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Spreewald sinnvoll managen

Lübbenau/Spreewald. Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sind im Spreewald unterwegs. Sie erforschen zurzeit in dem Projekt Aquatag, welchen Abdruck Freizeitboote in der Wasserlandschaft hinterlassen - bei den Pflanzen, Vögeln und Fischen.

Am Ufer des Bürgerfließes bei Lübbenau im Spreewald kontrolliert der IGB-Doktorand Benjamin Wegner ein Infrarot-Zählgerat, das in einem Holzpflock befestigt ist - kaum sichtbar für die vorbeifahrenden Boote, die der Sensor registriert. »Wir erhalten lediglich ein Signal für jede Person und jedes Boot. Die Zahlen werden in einer Datenbank gespeichert. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben oder Bildaufnahmen gemacht«, erläutert Benjamin Wegner.

Der Versuch ist Teil des Projekts Aquatag - Freizeitaktivitäten an Binnengewässern: Dynamik, ökologische Auswirkungen, soziale Bedeutung und nachhaltiges Management. In Aquatag untersuchen Forschende das Freizeitverhalten von Menschen in und an Binnengewässern. Im Spreewald möchte das Team messen, wie viele Boote und Menschen auf den Fließen unterwegs sind sowie ob und wie sich die Freizeitnutzung auf die Umwelt auswirkt. Dazu haben sie neun Streckenabschnitte von mindestens je 1,3 Kilometern Länge mit Infrarot-Zählgeräten versehen. Die Strecken sind so ausgewählt, dass sie in unterschiedlich stark befahrenen Gebieten liegen: drei nicht befahrene Fließe, drei wenig befahrene und drei stark befahrene Gewässerabschnitte.

»Im Spreewald dürfen zwar keine Motorboote fahren, aber auch beim Paddeln können Tiere gestört und Pflanzen beschädigt werden. Wir erforschen, wie ausgeprägt diese Effekte je nach Stärke der Nutzung sind«, erklärt IGB-Forscher Dr. Christian Wolter, der den Versuch leitet. Die Forschenden möchten insbesondere herausfinden, ob Schwellenwerte eine Rolle spielen - also Nutzerzahlen, ab denen kritische Schädigungen von Arten sehr wahrscheinlich sind.

So kartiert das Team Ausprägung, Häufigkeit und mögliche Schäden der Wasser- und Uferpflanzen wie Hornblatt, Seerosen, Schilf und Seggen. Befischungen sollen Aufschluss darüber geben, ob die Zusammensetzung und Fitness der Fischbestände beeinträchtigt wird. Die Forschenden zählen und beobachten Vögel, um Unterschiede bei der Revierbildung und im Brutverhalten festzuhalten.

Die Verwaltung des Biosphärenreservats ist ein wichtiger Kooperationspartner für das Team - und gespannt auf die Daten. Denn die Verantwortlichen haben die Kanustrecken für den Spreewald festgelegt und können so evaluieren, wie sich Freizeitnutzungen, Tourismus und Naturschutz vereinbaren lassen. »Unsere Forschung kann ihnen helfen, den Spreewald sinnvoll zu managen - für Mensch und Natur«, sagt Benjamin Wegner.

Wie Eugen Nowak, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald, berichtet, unterstützt das Projekt das Monitoring, das regelmäßig von den Rangern im Spreewald durchgeführt wird. »Im Biosphärenreservat Spreewald geht es darum, eine gute Balance zwischen Schutz der Artenvielfalt und touristischen Nutzungen zu finden«, sagt Eugen Nowak.

»Der Paddeltourismus hat in den letzten Jahren stark zugenommen, durch die Corona-Pandemie steigt die Zahl der Gäste nochmals. Da ist es wichtig, eine gute aktuelle Datengrundlage zu haben, welche Auswirkungen von den Booten auf die Natur des Spreewaldes ausgehen, um die richtigen Schutzmaßnahmen zu treffen. Denn die Natur und die Artenvielfalt sind letztlich auch die Grundlage für den Tourismus im Spreewald, der ein wichtige Wirtschaftsfaktor ist.«

Der touristisch genutzte Spreewald sei zu großen Teilen Naturschutzgebiet und durch die Europäische NATURA 2000 - Richtlinie geschützt - da sei es wichtig, über die Auswirkungen der Nutzungen auf die Natur Bescheid zu wissen.

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