, sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen e.V.. „Die Themen Gesundheit und Fitness liegen im Trend, die Menschen wollen wieder mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen. Das lässt sich mit dem Fahrrad fahren leicht umsetzen“, weiß er. So hätten sich beispielsweise die Wege, die in der Landeshauptstadt mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, in den letzten Jahren verdreifacht. Das Potenzial dazu sieht der sächsische ADFC-Chef auch für Kamenz, denn die Bereitschaft, das Fahrrad zu nutzen, sei hier recht hoch. „Doch dafür ist es notwendig, den Leuten auch nutzbare Angebote zu unterbreiten, um mit dem Fahrrad ans Ziel zu kommen.“ Kritik der Radfahrer gab es im Test vor allem für die recht spärlich gesähten Rad-Abstellmöglichkeiten und die zahlreichen Einbahnstraßen, die für Radfahrer nicht in die Gegenrichtung freigegeben sind. Dabei sind es besonders die kurzen und direkten Wege, die von den Radfahrern bevorzugt werden. Lange Umwege kosten Kraft und Zeit und führen dazu, dass man eben doch eher zum Autoschlüssel als zum Fahrrad greift. „Dabei ist die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr recht einfach und mit wenig Kosten umzusetzen“, schildert Konrad Krause und verweist auf Bautzen, wo eben diese Öffnung der Einbahnstraßen seit wenigen Wochen praktiziert wird. Gerade für eine bessere Erreichbarkeit des Stadtzentrums wäre das auch in Kamenz sinnvoll. Eine zunehmende Unfallgefahr sieht der Experte hier nicht. „Im Gegenteil, die Praxisbeispiele zeigen, dass die Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen.“
Ausbaufähig sind ebenfalls die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Kamenz. Gerade in Marktnähe, aber auch am Bahnhof muss die Stadt noch nachlegen. Zum einen, damit die Fahrräder nicht an Hauswänden oder Laternen abgestellt werden, zum anderen um Schäden an den Rädern zu vermeiden. Schon viel diskutiert und trotzdem noch längst nicht zufriedenstellend umgesetzt sind die Radwege in Kamenz und den Ortsteilen. „In nordöstliche und östliche Richtung sind wir schon recht gut aufgestellt“, so Stadtrat Jörg Stern (Bündnis 90/Grüne). Gerade wenn das letzte Verbindungsstück des Radweges zwischen Zschornau und der Gemeindegrenze nach Oßling sowie der letzte Streckenabschnitt entlang der S100 zwischen Thonberg und dem Abzweig nach Miltitz fertiggestellt sind. Hoher Handlungsbedarf bestehe jedoch nach wie vor entlang der S95 in südliche Richtung und entlang der Königsbrücker Straße in Richtung Liebenau und Brauna. „Aber auch im Zuge der neuen Planungen an der Lessingschule im Gründerzeit-Quartier muss für sichere Radwege gesorgt sein“, sagt Jörg Stern. Als Lehrer weiß er, dass über die Sommermonate täglich gut 300 Schülerinnen und Schüler mit dem Rad zum Gymnasium in der Macherstraße fahren. Sie müssen später auch sicher in die Henselstraße gelangen können. Momentan fehlt es rund um die alte Schule, vor allem an der viel befahrenen Oststraße, noch an Radwegen. Zwar sind entsprechende Markierungen auf der parallel verlaufenden Goethestraße vorgesehen, die im kommenden Jahr saniert wird. Für den Großteil des Schülerradverkehrs ist das allerdings kaum von Belang.