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Pflege bis zum letzten Atemzug

Guben. Ein besonderes Jubiläum begeht die Diakonie-Sozialstation am Naëmi-Wilke-Stift: Seit zehn Jahren begleitet ein Team von besonders geschulten Pflegefachkräften sterbende Menschen bis in den Tod.

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Fünf speziell geschulte Krankenschwestern gehören zum SAPV-Team: Manuela Lampe, Leiterin Manja Hergt, Janine Hirthe, Claudia Gumlick und Beatrice Steglich (v.l.).

Fünf speziell geschulte Krankenschwestern gehören zum SAPV-Team: Manuela Lampe, Leiterin Manja Hergt, Janine Hirthe, Claudia Gumlick und Beatrice Steglich (v.l.).

Foto: Naëmi-Wilke-Stift

Die »Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung« (SAPV) wird von Menschen in Anspruch genommen, die sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihrer unheibaren Krankheit befinden. 700 Patienten haben die Schwestern der Sozialstation in Guben und Umgebung auf diesem Weg begleitet. Schwester Manja Hergt, leitet die Diakonie-Sozialstation und hat von Anfang an die pflegerische Palliativversorgung mit aufgebaut.

 

Was macht es mit den Schwestern, wenn sie täglich mit todkranken Patienten umgehen?

Manja Hergt: Ich empfinde diese Arbeit als eine große Bereicherung. Was ich gebe, bekomme ich doppelt und dreifach zurück. Mit jedem Patienten lernt man dazu – fachlich, aber auch in Bezug auf die eigene Persönlichkeit. Natürlich ist diese Pflege auch belastend, man nimmt manches mit nach Hause. Mein jüngster Patient war 16 Jahre alt. Das war auch für mich schwer. Um die Arbeit dauerhaft machen zu können, benötigt man deshalb ein stabiles privates Umfeld. Eine Schwester, die persönliche Probleme hat, nehmen wir aus dem Dienst heraus.

 

Was unterscheidet die Palliativpflege von der »normalen« Pflege?

Das Gute an der Palliativpflege ist, dass wir einfach mehr Zeit für die Patienten zur Verfügung haben. Auch einfach mal sitzen und zuhören ist für alle Betroffenen und deren Angehörige wichtig und wird dankend angenommen. Man kann auf den individuellen Bedarf der Patienten eingehen, ihre Symptome lindern und auch die Familie in dieser Zeit unterstützen. Wir gehen übrigens nicht nur in die Familien, sondern auch in die Pflegeheime. Das wissen viele noch nicht. Hier beraten und unterstützen wir die dortigen Pflegekräfte. Wichtig ist uns, auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Wir holen den Patienten dort ab, wo er steht, und nur das zählt. Wir beantworten Fragen zur Therapie. Was geht? Besteht Hoffnung? Wir gehen mit – ehrlich und empathisch.

 

Verändert sich die Einstellung zum Tod, wenn man miterlebt, wie Menschen sterben?

Ich hatte nie Angst vor dem Tod. Was sich verändert, ist die Einstellung zum Leben. Ich nehme vieles bewusster wahr und weiß es zu schätzen.

 

Wer Fragen zur Speziellen Ambulanten Palliativversorgung hat, kann sich an die Diakonie-Sozialstation am Naëmi-Wilke-Stift wenden unter 03561/ 403-157.


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