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Seit 25 Jahren durch die Nacht

Lübben. Ein Vierteljahrhundert im Dienst der Stadt: Der Lübbener Nachtwächter Frank Selbitz feiert in diesem Jahr sein Silber-Jubiläum.

In diesem Jahr blicken Sie auf Ihr Silber-Jubiläum als Nachtwächter in Lübben. Mit welchen Gefühlen denken Sie an dieses Jubiläum?

„Voller Freude, denn Freude und Spaß sind die Garanten des Erfolgs über 25 Jahre gewesen. Der Nachtwächter ist ein Teil der Stadt Lübben, aber auch weit darüber hinaus geworden. Mittlerweile habe ich Gäste von Neuseeland bis Canada geführt und so mancher Tourist aus verschiedenen Regionen Deutschlands kommt bewusst zu meinen nächtlichen Runden.“

Am 17. September 1994 begann Ihre persönliche Geschichte als Nachtwächter in Lübben. Was hat Sie einst angetrieben, die Rolle des Nachtwächters einzunehmen und Touristen durch die Stadt zu führen?

„Der Nachtwächter ist ein Kind des Stadtfestes. 1994 haben wir unter anderem mit Marga Morgenstern, Regina Schulze, Dietmar Komorowski, Steffi Noack und Familie Bogum den Kahnkorso, eine Spreewälder Hochzeit, organisiert. Selbst war ich für den Ablauf verantwortlich und wollte trotzdem mitspielen – als Abschluss des Korsos und wer kommt am Ende einer Hochzeit in der Nacht…“

Bis 1936 gab es in Lübben nachweisbar Nachtwächter. Mitte des 19. Jahrhunderts sind diese aufgrund der vermehrten Nutzung von Elektrizität und Straßenlaternen in den Städten verdrängt worden. Welche Aufgaben hatten Nachtwächter?

„Der Ruf ’Hört Ihr Leut´ und lasst Euch sagen, die Glock hat Acht geschlagen. Ich hüte das Feuer und das Licht, dass der Stadt kein Schaden geschicht‘ umfasst alles. Dabei war der Nachtwächter auf das stete Zusammenspiel mit dem Türmer angewiesen, der die Stadt von oben sah.“

Nun drehen Sie von Karfreitag bis zum Erntedankfest jährlich etwa 50 Mal eine 1,4-Kilometer-Runde durch Lübben - im schwarzen Umhang, mit breitem Hut, Horn, Laterne und Hellebarde. Was ist für Sie das Besondere an diesen Rundgängen durch die Spreewaldstadt?

„Die Mystik der Nacht und stets von Neuem überrascht zu werden. Oft erscheint einem die Stadt in einem neuen Licht. Sei es der Goldene Glanz der stets dunklen Kirchturmuhr oder das überraschte Liebespaar. Kein Rundgang gleicht einem anderen. Allein die stets neuen Wortgeplänkel mit den Leuten im Schein der Laterne sind der Reiz des Besonderen.“

Ein Nachtwächter-Rundgang durch Lübben dauert rund 111 Minuten. Wie viel Geschichte können Sie dabei ihren Weggefährten vermitteln?

„Es geht weniger darum, Geschichte zu vermitteln. Zwischen »Neun und Elf« geht es darum, mit Geschichte(n) zu unterhalten, die Gäste auf eine »Zeitreise in die Geschichte« mitzunehmen und die Nacht, mit ihren verschiedenen Facetten im Mondenschein, erleben zu lassen - gewissermaßen eine Sternenreise durch vergangene Zeit.“

In 25 Jahren Nachtwächter- »Dienstzeit« erlebt man sicher so manche Überraschung. Woran erinnern Sie sich besonders gern?

„An Freitag, den 13. August 2004, denn als Nachtwächter bin ich ein abergläubiger Mensch und bis dato habe ich nie an einem Freitag, dem 13., meine Runde gedreht. Für diesen Tag bat mich die damalige Brandenburger Kulturministerin, Prof. Johanna Wanka, die spätere Bundes-Bildungsministerin, um eine Ausnahme. Wir fanden in ihrem Kalender keinen anderen Termin und so schritt ich mit 167 Gästen im Schein meiner Laterne durch die Nacht. Da stand plötzlich »ein Stern der heute an meiner Seite steht« - meine Frau ….“

Im Jubiläumsjahr wird es besondere Höhepunkte geben. So wird Lübbens Bürgermeister Lars Kolan am 9. Mai einen touristischen „Nachtwächterpfad“ durch die Stadt eröffnen. Welche Idee steckt dahinter?

„Die Stadt entwickelt gegenwärtig ein touristisches Fuß- und Radwegekonzept, das den Bürgern und Touristen, die Stadt erlebbarer werden lässt. Stadtplanerin Karin Jacobsen sprach mich an, ob ich mir vorstellen könnte, den nächtlichen Weg des Nachtwächters durch die Stadt tagsüber sichtbar werden zu lassen. Aus dem Funken wurde eine Flamme, die mittlerweile wie ein Feuer brennt. Denn mit der TKS, der Firma Jegasoft, Piekorz Werbung und SES haben wir Partner gefunden, die die Idee mit zur Wirklichkeit werden lassen.

Sie selbst werden am 11. Juli ein Buch über 25 Jahre Nachtwächter- „Dienstzeit“ im Lübbener Wappensaal vorstellen. Was steckt zwischen den Buchdeckeln?

„Geschichten zur Geschichte der Nachtwächter, historisch, humorvoll, manchmal auch frech-frivol aufgearbeitet und mit einem Lächeln verpackt.“

Natürlich wird es auch einen Jubiläumsrundgang geben. Er startet am 17. September, „13 nach Neun“ von der Rathaustreppe. Was können Sie darüber bereits verraten?

„Nur eins, dass er wie der allererste Rundgang am Eingang des Schlossturms starten wird. Mein erster Auftritt begann im bis auf den letzten Platz gefüllten Wappensaal anlässlich eines Gastspiels des Berliner Kabaretts ’Die Distel‘ mit Vera Oechselheuser“
 
Sie sind der Dienstälteste Nachtwächter im Osten Deutschlands, stammen sogar noch aus dem letzten Jahrtausend. Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren für Sie als Nachtwächter verändert?

„Meine Stadt, denn 1994 bin ich mit den Gästen noch durch Lübben geschritten, dass einem ’stark sanierungsbedürftigem Gebiss‘ ähnelte. Heute ist die Stadt ein Kleinod, das die letzten Kriegswunden - hoffentlich - bis zum 75. Jahrestag seiner Zerstörung im April 2020 verheilen lässt. Allerdings ist man sich in der Stadt dieses, nicht nur touristischen, Kleinods zu wenig bewusst.

Als Nachtwächter gehören Sie der Europäischen Nachtwächter und Türmerzunft an. Wie ist es heute um die Nachtwächter in Europa bestellt? Passen sie noch zur modernen und durchdigitalisierten Stadt?

„Um es Neudeutsch auszudrücken: ’die Nachtwächter(ei) boomt‘. In vielen Städten treffe ich Kollegen. Nachtwächter zu sein, war historisch stets Männern vorbehalten. In unserer heutigen Welt ist der Drang nach Geschichte ungebrochen. Wir wollen wissen, woher wir kommen, wo unsere Wurzeln liegen und wie das Leben ’damals‘ verlief. Der Nachtwächter ist dafür ein Spiegel. Dafür können meine Nachtwächter-Freunde, viele von ihnen sind ihre ersten Schritte mit der Laterne in der Hand in Lübben gegangen, Menschen begeistern. Lübben hat jedoch ein Privileg. Wir haben den einzigen Nachtwächter im Osten Deutschlands, der aus dem letzten Jahrtausend übriggeblieben ist.

Ihren Nachtwächterhut wollen Sie noch lange nicht an den Nagel hängen. Solang das Licht der Laterne leuchtet wollen Sie Ihre Runde durch Lübben drehen, sagten Sie einst. Wie lang leuchtet so ein Laternenlicht?

„Mittlerweile habe ich von Bürgern der Stadt und Gästen viele Kerzen geschenkt bekommen. Diese leuchten noch eine Weile. Außerdem fragen die Gäste bei den Nachtwächter-Kahnfahrten, die in diesem Jahr samstags 20 Uhr 19 beginnen, wann ich im Jahr 2060 starte? Dafür steht die Antwort noch aus …“

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