U. Nelles

Ort zum Kennenlernen und zum Wohlfühlen

Freital. Das Kultur-Café hat wieder geöffnet – es soll zum Ort für Musik, Gastronomie und Austausch zwischen gebürtigen und zugewanderten Freitalern werden.

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Nach einer sechswöchigen Sommerpause lädt das Freitaler Kulturhaus wieder zu einem Treff der besonderen Art ein: dem Kultur-Café. Entstanden ist es im Rahmen des Projektes X-Dörfer des Dresdner Staatsschauspiels, das bewusst Projekte in Kleinstädten unterstützt. So soll erreicht werden, dass Risse zwischen unterschiedlichen Gruppen überwunden werden. »Bei uns sind alle willkommen und können sich mit ihren eigenen Ideen einbringen«, erklärt Miriam Scholl. Sie ist Regisseurin und künstlerische Leiterin von X-Dörfer. »Ich glaube, dass Freital manchmal an einer Zuschreibung von außen leidet, dass die Menschen hier Ausländern abwehrend gegenüberstehen«, sagt Tscholl und setzt dem entgegen: »Sowas nützt niemandem. Außerdem gibt es hier viele offene Orte und offene Menschen.« So könne das Kultur-Café einen Dialog zwischen verschiedenen Nationalitäten herstellen und zeigen, wie man sich fremden Kulturen mit Respekt nähern kann.

 

Wer sich für einen Besuch des Kultur-Cafés interessiert, hat dazu jeden Dienstag ab 17 Uhr Gelegenheit. In dem neben dem Haupteingang des Kulturhauses liegenden Café Da Capo werden die Besucher zunächst mit Chorgesang empfangen. Bei unserem Besuch hat Leiter Friedemann Röber das Lied »Shalom Chaverim – Friede sei mit euch, Freunde« angestimmt. Geschickt versteht er es, alle – ob mit oder ohne musikalische Vorkenntnisse – mit einzubeziehen. Daneben bietet eine offene Teestube Raum für entspannte Begegnungen und Gespräche. Kinder unterschiedlichen Alters können sich unter Anleitung künstlerisch ausprobieren. Ob Malen, Tanzen oder Musizieren – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Man verständigt sich meist in Englisch – ohne dass die Sprache von jedem fehlerfrei beherrscht werden muss.

 

Ab 19 Uhr begrüßen die Organisatoren alle Anwesenden zur bereits bewährten Reihe »Open Mic«. Diese Reihe bietet jedem die Möglichkeit, auf einer offenen Bühne selbst erdachte oder traditionelle Texte, Lieder, Witze, Tanzeinlagen oder sogar kleine Stücke aufzuführen. Technik für den richtigen Klang und Beleuchtung sind vorhanden.

 

Bei unserem Besuch musizierten ganz verschiedene Menschen miteinander: Alteingesessene und neu Zugezogene, ein Mann mit Baby auf dem Rücken und Frauen mit Kopftuch. »Jeder kann das Kultur-Café besuchen und es zu einem offenen, fröhlichen Ort des Miteinanders machen«, glaubt Miriam Scholl. »Wenn Einheimische und Geflüchtete mit Kindern zusammen im Chor singen und danach bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen – dann kann das Singen schon eine Art Brücke sein.«

 

Das ungewöhnliche Projekt X-Dörfer will Menschen außerhalb der sächsischen Großstädte bei der Umsetzung ihrer eigenen Kulturprojekte unterstützen. Und es ist eine Antwort auf die größer werdende Kluft zwischen Stadt und Land. So verweist Miriam Scholl auf den Umstand, dass jahrelang Geld nur in die Großstädte wie Leipzig und Dresden geflossen sei. Da stand das Umland im Schatten von Semperoper und Staatsschausiel. »Diese ungesunde Konzentration auf die Leuchttürme ist zum Glück jetzt durch Projekte wie unseres abgelöst worden.«

 

Das Kultur-Café im Freitaler Kulturhaus hat jeden Dienstag ab 17 Uhr geöffnet. Ein zweites Projekt von X-Dörfer ist das Festival »Pirna schreibt« vom 16. bis 25. September.

 

Kulturcafé: Kulturhaus Freital, Lutherstraße 2, Haltestelle Platz des Friedens


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