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Tafeln in der Region werden nach wie vor gebraucht

Südbrandenburg. Carola Lademann ist Bereichsleiterin für die Tafeln des Arbeitslosenverbandes Deutschland-Landesverband Brandenburg (ALV) e.V. in Oberspreewald-Lausitz (OSL) und Elbe-Elster (EE). Der ALV als Träger der Tafeln feiert in diesem Jahr ebenfalls 30 Jahre.

Welches Zwischenfazit ziehen Sie für dieses Jahr hinsichtlich Ihrer Tafelarbeit in OSL und EE?

Das Jahr 2020 begann wie immer. Im ersten Quartal gab es wie jedes Jahr weniger Tafelspenden. Dann kam Corona. Mit Beginn der Pandemie um den 16. März standen alle Tafeln im gesamten Bundesgebiet vor einer Herausforderung. Viele Tafeln stellten ihren Betrieb ein. Mit sehr viel Besonnenheit und Engagement seitens des Vorstandes des ALV fanden wir einen Weg, die Tafeln samt mobilen Ausgabenstellen nicht zu schließen. In den ersten Wochen der Pandemie hatten wir das Problem, dass das Spendenaufkommen sehr gering war. Die ›Hamsterkäufe‹ in den Discountern waren der Hauptgrund dafür. Aber bereits vor den Osterfeiertagen relativierte es sich wieder und wir konnten in einen anderen Normalbetrieb gehen. Aufgrund Abstandsregeln, Hygienekonzepte und Maskenpflicht war die Bereichsleitung täglich mit dem Vorstand im Gespräch. Risikogruppen gab es auch beid en Tafeln. Wir haben viele ältere ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sowie ältere Tafel-Kunden. Oft wurden vor Ort unbürokratische und unkomplizierte Entscheidungen getroffen, damit die Tafelarbeit weiter gehen konnte.

Besonders in dieser Ausnahmesituation konnten wir feststellen, dass die Tafeln in Großräschen, Senftenberg sowie in Bad Liebenwerda und Herzberg nicht allein gelassen werden. Wir erhielten finanzielle Spenden und Sachspenden. Auf eine kurze telefonische Anfrage bei der BASF Schwarzheide GmbH erhielten wir für alle Tafeln des ALV Handdesinfektionsmittel kostenlos geliefert. Die Ordnungsämter der Stadt Senftenberg und Großräschen unterstützten die Tafeln bei den Ausgabezeiten. Und die Initiative ›Brandenburg hilft‹ sammelte in Senftenberg private Spenden ein und brachte diese zur Tafel.

Zudem stellten wir Anträge auf finanzielle Unterstützung bei der ›Aktion Mensch‹ und der Corona-Soforthilfe Tafel Deutschland und konnten mit Hilfe dieser die Tafeln den neuen geforderten Gegebenheiten anpassen.

Sie sprachen es an. Die Corona-Pandemie hat bisherige Abläufe durcheinandergewirbelt. Wie hat sich dahingehend die Arbeit der Tafeln heute verändert?

Ohne das Engagement unserer ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen wäre die Tafelarbeit in dieser Zeit nicht möglich gewesen. Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist eine Arbeit, die unbezahlbar ist. Dieser Satz sagt aus, was und wie in diesen Wochen und Monaten alles möglich war. Die Tafelarbeit an und für sich hat sich dahingehend geändert, dass wir uns an die Gegebenheiten zur Eindämmung der Pandemie halten und unsere soziale Arbeit fortsetzen.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das 30-jährige ALV-Jubiläum?

Der ALV begeht dieses Jubiläum im Oktober. 30 Jahre soziale Arbeit im Land Brandenburg haben eine Geschichte. 30 Jahre sind eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen.

Welche Bedeutung haben die Tafeln in OSL und EE aktuell für die beiden Regionen?

Das die Tafeln nach wie vor gebraucht werden, spiegelt sich in den Zahlen der monatlichen Nutzer wieder. Ja, es wäre schöner, wenn es keine Lebensmitteltafeln in einem reichen Land wie Deutschland geben müsste, aber ohne diese würden viele Nutzer ihren Alltag nicht bewältigen. Doch die Lebensmittelspenden der Tafeln sind keine Grundversorgung – dies ist nur eine zusätzliche Hilfe. Die Tafeln verteilen nur die Spenden, welche sie täglich abholen.

Woher beziehen die Tafeln in OSL und EE größtenteils ihre Lebensmittel?

Die Tafeln in OSL und EE haben ihre langjährigen Spender in den Landkreisen. Lebensmitteldiscounter, kleiner Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien und so weiter. Im Logistiklager der Tafeln in Finsterwalde kommen über Tafel Deutschland Großspenden von Lebensmittelherstellern an, welche dann an die Tafeln im Land Brandenburg gesammt verteilt werden.

Wie viel Menschen nutzen die jeweiligen Tafeln?

In OSL führen wir die Tafeln in Großräschen und Senftenberg. Insgesamt haben wir in OSL zirka 650 betroffene Haushalte,  darin enthalten sind 248 Kinder unter 14 Jahren  sowie 59 Rentner. In EE ist der ALV Träger der Tafeln Bad Liebenwerda und Herzberg. Hier versorgen wir zirka 2300 betroffene Haushalte, darin enthalten sind 500 Kinder unter 14 Jahre, sowie 460 Rentner

Die Zahl der Tafel-Rentner wird in den kommenden Jahren zunehmen?

Das Thema Alters- und Kinderarmut ist bleibt ein soziales Thema. Die Bundes- und Landespolitik muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Deutschland zwar ein ›reiches‹ Land ist, aber sozial sehr ungerecht in der Verteilung des Reichtums ist. Wer in Deutschland Zeit seines Lebens arbeitet, muss im Alter von seiner Rente gut leben können. So sollte es sein. Aber leider war dies in den vergangenen 30 Jahren nicht immer für alle möglich. Besonders in der Lausitz und im Elbe-Elster-Land war die Arbeitslosigkeit immer sehr hoch und dies wird sich in den kommenden Jahren im Rentenniveau wiederspiegeln.

Mit welchen aktuellen Herausforderungen haben die Tafeln zu kämpfen?

Aktuell richten wir unsere tägliche Arbeit an den bestehenden Vorschriften zur Eindämmung der Corona-Pandemie aus. Die Krankheit ist Bestandteil unseres Lebens und wir alle wissen nicht, wie lange diese uns alle noch begleiten wird. Wichtig ist, dass der Träger der Tafeln, der ALV, die Folgen der Pandemie bewältigt. Viele andere Projekte - wie etwa Beratungsangebote der Schuldner- und Insolvenzberatung, die Textil- und Möbelbörsen, die Freizeitangebote für Kinder- und Jugendliche  - waren geschlossen und müssen jetzt wieder in den Alltag zurückfinden. Der Träger ist und bleibt dabei der Dreh und Angelpunkt und vertritt die Tafeln auf Landes- und Bundesebene.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das restliche Jahr bezüglich der Tafelarbeit?

Das letzte Quartal in diesem Jahr beginnt. Das Jahr ist sehr schnell vergangen und es war anders – komplett anders. Hätte uns jemand 2019 dieses vorhergesagt - wir hätten es nicht geglaubt. Der ALV als Träger der Tafeln kann sich nur bei allen bedanken, welche unsere soziale Arbeit in dieser Zeit unterstützt haben. Jede finanzielle Spende hat uns geholfen und hilft uns, dass wir Tag ein Tag aus auf Tour sein können.

Der WochenKurier begeht in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Welchen Stellenwert räumen Sie regionalen Medien hinsichtlich ihrer Tafelarbeit ein?

Erst einmal Herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Bestehen im Namen des Vorstandes des ALV. Danke für die jahrelange Unterstützung unserer Arbeit - ob etwa bei einer Spendenübergabe oder bei Übergabe eines neuen Tafelkühlfahrzeuges. Sie haben uns immer geholfen, unsere Arbeit öffentlich zu machen. Soziale Brennpunktthemen finden immer ein offenes Ohr - und regionale Medien geben uns dafür Raum. Raum, welchen wir in unserer sozialen Arbeit benötigen, um auf die Menschen aufmerksam zu machen, welche nicht auf der sogenannten Sonnenseite des Lebens  stehen. Ich persönlich freue mich über eine weitere gute Zusammenarbeit und bedanke mich für die Hilfe und Unterstützung.

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