Bernd Witscherkowsky

Von der Reichsmark bis zum Euro

Hohenleipisch. Wann genau hier das erste Bier aus dem Zapfhahn floss, lässt sich nicht mehr genau sagen. Die Ortschronik verrät nur, dass Gottlieb Hummel den Gasthof »Zum goldenen Löwen« um 1850 schon betrieben haben muss.

Fest steht allerdings, dass dessen Sohn Oswald die Schankwirtschaft 1919 an Kurt und Frieda Kralisch übergab, die damit den Grundstein des heute 100-jährigen Familienbetriebes legten. Nach Krieg und Gefangenschaft des Sohnes, gingen Gasthof und Tanzsaal 1947 an Horst Kralisch und Ehefrau Gertrud, die den »Löwen« 1956 an die Konsumgenossenschaft verpachten mussten, ihn aber bis zum Ruhestand (1986) als Geschäftsführer durch volkseigene Zeiten führen durften. Recht turbulente Zeiten, wie sich Tochter Elke erinnert, die vier Jahre vor der Wende (1986) mit Ehemann Heinz Krausch selbst als Chefin hinter dem Löwen-Tresen stand. »Für mich war von Anfang an klar, die Traditionsgaststätte einmal zu übernehmen. Schon als Kind gehörten Tanzsaal und Gastwirtschaft zu meinen Lieblingsplätzen. Hier war schließlich jede Woche etwas los - ob Zirkus, Kino, Theater oder Tanz. Für ein Kind das totale Spielparadies. Wieviel Schweiß und Arbeit meine Eltern aber in die Gastwirtschaft steckten, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich erwachsen und schließlich selbst an der Reihe war«, wie sie sagte.

Ein Zeitabschnitt den auch ihr Mann nicht missen möchte, der noch heute von den legendären Tanzabenden und Konzerten mit den »Puhdys«, »Harmonia« oder »Tosca« schwärmt. Heinz Krausch dazu: »Wir haben immer für einen bunten Mix quer durch die Unterhaltungsmusik gesorgt. Was von unseren Gästen stets honoriert wurde.« Die beiden Wirtsleute waren es aber auch, die 1986 selbst für eine kleine Regional-Legende sorgten – bis heute übrigens. Mit ihrem »Tanz für Alleinstehende« haben sie im Laufe der Jahre schon so manch sturen Single vom Sofa geholt und quer über den Tanzsaal, direkt vor den Traualtar getrieben. »Worauf wir kein Copyright erheben wollen, aber eine Marktlücke in der Planwirtschaft wurde damit schon irgendwie geschlossen«, lächelt Elke Krausch. Ein kleiner Vorgeschmack auf die reale Marktwirtschaft, die dann 1990 tatsächlich kam.

Neustart 1990

Vor dem 1. Juli gab es zwar noch schnell eine Rolle Wechsel-Westgeld vom Konsum, danach mussten sich die Wirtsleute aber allein mit ihrem »Löwen« durch die neuen Zeiten kämpfen. Mit allem was dazu gehörte: Privatisierung, Investitionen (sprich Schulden machen), falschen Beratern aus dem Westen und ausbleibenden Gästen. Die sich aber bald schon wieder an die Schnitzel und Rinderrouladen im »Goldenen Löwen« erinnerten und es sich doppelt schmecken ließen, auch für Westgeld. Bis dann wieder mal eine neue Währung angesagt war. »2002 kam dann noch mal kurz eine Flaute.  Aber auch die haben wir, nach Reichsmark, Ostmark, Westmark und Euro, als Familie gut überstanden, sodass wir unserer Tochter 2009 ein geordnetes Haus hinterlassen konnten«, sagt ein stolzer Senior-Chef. Anja Krausch  führt das Wirtshaus inzwischen auch schon im zehnten Jahr, setzt weiter auf regionale Küche,  Veranstaltungen im Tanzsaal, Firmen- und Familienfeiern und dem kleinen Pensionsbetrieb für Urlauber und andere Gäste.

        2 Gründe- eine Feier

  • 100 Jahre Tanzsaal und 100 Jahre Familienbetrieb sollen natürlich gebührend gefeiert werden. Und so laden Elke, Heinz und Anja Krausch zur großen Jubiläumsarty ein.
  • Die startet am Samstag, 23. November, ab 18 Uhr.

Wer gern in alten Erinnerungen schwelgen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist übrigens frei!

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.