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Landwirtschaft: Kein Wasser, zu viel Sonne

Südbrandenburg. Der Erntedanktag steht vor der Tür. Am 6. Oktober bedanken sich Christen bei Gott für die eingebrachte Ernte. Doch wie sah das zurückliegende Ernte-Jahr aus? WochenKurier sprach mit Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg.

Wie lautet Ihr Ernte-Fazit für 2019?

Das Jahr 2019 hat sich unwesentlich vom Jahr 2018 abgehoben. Wir hatten vergangenes Jahr eine nationale Katastrophe in der Landwirtschaft und dafür eine gewisse Entschädigung bekommen. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es hat uns geholfen, auch dahingehend, dass wir in diesem Jahr von diesen Hilfen partizipieren konnten. Es ist jetzt das fünfte Jahr in Folge, wo wir mit einer stark ausgesprägten Frühsommertrockenheit zu kämpfen haben. Seit Ende März, Anfang April dieses Jahres ist die Schere zwischen Wasseraufnahme und Wasserabgabe immer größer geworden. Wir haben jetzt eine negative Wasserbilanz, die sich auf knapp 300 Liter beläuft.

Wie stellen sich die Erträge im Einzelnen dar?

Nicht unzufrieden waren wir mit dem Wintergetreide. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wurden insgesamt 34 Doppelzentner Winterroggen, 45 Doppelzentner Winterweizen und 43 Doppelzentner Wintergerste geerntet. Das sind natürlich alles keine berauschenden Ergebnisse. Aber in Brandenburg durchweg wurde nur eine 75 prozentige Ernte eingefahren als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Regional sind die Erträge jedoch sehr unterschiedlich. Es gibt privilegierte Regionen im Landkreis, die haben mehr Niederschlag bekommen, und es gibt sehr benachteiligte Regionen. So gibt es Betriebe, die mit ihren Erträgen sehr zufrieden sind, aber auch welche, die unterdurchschnittliche Erträge hatten.

Die Kartoffelernte läuft noch?

Sie ist in vollem Gange. Man kann jetzt schon sagen, dass die Ernte jedoch sehr durchwachsen sein wird. Denn eine Beregnung ersetzt keinen natürlichen Regen. Auf das kalte Wasser reagieren die Pflanzen mit Ertragsdepressionen. Mit einer Beregnung erhalte ich sie am Leben. Sie bringen aber keine Spitzenerträge.
 
Alles hängt somit nur am Wasser?

Im Grunde ja. Es fehlt das Regenwasser. Doch auch die Grundwasserstände sind gesunken. Damit ist auch die Wassersäule abgerissen. Das hatten wir noch nie. Die Wassersäule hatte bisher immer in den wurzelnahen Raum hineingereicht. Jetzt ist in zwei Metern Tiefe kein Tröpfchen Feuchtigkeit mehr zu finden. Neben der Trockenheit haben wir zudem das große Problem der immensen Sonneneinstrahlung. Sie führt dazu, dass sich gerade auf Sandböden die Oberflächentemperatur bis auf 70 Grad Celsius erhöht. Ab 55 Grad Celsius gerinnt jedes Eiweiß. Und das heißt, dass die Pflanzen regelrecht verbrennen. In diesem Jahr hatten wir unwahrscheinlich viel Sonnenbrand auf Paprika, Tomaten und teilweise auch auf Gurken. So etwas haben wir noch nie gehabt.
Zusätzlich spielt auch der enorme Wind eine Rolle - gerade, wenn wir diese starken Ostwetterlagen haben. Der Wind hat den Morgentau, wenn er denn da war, sofort weggetragen.

Landwirte sind eben vom Wetter abhängig. Da kann man nichts machen - oder?

Alles, was wir beeinflussen können, versuchen wir bereits. Wir verändern Anbaustrategien und versuchen, für die Folgekultur die Restfeuchte im Boden so lange wie möglich zu lassen. Wir pflügen sehr wenig, versuchen mit Zwischenfrüchten und Untersaaten den Boden zu bedecken, dass er nicht nackt der Sonne ausgesetzt ist. Wir suchen trockenresistente Sorten aus und schauen, welche Pflanzen überhaupt noch geeignet sind, hier anzubauen.

Wird es hinsichtlich des Ernteergebnisses Auswirkungen für den Verbraucher geben?

Nein. Wir haben einen globalen Markt. Wenn etwas knapp ist, steigt nicht gleich der Preis. Seit der Finanzkrise werden die Rohstoffe aus der Landwirtschaft - Getreide, Öl und Eiweiß - weltweit an der Börse gehandelt. Die Leitwährung an der Börse ist immer noch der Rohölpreis. Ist dieser niedrig, bekommen wir für unsere landwirtschaftlichen Rohstoffe weniger Geld. Die Verbraucher freuen sich natürlich, wenn an der Tankstelle der Diesel- und Benzinpreis niedrig ist. Wir Landwirte sehen das zwiegespalten. Wir freuen uns auch, wenn wir wenigerer für den Kraftstoff unserer Fahrzeuge bezahlen müssen, aber wir wissen, dass wir dann sehr niedrige Erzeugerpreise bekommen. Und da spielt es keine Rolle, ob wir hier eine Missernte haben oder nicht. Der Markt bedient sich auf dem Weltmarkt, wo es eben mehr Agrar- als Industriestaaten gibt.

Und aus diesem Spiel kommen Lausitzer und Spreewälder Landwirte nicht heraus?

Wir versuchen, zunehmend auf Regionalität zu setzen. Sie hat in der Beliebtheitsskala bei den Menschen schon den Bio-Begriff überholt. Regionalität wünschen wir uns ja alle. Doch sie muss auch gelebt werden. Verbraucher müssen es uns mit ihren Handlungen zeigen. Wir können nur appellieren, dass sie genau hingucken, was sie kaufen. Deshalb brauchen wir eine bessere Kennzeichnungspflicht als bisher, damit Verbraucher schnell erkennen, wo die Ware herkommt. Diese kommt zunehmend - gerade bei den Discountern, die mit dem Preis werben - nicht aus Deutschland. Denn unsere Landwirte wollen nicht Menschen zweiter Klasse sein, wollen wie alle anderen am Wohlstand der Gesellschaft teilhaben und erhalten mindestens ihren Mindestlohn. Das macht die Produkte aus Deutschland eben teurer und damit nicht konkurrenzfähig mit dem, was aus dem Ausland kommt, wo der Lebensstandard nicht so hoch ist. Dass man das alles mit höheren Erträgen kompensieren könnte glaube ich nicht, denn das will die Gesellschaft auch nicht. Sie möchte keine Massentierhaltung, keine riesigen Monokulturen. Wir müssen aber sehen, dass wir mit unseren Erlösen unsere Kosten decken können. Da wird in Zukunft die Regionalität mit der Direktvermarktung eine größere Rolle spielen.

Sehen Sie alternative Einkommensquellen für Landwirte?

Auf den Böden, wo zukünftig eine Produktion von Futter oder Nahrungsmitteln nicht mehr sinnvoll ist, gibt es Alternativen. Beispielsweise mit Kurzumtriebsplantagen - etwa mit Pappeln -, Agroforstsysteme, wo in Kombination Acker-, Forst- und Obstbaumstreifen angelegt werden. Das bedeutet, Risiko zu streuen, um Einkommen zu variieren. Und warum auch nicht auf Flächen, die absolut nicht mehr für die Landwirtschaft geeignet sind, eine Photovoltaikanlage installieren.

Wie sieht die Zukunft der Brandenburger Landwirtschaft aus?

Die junge Generation wird jetzt nachrücken müssen. Wir werden weiterhin Anstrengungen unternehmen, den Beruf ins rechte Licht zu rücken und uns interessant zu gestalten. Wir sind zufrieden, auch wenn wir keine steigenden Ausbildungszahlen haben.  In anderen Branchen sieht es schlechter aus. Was die Zukunft der Landwirtschaft in Brandenburg betrifft bin ich fest davon überzeugt, dass wir weiter mit einer vielfältigen Landwirtschaft auftreten werden - aber mit der Ausrichtung hin zu mehr Regionalität. Wir werden dort stärker präsenti sein, wo der Kunde unterwegs ist, denn in der Direktvermarktung werden wir in Zukunft noch mehr umsetzen als wir es bisher tun.

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