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Projekt voller Unwägbarkeiten

Nun, da das Baugerüst am Rathausturm abgebaut ist, erstrahlt das Spremberger Wahrzeichen wieder in voller Schönheit. Doch das Erreichen dieses Ziels war mehr als kompliziert.
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Die Sanierung des Turms war nicht allein eine Frage der Schönheit. Hier drohte Gefahr für die Passanten und das gesamte Bauwerk. Der Putz war bis ins Mauerwerk gerissen und lag in großen Flächen hohl, das Mauerwerk dahinter war bröckelig, auf dem Dach lösten sich Schieferplatten und zahlreiche Tragbalken waren verrottet. Das Ausmaß der Schäden wurde erst erkennbar, als man die bis zu zwölf Zentimeter dicke Putzschicht entfernt hatte und im Rahmen der Prüfungs- und Sanierungsarbeiten nach und nach bis zur Turmspitze vordringen konnte. Sabine Brückner vom Architektur- und Ingenieurbüro IAB Brückner berichtet von den ersten Überraschungen, nachdem im Juni 2020 die erste, zehn Meter hohe, Rüstung gestellt war und mit dem Abschlagen der Putzschicht begonnen wurde. »Zum Vorschein kam ein Mauerwerkgemisch aus Ziegeln im Klosterformat und aus Feldsteinen, mit Lehm oder mit magerer Kalkmischung vermörtelt. Zahlreiche zerbröckelte Ziegel mussten ersetzt werden, breite Risse wurden sichtbar. Während der Sommermonate wurden die Stabilisierungs- und Riss-Sanierungsarbeiten durchgeführt und der Putz wurde lagenweise aufgetragen. Die Auszugsversuche am Mauerwerk ergaben, dass die Rüstung dort nicht verankert werden konnte. Eine frei tragende Rüstung bis zur Turmspitze musste her.« Sie sollte 34 Meter hoch werden. Um die Windlast zu minimieren, mussten großmaschigere Netze angebracht werden und zur Sicherheit ein Schutzdach für den Autoverkehr in der Langen Straße gestellt werden. Entscheidungen über notwendige Maßnahmen konnten immer erst mit dem Erreichen weiterer Höhenmeter und der Sichtbarwerdung des Zerstörungsgrades der Turmkonstruktion getroffen werden. Ab November wurde der Rathausturm zur Winterbaustelle, die vor allem die Zimmerleute und Dachdecker der SK Dachbau GmbH und die Fassadensanierer der Neusch-Bau GmbH besonders forderten. Die vermoderten Balken in der Holzkonstruktion waren die Ursache, dass sich die gesamte Spitze als instabil erwies. Nach dem Austausch der maroden Balken und der Wiederherstellung von Auflagerbalken, die an noch gut erhaltene Hölzer angeschuht wurden, konnte auch die Schiefer-Spitze neu eingedeckt werden. Das übernahm eine Spezialfirma aus dem Erzgebirge. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch die Turmspitze mit Kugel, Wetterfahne und Stern heruntergehoben, der Inhalt der Kugel gesichtet und um eine neue Schatulle erweitert. Die Firma Nennewitz aus Groß Kölzig übernahm die Neuvergoldung der Kugel und der Wetterfahne. Viele Jahrzehnte nutzten auch Tauben die Turmspitze. Ihre Hinterlassenschaften füllten zehn Müllsäcke. Deshalb wurden die Öffnungen in der Laterne, in der auch die Klangschalen der Turmuhr hängen, mit einem Schutznetz versehen. Auf der Balkonebene befindet sich das Uhrwerk, das von der Firma Handrick gewartet wurde. »Dieser Bau war mit keinem unserer bisherigen Sanierungsprojekte vergleichbar, nicht einmal mit der Kirchensanierung. Beim Rathausturm gab es so viele Überraschungen und Unwägbarkeiten. Der Holzzerstörungsgrad war dramatisch, das Mauerwerk so inhomogen, so brüchig. Aber technisch war es durchaus beherrschbar und die beteiligten Baufirmen haben sich als sehr flexibel erwiesen und gute Arbeit geleistet,« erklärt Bauingenieurin Sabine Brückner rückblickend.


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