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Teufel und Kasper jetzt Kulturerbe

Bad Liebenwerda. Spielprinzip des Elbe-Elster-Museumsverbundes gehört offiziell zum Immateriellen Kulturerbe.

Eine Abordnung des Landkreises Elbe-Elster und seines Museumsverbunds nahm am 18. November im Düsseldorfer Schauspielhaus die offizielle Urkunde entgegen, die die Aufnahme des Kasperspielprinzips in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes bestätigt. Mit der Veranstaltung ehrte die Deutsche UNESCO-Kommission 20 Trägergruppen, die neu in das Verzeichnis aufgenommen wurden.

Für den Landkreis Elbe-Elster nahmen Susanne Wegner vom Sachgebiet Kultur und Partnerschaften sowie für den Museumsverbund Elbe-Elster Ralf Uschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda, teil.

Die eigentlichen Stars aus Elbe-Elster waren jedoch Kasper und Teufel – zwei Handpuppenfiguren aus der Sammlung des Mitteldeutschen Marionettentheatermuseums – die auf der Bühne für die Region und das hier gehütete immaterielle Kulturerbe des Kasperspielprinzips warben. Begrüßt wurden sie unter anderem von Dr. Marleen Meißner, Abteilungsleiterin Erbe, Natur, Gesellschaft der Deutschen UNESCO-Kommission; die Laudatio hielt Prof. Dr. Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkommitees Immaterielles Kulturerbe und Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission. Er unterstrich, dass die Ausgezeichneten nicht nur althergebrachtes Wissen in die Praxis übersetzen, sondern damit auch identitätsstiftend wirken und eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlagen.

Die Expertenkommission Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission hatte zuvor dem Antrag des Landkreises Elbe-Elster als Träger des Mitteldeutschen Marionettentheatermuseums Bad Liebenwerda zugestimmt, diese alte, aber überaus lebendige Spielform als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen. »Die lustigen Figuren verkörpern eine elementare Kraft, die immer und überall anzutreffen ist, stets lustig, naiv, verwegen, schlagfertig, derb, anprangernd, wortgewaltig und auch etwas hinterlistig«, beschrieb der inzwischen verstorbene Dresdner Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel das Spielprinzip Kaspertheater im Antrag. »Die lustige Figur darf auf der Bühne alles tun, ohne an Zwänge gebunden zu sein – im Gegensatz zu den Zuschauern, die in einer zusehends normierten und reglementierten Welt leben.«

Initiiert und begleitet wurde das Vorhaben vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Die Würdigung bestätigt und ergänzt die inhaltliche Neuausrichtung des Bad Liebenwerdaer Museums auf die lustige Figur im Puppenspiel, die im September 2020 mit der Eröffnung der neuen ständigen Ausstellung »Kaspers Welten« einen vorläufigen Höhepunkt fand. Neben der musealen, aber durchaus nicht trockenen Beschäftigung mit der Herkunft und Rolle des Kaspers im Handpuppen- und Marionettenspiel ist das Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum ein wichtiger Ort der aktiven Pflege des Puppen- und des Kasperspiels. Mit zahlreichen Gastspielen von Puppenbühnen und als Spielort des Internationalen Puppentheaterfestivals des Landkreises Elbe-Elster gibt das Museum dem Kasperspiel eine Bühne. Es steht im Austausch mit anderen deutschen Puppenspielmuseen, ist Mitglied der Union Internationale de la Marionnette (UNIMA) und organisiert regelmäßig Symposien zu Puppenspielthemen.

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