Peter Aswendt

Märchen-Debüt als Vogelscheuche

Senftenberg. Wenn Dorothee mitsamt ihrem Haus im diesjährigen Weihnachtsmärchen ins »Land von Oss« fliegt, dann hat sie neben dem Löwen und dem Blechmann auch die Vogelscheuche an ihrer Seite. Im Stück ist Dimitrij Breuer (28) der kluge Strohkopf.

Viel Neues stürmte auf den jungen Schauspieler in seiner ersten Spielzeit am Senftenberger Theater ein: »Ich hatte gleich zu Anfang verkürzte Theaterferien«, lacht er. Der Grund: Er war im diesjährigen Fontane-Spektakel der streitbare Theodor Storm, der im mystischen Bahnhofstunnel mit Fontane Grundlegendes ausfocht.

Grundlegendes entschied er auch für seine berufliche Zukunft, als er nach seinem Abitur einen Roadtrip durch die USA machte.

»Ich wollte eigentlich Musik studieren, merkte aber, dass es doch vielleicht doch nicht das Richtige ist.«

So schlug das Pendel, dass zwischen Jazzgitarre und Schauspiel hin und her schwang, immer mehr in Richtung eine Schauspielerkarriere aus. Aber zuerst studierte Dimitrij Breuer, der in Düren, in der Nähe von Köln aufgewachsen ist, Musikwissenschaften und Philosophie in Bonn. Nach zwei Jahren stand fest: »Das will ich nicht – ich will Schauspieler werden.« Es folgte das Schauspielstudium an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, welches er 2017 abschloss.

Woher seine Neigung zum Schauspiel kommt, weiß er nicht so genau: »Ich falle familiär etwas aus dem Rahmen«, schmunzelt der junge Schauspieler.

„Meine Mutter arbeitet in der Bank, die Schwester ist Sozialarbeiterin, nur der Vater hat sich als Schriftsteller einen kreativen Traum erfüllt“, beschreibt Dimitrij Breuer ganz pragmatische seine Familie.

Seine Liebe zur Bühne begann wohl schon in seiner Schulzeit: »Ich habe bei kleinen Schülerstücken oder Musicals mitgemacht.« Dass daraus ein Schauspielstudium wird, was im ersten Engagement am Theater der Altmark Stendal gipfelte, hätte er sich nicht träumen lassen. In Stendal erarbeitet er sich sozusagen seine ersten Theatermeriten. Den Kontakt zur neuen Bühne Senftenberg wurde über Esra Maria Kreder hergestellt. »Wir kennen uns von der Hochschule und sind eng befreundet«, verrät er. Gute, vertrauensvolle Kontakte sollte man nutzen, dachte er sich und so war nach dem erfolgreichen Vorsprechen die Verpflichtung zur neuen Spielzeit in Senftenberg perfekt. Neben dem erwähnten Spektakel war noch in einer Dreifachbesetzung in dem viel beachteten Stück »Aus dem Nichts« als Standesbeamter, Sachverständiger, Nazianwalt zu sehen.

Die Figur der Vogelscheuche im »Zauberer von Oss« ist sein erstes Märchenstück.

»Ich bin gespannt wie die Kids reagieren.«

Er mag den Charakter des Mannes aus Stroh, der auf der Suche nach einem Gehirn ist: »Er ist sehr naiv und denkt, er ist dumm, dabei ist seine Wissbegier seine Stärke und er merkt bis zum Ende nicht, wie genial er ist«, beschreibt er in kurzen Worten seine Figur. Dass die Figur auch eine große Körperlichkeit im Spiel hat, ist gar nicht zu vermuten: »Er ist als Strohmann sehr leicht und fällt oft hin. Das ist schon physisch anstrengend.«

In puncto Körperlichkeit kommt ihm auch sein Freizeitsport zu Gute. Er hat sich dem Mixed Martial Arts (MMA) verschrieben. Einer Kampfsportart, die verschiedene Techniken vereint. Einen Verein hat er auch schon gefunden: »Ich trainiere in einer kleinen Gruppe beim SV Senftenberg.«

Nach dem Märchenmarathon geht es für den jungen Schauspieler mit dem Stück »NippleJesus«, einem moralisch verstaubten Türsteher, weiter. Ebenfalls wird er in einer Klassenzimmerproduktion zu sehen sein. Das Stück »Deine Helden – meine Träume« von Karen Köhler hat Dimitrij Breuer quasi mit nach Senftenberg gebracht: »Manuel Soubeyrand hat sich das Stück in Stendal angeschaut und fand es toll.« Aber erst mal ist er der Strohmann mit viel Grips, der stolpernd über den Backsteinweg, gemeinsam mit Dorothee, Blechmann und Löwe, gegen die böse Hexe des Westens bestehen muss.

Kommende Termine des Weihnachtsmärchens »Zauberer von Oss«

• Donnerstag. 28. November, 19 Uhr
• Sonntag, 1. Dezember, 16 Uhr
• Sonntag, 15. Dezember, 16 Uhr

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